Was bleibt von der DDR?

Teil VII: Plattenbauten

Denkt man an den Alltag in der DDR, kommen vielen sofort die großen Neubausiedlungen aus den 70er und 80er Jahren in den Sinn, die auch heute noch das Bild vieler ostdeutscher Städte prägen. Zu DDR-Zeiten heißbegehrt, kämpfen die Vollkomfortwohnungen heute um neue Mieter. Aus den „exklusiven“ Wohngegenden sind nach 1990 oftmals soziale Brennpunkte geworden. von Elke Sieber (01.06.2016)

Denkt man an den Alltag in der DDR, kommen vielen sofort die großen Neubausiedlungen aus den 70er und 80er Jahren in den Sinn, die auch heute noch das Bild vieler ostdeutscher Städte prägen. Zu DDR-Zeiten heißbegehrt, kämpfen die Vollkomfortwohnungen heute um neue Mieter. Aus den „exklusiven“ Wohngegenden sind nach 1990 oftmals soziale Brennpunkte geworden. Viele einstige Bewohner leben schon lange nicht mehr dort, sondern in den alten Bundesländern oder in den renovierten Altbauten in den Stadtzentren. Viele Plattenbauten sind auch heute noch Eigentum der Kommunen, für die die leerstehenden Platten zur finanziellen Belastung geworden sind. Die Unterhaltungskosten sind hoch, Renovierungen jedoch ebenfalls teuer und lohnen sich kaum, da es die Menschen nicht in die zu DDR-Zeiten „Arbeiterschließfächer“ genannten Wohnungen zieht.

Einige Kommunen haben sich bereits für den Abriss entschieden und legen am Ort der ehemaligen Trabantenstädte Grünflächen an. Andere entscheiden sich hingegen für den gezielten Rück- und Ausbau des sozialistischen Erbes. Dazwischen werden auch Blöcke abgerissen, um Freiflächen zwischen den Bauten zu schaffen und die Wohnqualität damit zu erhöhen. Die ehemals monotonen Blöcke werden auch häufig zu Viergeschossern zurückgebaut und mit Terrassen und Dachgärten versehen.

Wenige Kommunen beschlossen jedoch auch die Altlasten an einen Investor zu verkaufen. Dass die Entschuldung dann auf Kosten der Mieter erfolgt, wird dabei billigend in Kauf genommen, um die Schulden der Gemeindekasse loszuwerden.

Diese Probleme werden wohl noch einige Jahre andauern, wie auch die Abwanderung der Bevölkerung ganzer ostdeutscher Landstriche. Deshalb soll im folgenden unter die Lupe genommen werden, welche Bautypen hier überhaupt in der Diskussion stehen. Denn Plattenbau ist nicht gleich Plattenbau.

Querwandtyp Nr. 3 Variante A (Q3A)

Alles begann bereits 1957 mit dem Q3A. Im eigentlichen Sinne ist er kein Plattenbau, sondern in Blockbauweise gebaut, da derzeit die Hebefahrzeuge nur bis maximal 0,8 t tragen konnten. Jedoch bildet er den Anfang und die vorläufig einzige Form des Massenwohnungsbaus. Beim Q3A ist das Fugenraster verborgen, da er nach der Montag außen wie innen verputzt wurde, typisch waren Außenküchen und Innenbäder sowie Ofenheizungen.

Mittelganghaus und WHH 17

Beide Bautypen gehen auf einen Wohnungsbauwettbewerb von 1963 zurück. Im Mittelganghaus werden alle Wohnungen über einen zentralen Flur erschlossen, die Aufzüge und Treppenhäuser wurden, um die Standard-Plattenelemente benutzen zu können, vor das Haus gesetzt. Im Haus befanden sich kleine Wohnungen in Form von Studios oder Zweiraumwohnungen, die beide mit Kleinstküchen entworfen wurden. Küche und Bad wurden als komplett vorgefertigte Einbauelemente eingebracht. WHH 17 steht für Wohnhochhaus mit 17 Stockwerken. Dieses Punkthochhaus sollte als städtebauliche Dominante kleine Einraumwohnungen mit Innenbad und Kochzeile beherbergen.

