Die Zeitschrift „Sputnik“ als publizistischer Botschafter der UdSSR

von Jörn Kleinhardt (02.06.2016)

Ab Januar 1967 wurde die sowjetische Zeitschrift „Sputnik“ (russisch für „Begleiter“) durch die staatliche Nachrichtenagentur „Nowosti“ herausgegeben. Gedacht als Digest der sowjetischen Presse, richtete sich das Heft nicht nur an Sowjetbürger, sondern ebenfalls an Leser aus dem sozialistischen und westlichen Ausland. Dementsprechend wurden die Inhalte des „Sputnik“ in diverse Sprachen wie dänisch, englisch, finnisch, französisch, griechisch, portugiesisch und natürlich auch in Deutsch übersetzt. Sowohl in der DDR als auch in der Bundesrepublik war die Zeitschrift erhältlich.

So vielfältig wie die verschiedenen Länder in denen das Heft erhältlich war, war auch der Inhalt der kleinen und bunten Zeitschrift. Es wurden Themen aus allen Bereichen wie Politik, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft der Sowjetunion abgedruckt. Vor allem ging es der „Nowosti“ um die Dokumentation der kulturellen Vielfalt und der geographischen und klimatischen Unterschiede innerhalb der Sowjetunion. Dabei wurde durch die Redaktion bewusst auf ein Übermaß an sonst üblicher sozialistischer Rhetorik verzichtet, um der Zielgruppe der westlichen Leser gerecht zu werden. Auch leicht systemkritische Artikel fanden daher Eingang in die Publikation.

Qualitativ setzte das Heft neue Maßstäbe, zahlreiche begleitende Farbfotos zu den einzelnen Artikeln schmückten das Heft. Gedruckt wurde teilweise auf finnischem Hochglanzpapier oder sogar in finnischen Druckereien wie der Firma „Kursivii“ oder der Firma „Sanomaprint“. Kein Wunder, bei einer Auflage von über einer halben Million Exemplare pro Monat, wäre man mit den eigenen Kapazitäten schnell am Ende gewesen. Natürlich wollte man zusätzlich, durch die Kooperation mit den finnischen Druckereien, den gehobenen Qualitätsanspruch der westlichen Leser gerecht werden.

Im Zuge der Glasnost und Perestroika Politik Michail Gorbatschows nahm die kritische Berichterstattung im „Sputnik“ zu. Erstmals wurde öffentlich Kritik an Stalin, dem Personenkult im sozialistischen System oder „unliebsamen“ geschichtlichen Ereignissen wie dem Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakt aus dem Jahr 1939 geübt. In der Führungsriege der DDR in den späten 1980er Jahren, sorgte diese neue Offenheit für große Irritation.  Besorgt um das eigene Weltbild, wurde die Auslieferung des „aufmüpfigen Sputniks“ durch die DDR-Führung ab dem 18. November 1988 unterbunden. Damit handelte die Führungsriege der Republik entgegen der jahrzehntelang postulierten Doktrin „Unverbrüchliche Freundschaft mit dem Volk der Sowjetunion auf allen Ebenen“. Das faktische Verbot des „Sputniks“ sorgte in großen Bevölkerungsteilen für Unmut und wirkte wie ein Katalysator für die Oppositionsbewegung in der DDR. Erst ein Jahr später wurde der „Sputnik“ wieder in ostdeutschen Zeitungsläden verkauft. Die zensierten Ausgaben des Vorjahres erschienen im November 1989 in einem extra Sonderheft für die ostdeutschen Leser.

Mit der Auflösung des Ostblocks zu Beginn der 1990er Jahre verschwand der „Sputnik“ in der Bedeutungslosigkeit.

Auf Facebook gibt es begleitend zu diesem Blogbeitrag eine Bildergalerie mit verschiedenen Ausgaben des Heftes.

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