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Der Einfluss sowjetischer Produkte und Kultur auf die DDR

„Von der Sowjetunion lernen heisst siegen lernen!“ Über mehrere Jahrzehnte hörten DDR-Bürger diese Parole. Offiziell war für die Völkerverständigung die Gesellschaft für Deutsch Sowjetische Freundschaft zuständig. von Jörn Kleinhardt (06.10.2016)

„Von der Sowjetunion lernen heisst siegen lernen!“ Über mehrere Jahrzehnte hörten DDR-Bürger diese Parole. Offiziell war für die Völkerverständigung die Gesellschaft für Deutsch Sowjetische Freundschaft zuständig. Die Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (kurz GSSD) hatte auf dem Gebiet der DDR mehrere hunderttausend Soldaten unter Waffen. Zu den in der DDR verehrten kommunistischen Ikonen gehörten neben Karl Marx und Ernst Thälmann auch Lenin und Stalin. Ihr Konterfei befand sich auf vielen politischen Bannern und Monumenten, welche oftmals das Straßenbild prägten.

Doch auch im privaten Alltag hatte der „Große Bruder“ erheblichen Einfluss auf das Leben der Ostdeutschen. Auf den Straßen der DDR tummelten sich neben den DDR-Marken Trabant, Wartburg und Barkas auch etliche Kraftfahrzeuge aus sowjetischer Produktion. Unter dem Markennamen „Shiguli“, besser bekannt als „Lada“, prägten verschiedene Modelle des russischen Autoherstellers AwtoWas das Bild auf vielen deutschen Straßen. Besonders verbreitet war der an der Wolga in Lizenz produzierte Fiat 124. Aber auch andere Fahrzeugmarken wie Moskwitsch oder Saporoshez (in der DDR Saporosch genannt) waren unter KFZ-Haltern sehr beliebt. Neben heimischen Nutzfahrzeugen wie dem Robur und dem LKW W50, gab es die LKW der Marke Ural oder Kamaz. Die russischen Fahrzeuge galten allgemein als sehr robust.

Der sowjetische Einfluss reichte auch in die deutschen Wohnzimmer. Beliebte Dekogegenstände der damaligen Zeit waren beispielsweise Samoware, Matroschkas oder aus Holz gefertigte und kunstvoll bemalte Löffel. Diese Einrichtungsgegenstände wurden gern als Souvenirs aus dem Bruderland mitgebracht. In vielen Zimmern der Republik standen die kleinen „Junost“ Fernsehgeräte. Die robusten Röhrenfernseher kamen in den 1970er Jahren in verschiedenen Farbkombinationen auf den DDR-Markt. Erst ab Mitte der 1980er Jahre gab es dann vergleichbare Produkte von RFT und Robotron. In den heimischen Küchen wurden gerne russische Produkte verwendet oder russische Gerichte wie die typische Soljanka gekocht.

Auch kulturell übte der „Große Bruder“ seinen Einfluss aus. Neben sowjetischer Folklore wie den Donkosaken und anderen Chören gab es eine Menge Filme aus sowjetischer Produktion. Die Bandbreite reichte von klassischen Literaturverfilmungen wie Nikolai Ostrowskis „Wie der Stahl gehärtet wurde“ oder Tolstois „Krieg und Frieden“ bis zu seichten Komödien. Für die kleinen Zuschauer gab es mit „Nu Pogodi“, bei uns als „Hase und Wolf“ bekannt, eine Trickfilmreihe die schnell Kultstatus erreichte. Die beiden Hauptfiguren zierten auch etliche Puzzles und Spielzeuge jeglicher Art. Zahlreiche Episoden ihrer Abenteuer konnte man auf Rollfilmen verfolgen.

Die Literatur wurde ebenso von sowjetischer Seite geprägt. Neben klassischen Romanen sowjetischer Herkunft war vor allem die Zeitschrift „Sputnik“ beliebt. Aber auch andere Zeitschriften wie die großformatige „UdSSR im Bau“ - später die „Sowjetunion“ - waren erhältlich und schnell vergriffen. Der „Sozialistische Realismus“ als kommunistische Stilrichtung in der Kunst, wurde von vielen DDR Künstlern vereinnahmt. Zu den bekanntesten  Vertretern der Gattung gehörten in der DDR zweifelsohne Walter Womacka und Ronald Paris. Architektonisch wurde vor allem in den frühen Jahren der DDR auf den in der Sowjetunion entwickelten „Sozialistischen Klassizismus“ gesetzt. Zahlreiche Prestigebauten wie die damalige Stalinallee in Berlin oder die ersten Ausbaustufen der „Ersten sozialistischen Stadt Stalinstadt“ (später und heute Eisenhüttenstadt)“ wurden im sogenannten Zuckerbäckerstil erbaut.

Wirtschaftlich übte die Sowjetunion erheblichen Einfluss auf die DDR aus. Neben dem planwirtschaftlichen Gütertausch wurden ab den 1960ern ehrgeizige Gemeinschaftsprojekte gestartet. Der gesamte Ostblock war beispielsweise Teil des „Interkosmos“ Programms. Bei dem wissenschaftlichen Raumfahrtprogramm ging es um die Teilhabe und Einbindung nichtsowjetischer Technik und Kosmonauten. Im Rahmen des Interkosmos Programms gelangte mit Sigmund Jähn im Jahr 1978 der erste Deutsche ins All.

Ein anderes erwähnenswertes Großprojekt stellt der Bau der „Druschba Trasse“ dar. Dabei handelt es sich um eine Erdgasleitung mit einer Länge von knapp 2800km. Die DDR war seinerzeit für den Bau eines 550km langen Teilstückes zuständig. Über 10.000 Arbeiter bauten mehrere Jahre an dem Gemeinschaftsprojekt. Organisiert wurde der Bau als „Zentrales Jugendobjekt“ der „Freien Deutschen Jugend (FDJ)“.

Auf Facebook gibt es begleitend zu diesem Blog eine große Bildergalerie mit vielen Produkten und Objekten aus der Sowjetunion. Stöbern Sie doch mal durch die Bildgalerie, vielleicht finden Sie ja ein altes Erinnerungsstück!


 

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