Abb.: Martin Fischer (rechts) mit Patrick Hoffmann im Grenzlandmuseum Eichsfeld
“30 Jahre Mauerfall” – das ist die gängige Überschrift für die Öffnung der DDR-Grenzen in der Nacht vom 9. November 1989. Die Bilder aus Berlin gingen um die Welt: Menschen tanzen auf der Mauer, Trabis schieben sich durch die Straßen – Volksfeststimmung. Doch wie vollzog sich die Öffnung der Grenzen fernab der großen Stadt, in der Provinz? In drei neuen Folgen des Podcasts “Staatsbürgerkunde” geht's in die Grenzregion zwischen Thüringen, Niedersachsen und Hessen. Dort besuche ich gemeinsam mit Ulrike Kretzmer Erinnerungsorte der deutsch-deutschen Geschichte und spreche mit Gäst*innen über das Leben an der Grenze.
Die Reise beginnt am ehemaligen Grenzübergang Duderstadt/Worbis in der Nähe von Göttingen. Wie waren die DDR-Grenzanlagen aufgebaut und wie wurden sie im Lauf der Jahre erweitert? Diese Fragen klärt Patrick Hoffmann vom Grenzlandmuseum Eichsfeld zu Beginn der Folge. Im Anschluss lernen wir Ursula Apel aus Teistungen kennen. Sie berichtet wie ihre Welt mit dem Ausbau der Grenze immer kleiner wurde, wie ein halbes Dorf die Flucht wagte und wie ihre Familie die Grenzöffnung erlebte.
Die zweite Etappe führt über den Kolonnenweg zum Grenzmuseum Schifflersgrund. Dort treffen wir Christian Stöber, pädagogischer und wissenschaftlicher Leiter am Museum. Auf einem Rundgang über das Gelände erfahren die Hörer*innen nicht nur viel über das Leben an einem typischen Grenzabschnitt fernab von Grenzübergängen – Christian berichtet auch von Fluchtschicksalen am Grenzzaun. Mit dem Auto geht es dann auf Kolonnenweg ins Dorf Asbach – welche Spuren der Grenze sind heute noch sichtbar? Auf dem Rückweg sitzt Ursel Lange mit im Auto, die zeitlebens in dem kleinen Dorf gelebt hat. Bei einem Kaffee im Museum erzählt sie von ihrem Leben an und mit der Grenze und wie diese auch ihr Dorf und ihre Familie teilte.
Abb.: Die erhaltenen Grenzanlagen am Schifflersgrund ©Martin Fischer
Der dritte und letzte Teil führt nach Geisa, in den Westen Thüringens. Hier standen sich Ost und West direkt gegenüber: Auf der einen Seite der Beobachtungsturm der DDR, auf der anderen Seite das Camp der US Army. Christian Curschmann von der „Point Alpha Stiftung“ führt über das Gelände und durch das „Blaue Haus auf der Grenze“. Später nimmt Monika Held die Hörer*innen mit auf eine Spritztour in die Grenzregion rund um Rasdorf. Frau Held ist in Hessen geboren und gibt einen Eindruck, wie sie die Grenze erlebt hat und wie sich auch ihre Welt nach 1989 verändert hat. Danach ist Vern Croley zu Gast, ein ehemaliger „soldier“ im Camp „Point Alpha“. Er kam mit siebzehn aus Georgia nach Hessen und war regelmäßig im Camp stationiert. Er erinnert sich an seinen Dienst an der „border“ und die Zeit des „Kalte Krieges“, als beide Blöcke sich für einen Angriff der Gegenseite vorbereiteten.
Der Podcast „Staatsbürgerkunde“ entsteht seit 2018 in Kooperation mit dem DDR Museum Berlin. Auch im kommenden Jahr begrüßt Martin Fischer wieder Zeitzeug*innen und Expert*innen, die vom Leben in der DDR berichten. In Kürze wird es in seinem Podcast eine weitere neue Rubrik geben!
Alle weiteren Folgen des Staatsbürgerkunde Podcasts in unserem Blog: https://www.ddr-museum.de/de/blog/tag/Podcast