Was bleibt von der DDR?

Part IX: Das Karl-Marx-Monument in Chemnitz

Der auch "Nischel" genannte überdimensionale Kopf des Vordenkers des Kommunismus prägt das Stadtbild von Chemnitz bis heute und ist ein beliebtes Fotomotiv für Touristen. Sogar eine E-Card mit dem beliebten Nischel kann man über die Homepage von Chemnitz, der Stadt mit Köpfchen, wie sie sich selbst 2007 betitelte, verschicken. 
von Elke Sieber (21.09.2016)

Der auch "Nischel" genannte überdimensionale Kopf des Vordenkers des Kommunismus prägt das Stadtbild von Chemnitz bis heute und ist ein beliebtes Fotomotiv für Touristen. Sogar eine E-Card mit dem beliebten Nischel kann man über die Homepage von Chemnitz, der Stadt mit Köpfchen, wie sie sich selbst 2007 betitelte, verschicken. Nischel ist eine Bezeichnung aus dem Mitteldeutschen für Kopf oder Schädel. Geschaffen wurde das Denkmal vom sowjetischen Bildhauer Lew Kerbel. Mit 7,1 m Höhe und einem Gewicht von 40 Tonnen allein des aus Bronze gegossenen Kopfes zählt es zu den größten Porträtbüsten der Welt.

Bereits Monate vorher wurden in Leningrad die Einzelteile aus Bronze gegossen, die dann in Karl-Marx-Stadt (seit 1953 als sozialistische Musterstadt in selbige umbenannt) zusammengesetzt und verschweißt werden mussten. Die Arbeiter standen unter enormem Zeitdruck und arbeiteten Tag und Nacht daran, die Riesenbüste bis zum 9. Oktober 1971 fertigzustellen. Es gelang ihnen tatsächlich, dass das Monument an diesem Tag um 14 Uhr noch innerhalb der Jubiläumsfeierlichkeiten zum Republikgeburtstag feierlich enthüllt werden konnte. Nach der "Freien Presse" von 1971 nahmen 250.000 DDR-Bürger an den Feierlichkeiten teil. Sogar der Urenkel von Karl Marx war vor Ort. Fortan fanden Massenaufmärsche und Großveranstaltungen um das Marx-Denkmal herum statt. „Schädelstätte“ nannte man den Platz im Volksmund, was vermutlich eine Anspielung auf Luthers Übersetzung des hebräischen Wortes „Golgatha“, den Kreuzigungsort Jesus, darstellt. Denn Luther übersetzte es mit „Schädelstätte“. Das Monument war demnach nicht unumstritten. Erste Diskussionen um den Erhalt begannen bereits mit der Rückbenennung von Karl-Marx- Stadt in Chemnitz noch vor der Wiedervereinigung. Während in der Stadt heftig diskutiert wurde, meldeten andere Städte unterschiedlicher Länder Interesse an dem Denkmal an. Auch Köln wollte das Monument gerne kaufen.

Doch der "Nischel" blieb, wo er war. Bei seiner Sanierung 2011 stand ein Abriss nicht mehr zur Debatte. Aufgrund einiger baulicher Mängel am Granitsockel war eine große Finanzspritze fällig, die übrigens teilweise vom schwedischen Möbelkonzern Ikea geleistet wurde, der dafür einige Zeit Karl Marx ein überdimensionales, aufgeschlagenes Buch vorsetzen durfte.

Als Wahrzeichen der Stadt Chemnitz hat das Monument seit seiner Sanierung einen „guten Stand“. Ein Abriss wird dem riesigen Karl-Marx-Kopf in Zukunft wohl nicht drohen. So prangen im Hintergrund auch weiterhin in vier Sprachen die Worte des Kommunistischen Manifests: „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“

Literaturhinweise:

Webseite der Stadt Chemnitz, http://www.chemnitz.de/chemnitz/de/die-stadt-chemnitz/stadtportrait/sehenswuerdigkeiten/sehenswertes_karl_marx_denkmal.html abgerufen am 09.09.2016.

40 Jahre „Nischel“ in Chemnitz – Sockel des Karl-Marx-Monuments muss saniert werden, in: Leipziger Volkszeitung, 04.10.2011, http://www.lvz.de/Mitteldeutschland/News/40-Jahre-Nischel-in-Chemnitz-Sockel-des-Karl-Marx-Monuments-muss-saniert-werden abgerufen am 09.09.2016.

Eintrag „Karl-Marx- Monument“, https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Marx-Monument#cite_note-4 abgerufen am 09.09.2016.

Bild: RobbyBer at the German language Wikipedia / CC-BY- SA-3.0

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