Der Griff nach den Sternen: Das Interkosmos Programm des Ostblock unter Führung der Sowjetunion

von Jörn Kleinhardt (27.08.2015)

In den 1950er und 1960er Jahren lieferten sich die beiden Supermächte USA und die Sowjetunion einen Wettlauf ins All. Diese Phase, mitten in der Hochzeit des Kalten Krieges, begann mit dem erfolgreichen Start des sowjetischen Sputniks im Jahr 1957 und endete mit der Mondlandung des amerikanischen Raumschiffs Apollo 11 im Jahr 1969. Die jeweiligen Erfolge wurden von beiden Seiten propagandistisch ausgeschlachtet, das gewonnene technische Know-How feuerte vor allem das Wettrüsten der Supermächte weiter an.

Um die wissenschaftliche Forschung zu intensivieren und befreundete Nationen ins eigene Weltraumprogramm einzubinden, wurde von der Sowjetunion das „Interkosmos“ Programm initiiert. Schon im Jahr 1967 wurde ein „Abkommen über die Beteiligung an der Erforschung und Nutzung des Weltraumes mit Hilfe von künstlichen Erdsatelliten zu friedlichen Zwecken“ zwischen der Sowjetunion und den befreundeten sozialistischen Ländern abgeschlossen. Dieses Abkommen sollte es auch anderen Nationen ermöglichen eigene Raumfahrer ins Weltall zu bringen. Die Sowjetunion stellte bei dem Programm die bewährte Trägertechnik zum Flug ins All bereit, die anderen teilnehmenden Staaten mussten eigenständig  Geräte, Messinstrumente und Anlagen für Forschungszwecke entwickeln und bereitstellen.

Im November des Jahres 1976 wurde Oberstleutnant Sigmund Jähn, seines Zeichens Militärflieger der NVA, für das Kosmonautentraining im Sternenstädtchen bei Moskau ausgewählt. Nach einer intensiven, mehrjährigen  Vorbereitungs- und Trainingsphase war es am 26. August 1978 dann soweit. Um 16.51 Uhr und 30 Sekunden deutscher Zeit hob Sojus 31 mit den sowjetischen Kosmonauten Waleri Bykowski und dem ostdeutschen Sigmund Jähn vom Weltraumbahnhof Baikonur in der kasachischen Steppe  ab. Ziel des Raumschiffs war die sowjetische Orbitalstation Saljut 6, Vorgänger der sowjetischen Raumstation „Mir“ und der heutigen internationalen Raumstation „ISS“. Dort angekommen führte Jahn zahlreiche wissenschaftliche Experimente unter kosmischen Bedingungen durch. Unter anderem bediente er in der Zeit auf der Orbitalstation die „MKF 6“, eine vom Kombinat Carl Zeiss Jena entwickelte Multispektralkamera, die seinerzeit als beste Weltraumkamera galt. Nach insgesamt 7 Tagen, 20 Stunden, 49 Minuten und 4 Sekunden landeten Bykowski und Jähn mit ihrer Raumkapsel wieder auf der Erde.

Die ostdeutschen Medien berichteten ausgiebig über den ersten Weltraumflug eines Deutschen. Der Start des Sojus-Raumschiffs wurde im Fernsehen übertragen und das Neue Deutschland titelte am 27. August 1978: „Der erste Deutsche im All, ein Bürger der DDR“. Nach seiner Rückkehr in die DDR wurde Sigmund Jähn gefeiert wie ein Staatsheld, zum Oberst befördert und erhielt die Auszeichnung „Held der DDR“. In den Folgejahren wurden zahlreiche Schulen und Freizeitzentren nach Jähn benannt.

In unserem Sammlungsbestand befindet sich eine Pressemappe zum gemeinsamen Weltraumflug im Rahmen des „Interkosmos“ Projekts. Sie beinhaltet verschiedene Postkarten teilweise mit der Signatur Jähns, Anstecker mit dem Interkosmos Logo, Presseartikel zum Thema sowie gedruckte zusammenfassende Presseinformationen. Die Mappe selbst ist aus Kunststoff gefertigt und wurde vom Pressezentrum Berlin zusammengestellt.

Mit dem Ende des Kalten Krieges und dem Zerfall der Sowjetunion veränderte sich auch die Zusammenarbeit im Weltraum. Seit 1998 kreist die internationale Raumstation „ISS“ in 400 Kilometer Höhe um die Erde. An der „ISS“ beteiligen sich insgesamt 15 Nationen und bauen diese kontinuierlich weiter auf. Umfangreiche Forschungsprojekte werden heutzutage in Kooperation geplant und umgesetzt. Für die Zukunft bestehen ehrgeizige Pläne zur Erkundung des Mars und weiterer Planeten.

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