Veranstaltung

Stasi im Kalten Krieg – Spionage, Entführungen und Propaganda

Letzte Woche fand eine Kooperationsveranstaltung mit der LStU, der Stiftung Berliner Mauer und dem Deutsch-Russischen Museum Karlshorst im DDR Museum statt. Es ging um die Auslandsarbeit des MfS.
von Elke Sieber (04.05.2017)

Die Stasi ist hauptsächlich für ihre Arbeit im eigenen Staat bekannt, doch auch im Westen arbeitete der Geheimdienst zur militärischen, wirtschaftlichen und politischen Spionage und als Kämpfer im Kalten Krieg. Ihre Arbeit reichte von der Bestechung von Abgeordneten des Bundestages zum Misstrauensvotum gegen Brandt 1972 bis hin zur Unterstützung von Terrorgruppen wie der RAF. Die Westarbeit der Stasi ist dabei erforschbar wie von keinem anderen Geheimdienst.

Anhand von Geschichten über einzelne bedeutende Personen des MfS in der Auslandsarbeit wie Hans Wachs und besonderen Aktionen wie der Aktion Schlag, bei der der amerikanische Geheimdienst unterwandert wurde und Agentenlisten in die DDR gelangten, führte Prof. Dr. Bernd Stöver ins Thema ein.

Danach diskutierten mit ihm auf dem Podium Prof. Dr. Wolfgang Krieger (Historiker, Mitglied der Kommission zur Geschichte des BND, Marburg), Dr. Susanne Muhle (Historikerin, Gedenkstätte Berliner Mauer) und Prof. Dr. Daniela Münkel (Historikerin, Projektleiterin beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen). Die Moderation übernahm die Journalistin Margit Miosga. Sie erörterten dabei Themen wie die zahlreichen Entführungen aus dem Westen in den 50er Jahren, die insbesondere für Flüchtige aus den eigenen Reihen lange Haftstrafen und sogar Hinrichtungen bedeuteten, die Parallelen und Unterschiede zur Arbeit des BND sowie die Geschichte der Auslandsgeheimdienste schlechthin. Diese entwickelten sich hauptsächlich erst nach dem Zweiten Weltkrieg, sodass einige Fehler in der Arbeit der Geheimdienste auf beiden Seiten auf mangelnde Kompetenz und Erfahrung zurückgeführt werden müssen. Die Sowjetunion sei dem Westen hinsichtlich der Geheimdienstarbeit deutlich voraus gewesen.

Auch die Veränderung der Arbeit in den 70er Jahren, als der Kalte Krieg in eine Phase der Entspannung übergeleitet wurde, war Thema des Abends. Die Anwesenden waren sich einig, dass die Auslandsarbeit insgesamt schon in den 60er Jahren subtiler geworden war, dass aber in den 70er Jahren, die Ehrung von Agenten für ihre Tätigkeit auch in der DDR nur noch hinter verschlossenen Türen stattfand. Dennoch hatte die Auslandsspionage und hat sie bis heute, eine Faszination in der Bevölkerung, wenngleich diese insbesondere in der DDR keineswegs mit einer Anerkennung der Stasi durch die Bevölkerung gleichgesetzt werden darf.

Letztlich kam die Frage auf, ob denn Geheimdienstarbeit lohnend sei. Hier blieben die Podiumsteilnehmer eine Antwort schuldig, denn woran ließe sich die Rentabilität denn messen?

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