Die Armeerundschau

von Jörn Kleinhardt (17.03.2016)

Der Militärverlag der DDR war für Publikationen zahlreicher Fachbücher mit militärtechnischem, militärhistorischem und militärwissenschaftlichem Kontext verantwortlich. Im Portfolio des Verlages befand sich allerdings auch eine monatlich erscheinende Zeitschrift namens „Armeerundschau“.

Im Gegensatz zur wöchentlich erscheinenden Zeitung „Volksarmee“ aus dem gleichen Verlagshaus, enthielt die ab 1956 aufgelegte „Armeerundschau“ neben zahlreichen Artikeln mit militärischem Kontext auch Inhalte, welche man eher in einer Illustrierten vermuten würde. So gab es in den 1980er Jahren in jeder Ausgabe beispielsweise aktuelle Buchvorstellungen, Kategorien wie den „Postsack“ in welchem man als Leser Fragen an das Redaktionsteam stellen konnte, die Rubrik „Soldaten schreiben für Soldaten“ mit kurzweiligen Geschichten aus dem Soldatenalltag, das „ar Lexikon“ mit kleinen Artikeln zu Themen aus aller Welt sowie die Rubrik „ar Bildkunst“ mit Vorstellung zeitgenössischer Kunst. Wie bei einer echten Illustrierten runden zahlreiche Cartoons, ein Kreuzworträtsel sowie ein Poster im Mittelteil des Heftes das inhaltliche Angebot des Heftes ab. Auf der Rückseite des Heftes fand sich jeweils das Bild eines weiblichen Fotomodells, passend für den Soldatenspind. Obwohl nie unbekleidet, erfreuten sich die Pin-Ups unter Soldaten großer Beliebtheit.

Wie man schon an den vielfältigen Inhalten des Heftes erahnt, richtet sich die Zeitschrift „Armeerundschau“ nicht nur an Angehörige der NVA sondern im gleichem Maße auch an Soldatenfrauen und militärbegeisterte Jugendliche, den potenziellen Nachwuchs. Um diesem Anspruch gerecht zu werden und modern zu wirken, wurde das Heft vom Layout mehrfach verändert und an die jeweilige Zeit angepasst. Erschien die Zeitschrift in den Anfangsjahren noch im gängigen DIN A4 Format, wechselte man ab 1962 in das kleinere A5 Format. Die Seitenstärke der einzelnen Ausgaben variierte zwischen 80 und 100 Seiten. Die Gesamtauflage steigerte sich stetig, anfangs lag sie bei  11.000 Exemplaren. In den 1980er Jahren hatte das Heft bereits eine Auflage von 340.000 Exemplaren.

Im Zuge der politischen Wende der Jahre 1989 und 1990 erfolgten die letzten Anpassungen des Heftes. Die „Armeerundschau“ erhielt nun den Untertitel „Das internationale Militärmagazin“ und öffnete sich auch thematisch. Kritische Artikel fanden Eingang in das Heft. So findet sich beispielsweise in der Juliausgabe 1990 ein Artikel mit dem Titel „Ich war ein Stasi-Mann“ mit dem kritischen Bekenntnis eines ehemaligen Mitarbeiters des MfS. Jahrzehntelang war diese Offenheit undenkbar. Auch an der Preisschraube wurde gedreht. Kostete das Heft seit dem Erscheinen im Jahr 1956 jeweils 1 Mark pro Ausgabe, wurden ab 1990 2,50 Mark verlangt. Die letzten Ausgaben wurden nach der Währungsreform für 2,50 DM verkauft.

Im Juli 1990 erschien die letzte Ausgabe der Zeitschrift. Auf dem Titel ist jeweils ein Soldat der Bundeswehr und der NVA abgebildet. Mittig ist ein Zusammenschnitt beider Soldaten zu sehen. Darunter steht „BUNDESwehr/ VolksARMEE?“, optisch setzt sich „Bundesarmee?“ ab. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch schon klar, dass es nach der Wiedervereinigung nur noch eine Armee geben wird. Daher wurde die Heftreihe nach dieser Ausgabe eingestellt.

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