Karl Marx und sein Nachwirken in der DDR

von Jörn Kleinhardt (22.10.2015)

In dieser Ausgabe des Sammlungsblogs soll es um das Wirken und die Thesen von Karl Marx und sein Nachwirken in der DDR gehen. Auf den ersten Blick ein Widerspruch, da Karl Marx im 19. Jahrhundert lebte und agierte, lange bevor die DDR gegründet wurde.

Karl Marx wurde 1818 in Trier als drittes Kind in eine gutbürgerliche Familie geboren. Sein Vater Heinrich war ein renommierter Anwalt, seine Mutter Henriette war die Tochter eines erfolgreichen Unternehmers aus den Niederlanden. Durch die gut situierte Stellung der Eltern war es dem jungen Marx möglich auf verschiedenen Universitäten in Bonn und Berlin zu studieren. Nach der erfolgreichen Studienzeit arbeitete Marx ab 1842 als Redakteur für die liberale Rheinische Zeitung. Während dieser kurzen Epoche kam es zum ersten Treffen zwischen Karl Marx und seinem späteren Begleiter Friedrich Engels. Im Jahr 1843 siedelte der frisch verheiratete Marx nach Paris über und arbeitete dort als Herausgeber verschiedener Werke.  Hier lernte er unter anderem seinen Cousin dritten Grades Heinrich Heine kennen. Die Zusammenarbeit mit Friedrich Engels intensivierte sich ebenfalls in dieser Zeit, da beide ähnliche politische und ökonomische Auffassungen vertraten. Aufgrund seiner offenen und kritischen Haltung gegenüber dem Staat Preußen musste er 1845 nach Brüssel übersiedeln. In der belgischen Wahlheimat versuchte Marx unter Mithilfe von Friedrich Engels die kommunistischen Strömungen im „Bund der Kommunisten“ zu vereinigen. Das von ihm verfasste „Manifest der Kommunistischen Partei“ wurde im Jahr 1848 veröffentlicht und ging in die Geschichte ein. Nach den politischen Erschütterungen der französischen Februarrevolution von 1848, welche in ganz Europa eine neue Epoche einläuteten, ging Marx über kurze Umwege ins Londoner Exil. Dort widmete er sich der internationalen Agitation für den Kommunismus und entwickelte  wesentliche Elemente seiner Analyse und Kritik des kapitalistischen Systems. In der Folgezeit entstand Marx wichtigstes, ökonomisches Werk  „Das Kapital“. Zudem beteiligte er sich federführend an der Gründung der „Internationalen Arbeiter-Assoziation“ (kurz „Erste Internationale“). Mit fortschreitendem Alter häuften sich auch Krankheiten, welche Marx in seinem Schaffen beeinträchtigten. Im März 1883 verstarb der Philosoph und Ökonom im Alter von 64 Jahren im Londoner Exil. Die Trauerrede auf seiner Beerdigung wurde von seinem langjährigen Wegbegleiter Friedrich Engels gehalten.

Seine Thesen, welche er zusammen mit Engels aufstellte, wurden ab 1924 von der Sowjetunion zur Staatsdoktrin erhoben. Der Marxismus-Leninismus galt auch in der DDR als die Weltanschauung der Arbeiterklasse und passte perfekt ins ideologische Weltbild des Arbeiter- und Bauernstaates. Um seiner Stilisierung zur politischen und weltanschaulichen Leitfigur gerecht zu werden, herrschte ein regelrechter Personenkult um Karl Marx.

Beispielsweise wurden die sächsische Stadt Chemnitz und der zugehörige Bezirk zwischen 1953 und 1990 in Karl-Marx-Stadt umbenannt.  In fast jeder größeren Stadt Ostdeutschlands gab oder gibt es zudem Karl-Marx-Straßen oder Plätze. An vielen Orten wurden Denkmale zu Ehren Marx errichtet, das bekannteste Denkmal ist wohl der im Volksmund genannte „Nischl“, welcher im Zentrum der Stadt Chemnitz steht. Die Universität Leipzig trug von 1953 bis 1991 den Namen „Karl Marx Universität Leipzig“. Auch zahlreiche Betriebe, Schulen und öffentliche Einrichtungen bekamen den Ehrennamen „Karl Marx“ zugeschrieben. Das Konterfei von Marx zierte diverse Briefmarken oder den 100 Mark Schein in der DDR, das 100. Todesjahr wurde als „Karl-Marx-Jahr“ begangen. Die Theorien von Karl Marx wurden in der DDR als „Marxismus-Leninismus“ an allen Universitäten und Hochschulen als Pflichtfach gelehrt. Die höchstdotierte Auszeichnung in der DDR war der „Karl Marx Orden“, welcher an Einzelpersonen, Kollektive oder staatliche Institutionen für hervorragende Leistungen verliehen wurde.

Aus unserer Sammlung möchte ich Ihnen das Hauptwerk von Karl Marx „Das Kapital“ vorstellen. Der erste Band ist ursprünglich 1867 erschienen und enthält eine ausführliche Analyse und Kritik der kapitalistischen Gesellschaft. Die beiden anderen Bände des Werkes sind nach Marx Tod auf Grundlage seiner Manuskripte von Friedrich Engels fertiggestellt worden. Der erste Band des Kapitals wurde 2013, wie auch das von Engels und Marx gemeinsam verfasste „Manifest der Kommunistischen Partei“,  von der UNESCO zum Weltdokumentenerbe ernannt. In der DDR wurde „Das Kapital“ in drei Bänden vom Dietz-Verlag Berlin verlegt. In unserem Bestand haben wir diverse, in Leder gebundene Ausgaben und Auflagen. Auf dem Foto ist die Auflage aus dem Jahr 1983 abgebildet. Nach Angaben des Verlegers wurden von „Das Kapital“ seit 1946 über eine Million Stück in Deutschland verkauft.  Das Werk wurde zudem in dutzende Sprachen übersetzt und gehört zu den Klassikern der Weltliteratur.

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