Die Trasse der Freundschaft

Vor knapp 50 Jahren wurde nahe der russischen Stadt Orenburg eines der damals größten Erdgasvorkommen der Welt entdeckt. Um den kostbaren Rohstoff zur Weiterverarbeitung in die RGW Staaten zu transportieren, musste eine 2750 Kilometer lange Pipeline vom Ural bis an die sowjetische Westgrenze gebaut werden. Zwischen 1974 und 1978 wurde die Erdgasleitung „Sojus“ durch Baubrigaden aus der Tschechoslowakei, Ungarn, Bulgarien, Polen und der DDR errichtet. Die ostdeutschen Brigaden waren für die Fertigstellung eines 550 Kilometer langen Teilstücks mitsamt der nötigen Infrastruktur, bekannt geworden unter dem Namen „Druschba Trasse“, in der damaligen Ukrainischen Sowjetrepublik verantwortlich. Im Gegenzug für die Montageleistung bekam die DDR in der Folgezeit kostenloses Erdgas geliefert.
von Jörn Kleinhardt (08.01.2015)

Vor knapp 50 Jahren wurde nahe der russischen Stadt Orenburg eines der damals größten Erdgasvorkommen der Welt entdeckt. Um den kostbaren Rohstoff zur Weiterverarbeitung in die RGW Staaten zu transportieren, musste eine 2750 Kilometer lange Pipeline vom Ural bis an die sowjetische Westgrenze gebaut werden. Zwischen 1974 und 1978 wurde die Erdgasleitung „Sojus“ durch Baubrigaden aus der Tschechoslowakei, Ungarn, Bulgarien, Polen und der DDR errichtet. Die ostdeutschen Brigaden waren für die Fertigstellung eines 550 Kilometer langen Teilstücks mitsamt der nötigen Infrastruktur, bekannt geworden unter dem Namen „Druschba Trasse“, in der damaligen Ukrainischen Sowjetrepublik verantwortlich. Im Gegenzug für die Montageleistung bekam die DDR in der Folgezeit kostenloses Erdgas geliefert.


Organisiert als „Zentrales Jugendobjekt“ der FDJ, arbeiteten ungefähr 10000 Freiwillige an dem größten Investitionsobjekt der DDR. Um den enormen Personalbedarf zu decken, lockte die Staatsführung junge Leute mit großzügigen Trassenzuschlägen von 25 Mark pro Arbeitstag, Sonderbezugsscheinen für PKWs und der Möglichkeit über GENEX begehrte Waren zu erwerben. Viele Freiwillige lockte auch die Abenteuerlust und die Möglichkeit einen ihnen unbekannten Teil der Welt kennenzulernen. Die Bedingungen vor Ort waren sehr hart, gearbeitet wurde an sechs Wochentagen im Schichtsystem. Arbeitszeiten von 12 bis 14 Stunden täglich waren keine Seltenheit. Um die „Trassniks“, so nannte man die am Bau beteiligten Arbeiter bei Laune zu halten, fanden an den arbeitsfreien Tagen regelmäßig Konzerte beliebter Rock- und Popgruppen, Filmabende oder Theatervorführungen statt. Die Verpflegung war ebenfalls sehr großzügig, denn wie heißt es so treffend: „Ohne Mampf kein Kampf, ohne Verpflegung keine Bewegung“.
In unserer Sammlung befinden sich zahlreiche Fotos, Gästebücher und Erinnerungsalben die das Leben der „Trassniks“ 2000 Kilometer fernab der Heimat dokumentieren.
Ich möchte Ihnen heute einen Gästebucheintrag der Gruppe „Karat“ bei einer der Baubrigaden aus dem Jahr 1977 vorstellen. Der Auftritt in Gaisin, einer Kleinstadt im Zentrum der heutigen Ukraine, stellte für „Karat“ den Abschluss ihrer Trassentournee dar und bot den Arbeitern vor Ort eine gelungene Abwechslung zum harten Arbeitsalltag. Rückblickend muss man sagen, dass die Staatsführung sich sehr bemühte, den Arbeitern die Freizeit und den Alltag so attraktiv wie möglich zu gestalten.
Zudem möchte ich auf eins der zahlreichen Fotos näher eingehen. Die Aufnahme zeigt das Verlegen von Rohrleitungen in der weitläufigen ukrainischen Steppe. Der im Bild zu erkennende mobile Baukran stammt von der japanischen Firma Komatsu, einem der größten Hersteller für Baumaschinen weltweit. Ein Großteil der zum Bau verwendeten Technik, vor allem schweres Gerät wurde vom „Klassenfeind“ beschafft, da es vergleichbare Gerätschaften in den benötigten Stückzahlen und Qualitäten im Ostblock nicht gab. Die zu verlegenden Rohre wurden ebenfalls aus Japan, Italien und der BRD importiert. Das Bild stammt aus dem Frühjahr 1977.
In zweiten Teil unserer Ausstellung, Themenbereich Bruderstaaten, läuft übrigens auch ein kleiner Film über den Bau der „Druschba“ Trasse. Waren Sie damals ein „Trassnik“ oder kennen Sie Leute die vor Ort gewirkt haben? Haben Sie vielleicht noch Erinnerungsstücke aus dieser Zeit? Dann melden Sie sich bitte bei mir unter joern.kleinhardt@ddr-museum.de.

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