Aus der Sammlung

Die Kasernierte Volkspolizei und ihr Nachfolger die NVA

Anhand zahlreicher historischer Artefakte aus der Sammlung des DDR Museum durchläuft Sammlungsleiter Jörn Kleinhardt die Geschichte der Kasernierten Volkspolizei und ihrem Nachfolger, der Nationalen Volksarmee vom Anfang bis zum Ende der DDR. von Jörn Kleinhardt (27.09.2019)

Abb.: Taschenkalender Kasernierte Volkspolizei und Nationale Volksarmee

 

Uniformen, Stahlhelme, Broschüren, Urkunden und Taschenkalender sind nur einige von vielen Objekten aus der Sammlung des DDR Museum, welche von der Geschichte der Kasernierten Volkspolizei (KVP) und dem Nachfolger, der Nationalen Volksarmee (NVA) erzählt. Sammlungsleiter Jörn Kleinhardt gibt anhand von historischen Artefakten einen Überblick über die NVA vom Anfang bis zum Ende der DDR.

Die Entwicklung der Uniformen der Nationalen Volksarmee

Drei Jahre nach Kriegsende wurden auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) Bereitschaftseinheiten der Volkspolizei gebildet. Diese Einheiten unterteilte man bereits in die verschiedenen Teilstreitkräfte Kasernierte Volkspolizei (Landstreitkräfte), Volkspolizei Luft und Volkspolizei See. Ausrüstungstechnisch setzte man auf vorhandene Uniformen und Waffen aus sowjetischer Produktion. In der Anfangsphase des Aufbaus wurden jedoch auch alte Handwaffen wie der Karabiner K98 oder die Pistole Walther PPK aus deutschen Vorkriegs- und Wehrmachtbeständen verwendet. Mit der Gründung der NVA im Jahre 1956, bekamen auch die Polizeibereitschaften neue Uniformen und die Einheiten wurden nach sowjetischem Vorbild strukturiert. Ein Teil des Personals stellten in den Gründerjahren, wie auch bei der Bundeswehr, ehemalige Wehrmachtsoldaten. Im Jahr 1958 bestand knapp ein Viertel (23%) des Personals der NVA aus ehemaligen Wehrmachtsangehörigen.

 

Abb.: Uniform der Grenztruppen der Nationalen Volksarmee der DDR

Der Stahlhelm M56 komplettierte die neuen Uniformen der NVA

Auch der für seine markante Form bekannte Stahlhelm M56 (die Zahl dokumentiert das Jahr der Truppeneinführung) basiert auf dem Versuchsmodell "B/II" aus dem Dritten Reich. Dieses Modell wurde schon 1943 patentiert, jedoch durch die historischen Ereignisse nicht über den Prototypstatus hinaus entwickelt. Der Helm passte optisch besser zu den ab 1956 benutzten Uniformen. Die Formgebung der neuen Kleidungsstücke ähnelte sehr stark den Uniformen der Wehrmacht und stand im deutlichen Kontrast zu der zuvor verwendeten Kleidung, welche den sowjetischen Uniformen sehr ähnlich sah.

 

Abb.: Stahlhelm M56 der Nationalen Volksarmee mit Tarnnetz 

Traditionelle Vorbilder der NVA

Die NVA sah ihre traditionellen Vorbilder allgemein in der Arbeiterbewegung, in den Bauernkriegen des 16. Jahrhunderts, den Revolutionen von 1848 und 1918 sowie den "Internationalen Brigaden" des Spanischen Bürgerkriegs Mitte der 1930er Jahre. Die preußische Militärtradition wurde in Form des Großen Zapfenstreichs und im Beibehalten des "Exerzierschritts" gepflegt. Mit den Militärverbänden des Kaiserreiches und der Wehrmacht des nationalsozialistischen Deutschlands wollte man hingegen nicht in Verbindung gebracht werden. Diese unliebsamen Traditionen sprach man der westdeutschen Bundeswehr zu.

Von der Rekrutierung von Freiwilligen zur Wehrpflicht

Die Nationale Volksarmee rekrutierte ihr Personal, im Gegensatz zur Bundeswehr, bis 1962 aus Freiwilligen. Erst danach wurde die 18-monatige Wehrpflicht eingeführt. Ein Ersatzdienst im zivilen Bereich gab es in der DDR nicht. Jedoch wurde Wehrpflichtigen ab 1964 die Möglichkeit gegeben, ihren Dienst ohne Waffe als "Bausoldat" zu leisten. Sie waren durch kleine Spaten auf den Schulterstücken gekennzeichnet. Diese Möglichkeit den Wehrdienst waffenlos abzuleisten, gab es in keinem anderen sozialistischen Land.

 

Abb.: Schulterklappen der Bausoldaten mit kleinen Spaten als Applikation

We(h)rbung für die Rekrutierung von Personal der NVA

Wie in vielen anderen Bereichen der DDR-Wirtschaft gab es in der NVA einen stetigen Personalmangel. Durch die Wehrpflicht versuchte man das Problem einzudämmen. Um den Militärdienst besonders für junge Menschen attraktiv aussehen zu lassen, bediente man sich bunter und altersgerechter Werbung. In unserer Sammlung befinden sich  farbenfroh illustrierte Postkarten mit Soldatenmotiven und Parolen, welche den Dienst bei der NVA wie eine Art "Ferienabenteuer" anpreisen. Durch Organisationen wie die "Zivilverteidigung" und die "Gesellschaft für Sport und Technik" (GST), versuchte man ebenfalls junge Männer und Frauen für den späteren militärischen Dienst zu begeistern. Auch im Schulalltag gab es für die höheren Klassenstufen den "Wehrkundeunterricht" um Jugendliche vormilitärisch zu schulen.

 

Abb.: Werbebroschüre "Offizier" der Nationalen Volksarmee

Abb.: Bildmappe des Ministeriums für Nationale Verteidigung

Abb.: Einzelblätter aus der Bildmappe „Gut vorbereitet auf den Wehrdienst“

Abb.: Bildmappe „Unsere Nationale Volksarmee“ für die Wandzeitungen

Das Ende der Nationalen Volksarmee

Die Militarisierung in vielen Bereichen der DDR wurde im Zuge der politischen Wende ab Herbst 1989 aufgeweicht. Der Wehrkundeunterricht und die diversen vormilitärischen Organisationen wurden aufgelöst. Ein geringer Teil des NVA-Personals und wenige Waffensysteme, wie beispielsweise die „MIG 29“, wurden mit dem 3. Oktober 1990 in die Bundeswehr integriert. Der Großteil der Truppenverbände und Standorte wurde mit der Wiedervereinigung und dem Zusammenschluss beider deutscher Armeen aufgelöst.

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