P2

Ab 1960 wurden außerdem P2-Plattenbautypen gebaut. Sie waren mit einem offenen Grundriss geplant und sollten das sozialistische Wohnen völlig neu definieren. Erstmalig wurden weitgespannte Decken von 6 Metern Länge eingebaut, die Wohnungen ohne tragende Zwischenwände ermöglichten. Ab 1964/65 entstanden auf dieser Grundlage mehrere Experimentalbauten. Die Treppenhäuser sowie Bad und Küche rückten ins Innere des Baukörpers, sodass die Wohnräume mit breiten Fensterfronten ausgestattet werden konnten. Da Kochen, Essen und Wohnen in diesem Neubau enger verbunden sein sollten, entwarf man Küchen, die zum Wohnraum hin geöffnet waren. Die typischen Durchreichen mit Vitrinenschrank entstanden. Außerdem entwickelte man Sanitärraumzellen, die auch im P2 komplett in den Rohbau eingebracht wurden. In der Höhe waren die Bauten variabel. Es gab sowohl sechs, zehn und elf Geschosse.

QP 59/61/64, der Plattenbau in Quertafelbauweise

Der QP-Plattenbau stellte eine Weiterentwicklung der Plattenbauweise dar. Fortan setzte man die Quertafelbauweise ein, so ergab sich eine Raumbreite von 3,6 m. Dabei teilten sich Küche und Bad eine Achse und erhielten beide Tageslicht über Fenster. Die Fassaden wechselten in ihrer Gestaltung zwischen vorspringenden Balkonen und bodentiefen französischen Fenstern. Am besten ist die QP-Platte allerdings an den Keramik-Platten zu erkennen, die in allen Farben an den Außenfassaden angebracht waren. 1971 entstand außerdem noch eine Mischform aus QP und WBS 70.

WBS 70

Die Wohnungsbauserie 70 ist die Plattenbauserie, die seit Beginn der 70er Jahre gebaut wurde und am häufigsten in der DDR zu finden war. Mit dieser Serie sollten Sonderbauteile und regionale Varianten verschwinden und somit das sozialistische Bauen rationeller gestaltet werden. Ausgehend von den Typen P1, P2 und QP entstand ein Plattenbau mit einem horizontalen und vertikalen Raster von 1,20m. Wohnen und Essen sollte wieder in getrennten Räumen stattfinden, sodass eine abgetrennte Küche mit Essplatz entstand. Das Bad war innenliegend. 1973 wurde der erste WBS 70-Bau bezugsfertig, seither prägten die sichtbaren Platten das Stadt- und Landschaftsbild der DDR. Besonders am WBS 70-Bau ist seine Flexibilität. Trotz Einheitsbauweise war er wandelbar wie kein anderer Plattenbautyp - hinsichtlich seiner Fassaden wie auch seiner Wohnungsgrundrisse.

PH 12 G und WHH-GT 18/21

In Frankfurt/Oder wurde ein weiteres Punkthaus (PH) 1978 entwickelt, das auf dem Prinzip der WBS 70 bestand, aber ein Raster von 6 x 6 m aufwies. Im Erdgeschoss waren dann Versorgungseinrichtungen und Ladengeschäfte untergebracht, darüber fanden Ein-, Zwei- und Dreiraumwohnungen Platz - alle mit großem Balkon. Im Baukörperkern befinden sich Abstellkammern, da der Bau auf einen Keller verzichtete. Auch das WHH-GT 18/21 war ein Wohnhochhaus mit 18 oder 21 Stockwerken. Die Querwandkonstruktion wurde hierbei beibehalten wie beim QP. Ähnlich dem PH 12 G sind auch im WHH-GT im Erdgeschoss diverse Geschäfte zu finden. Außen sind die Bauten wie der QP an der flächigen Gestaltung zu erkennen, so sind selbst die Fenster flächig in die Fassaden integriert.

Literatur: http://www.mdr.de/damals/archiv/artikel83626_dosArtContext-artikel83848_zc-6a439640.htmlhttp://www.jeder-qm-du.de/ueber-die-platte/plattenbau-typen/

http://www.jeder-qm-du.de/ueber-die-platte/plattenbau-typen/

Bild: Deutsche Fotothek‎ (CC BY-SA 3.0)


 

Mehr zum Thema

Online-Tickets ohne Warteschlange

Ticket kaufen