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Der Fall "Antenne"

In seinem Aufsatz zum Fall „Antenne“ beschäftigt sich Wagner mit der Militärspionage des Kalten Krieges. Er schildert dabei den Fall „Antenne“, ein Name, den sich das MfS für diesen operative Vorgang ausgedacht hat, als sie auf eine Spionin für den westlichen Geheimdienst aufmerksam wurde. von Elke Sieber (18.08.2016)

Dr. Armin Wagner ist ein Zeithistoriker, der sich hauptsächlich mit Militärgeschichte befasst. Dabei legt er ein besonderes Augenmerk auf die Geschichte der Geheimdienste. In seinem Aufsatz zum Fall „Antenne“ beschäftigt sich Wagner mit der Militärspionage des Kalten Krieges. Er schildert dabei den Fall „Antenne“, ein Name, den sich das MfS für diesen operative Vorgang ausgedacht hat, als sie auf eine Spionin für den westlichen Geheimdienst aufmerksam wurde.

Während des Kalten Kriegs war es ein Anliegen des US-Nachrichtendienstes über die sowjetischen Truppen in der DDR und im Ostblock, ihre Stärke, Standorte und vor allem über eine eventuelle Mobilmachung informiert zu sein. Dafür nutzte man technische Mittel, aber, ab den 70er Jahren vermehrt auch die Quelle „Mensch“.

 Die Stasi in Dresden fing 1986 einen Brief in den Westen ab, der über geheime Informationen zu einem Flug des sowjetischen Oberkommandierenden in der DDR und des Warschauer Paktes berichtete. Da außerdem drei angebliche Sendemasten an der Bahnstrecke Dresden-Potsdam erwähnt wurden, nannte man den Vorgang „Antenne“.

 Eine akribische Suche nach der Spionin startete beim MfS. Hunderttausende Handschriften wurden überprüft. Über die Speicherung westlicher Adressaten beim MfS konnten der Spionin zwei weitere Briefe zugeordnet werden. Die konkreteste Spur führte zum Namen „Hildegard Krause“, doch eine solche konnte erstmal nicht identifiziert werden.

Die Gesuchte verriet sich letztlich selbst, indem sie einen privaten Brief an ihren Sohn im Westen verfasste. Die Handschriften stimmten überein und die Suche nach der Verdächtigen Hildegard Ruth Z. begann sofort. Die Handelskauffrau belieferte in Dresden den „Sonderbedarfsträger“, also Truppenteile und Einrichtungen der sowjetischen Streitkräfte, mit Lebensmitteln gehobener Qualität. Durch den engen Kontakte mit diversen Truppenteilen war sie perfekt geeignet, um Informationen an den US-Geheimdienst zu liefern. Zusätzlich führte sie heimlich Listen über Truppenteile, Namen und Kfz-Kennzeichen eingesetzter LKWs. Zusammen mit den persönlichen Gesprächen konnte sie die DDR-Presse auswerten und erkundete mit ihrem Auto selbst militärische Einrichtungen im Umland.

 Zur Tätigkeit kam Hildegard Ruth Z. über ihren Sohn in Hamburg. Er warb sie bei einem Westbesuch an. Ihre Verhaftung verlief tragisch. Sie erfuhr vom Tode ihres Sohnes und man erlaubte ihre eine letzte Westreise zur Beerdigung, bevor sie direkt im Anschluss verhaftet und zu 10 Jahren Haft verurteilt wurde.

Wer diesen spannenden Geheimdienstfall genauer betrachten möchte, dem sei dieser Aufsatz von Wagner sehr ans Herz gelegt. Er ist ein spannender Einblick in die Arbeit des MfS und die Militärspionage des Kalten Krieges!

Armin Wagner: Der Fall „Antenne“. Motiv und Praxis von Spionage im Kalten Krieg, in: http://www.bpb.de/apuz/183096/motiv-und-praxis-von-spionage-im-kalten-krieg?p=all, abgerufen am 07.08.2016.

 

Bild: Leere Aktenordner aus dem Archiv des Ministerium für Staatssicherheit.
Quelle: Sammlung des DDR Museum.

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