Aufbruch nach Utopia Teil 2

von Jörn Kleinhardt (26.02.2015)

Heute setzen wir unseren Blog „Aufbruch nach Utopia“ fort und zeigen  Zukunftsvisionen der 1950er und frühen 1960er Jahre beispielhaft an der Anthologie „Urania Universum“.

Die Buchreihe „Urania Universum“ erschien in insgesamt 36 Ausgaben im Zeitraum von 1955 bis 1990. Herausgegeben wurde die populärwissenschaftlichen Jahrbücher vom „Urania Verlag“, welcher von 1947 bis 1963 seinen Verlagssitz in Jena und danach in Leipzig hatte. Die beliebten Jahrbücher beschränkten sich nicht auf trockene wissenschaftliche Beiträge, im Vorwort der zweiten Ausgabe aus dem Jahr 1956 heißt es: „Auch für den diesjährigen Band wurden die Beiträge so ausgewählt, dass ein möglichst vielseitiges Bild von der Welt, in der wir leben, vermittelt wird“. So finden sich Abhandlungen zu verschiedenen Themenbereichen wie Nah und Fern, Tier und Pflanze, Kunst und Literatur, aus Wirtschaft und Verkehr, aus Wissenschaft und Technik und vielen weiteren Themen in den jeweiligen Ausgaben.

Unter dem Titel „Fliegen mit Atomkraft“ erläutert der Autor Günter Meyer in der zweiten Ausgabe des „Urania Universums“ den möglichen Einsatz der Kernenergie  für Zwecke der Luftfahrt. Auf insgesamt sieben Seiten beschäftigt sich der Autor mit der Möglichkeit Flugzeuge mit Atomkraft anzutreiben.Verschiedene Skizzen und technische Zeichnungen vervollständigen die theoretische Abhandlung Meyers.

Das enorme Potenzial der Kernenergie weckte gerade nach dem Ende des Weltkrieges Begehrlichkeiten zur friedlichen Nutzung. Die ersten Kernreaktoren zur Erzeugung von Strom wurden in den USA ab 1951, in der Sowjetunion ab 1954 in Betrieb genommen. Andere Staaten wie Frankreich oder Großbritannien zogen in den Folgejahren nach. Auf deutschen Boden wurde der erste Forschungsreaktor 1957 in Garching bei München in Betrieb genommen, in der DDR ging der ab 1960 gebaute erste Reaktor des Kernkraftwerks Rheinsbergs im Jahr 1966 ans Netz.

Zuvor wurde die relativ neu entdeckte Atomkraft ausschließlich fürmilitärische Zwecke genutzt und führte am 6. August 1945 zum ersten Einsatz einer Kernwaffe durch die USA auf die japanische Hafenstadt Hiroshima. Daraus resultierend begannen die Siegermächte, allen voran die USA und die Sowjetunion, einen Rüstungswettlauf. Vier Jahre nach Kriegsende zündete die Sowjetunion ihrerseits die erste Atombombe und entwickelte sogar noch stärkere Waffen wie die Wasserstoffbombe. Der fortwährende Rüstungswettlauf gipfelte in der Folgezeit im „Gleichgewicht des Schreckens“.

In den frühen 1960ern gab es tatsächlich sowjetische und amerikanische Versuche, mit Kernenergie angetriebene Flugzeuge zu entwickeln. Allerdings kamen diese Versuche nie über das Erprobungsstadium hinaus, da die Technologie sich als zu unsicher und zu unwirtschaftlich entpuppte. Einzig im Schiffbau hielt der Nuklearantrieb Einzug und wird teilweise bis heute genutzt und weiterentwickelt.

Haben Sie Fragen oder Anregungen zum Thema? Gerne würden wir unsere Objektsammlung zum Thema Atomenergie in der DDR erweitern. Dazu sind wir auf Ihre Hilfe angewiesen und würden uns sehr freuen wenn Sie uns kontaktieren würden.

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