Was bleibt von der DDR?

Part X: Das Marx-Engels-Forum in Berlin

Viele Touristen fotografieren sich heutzutage mit den beiden großen kommunistischen Theoretikern in Berlins Mitte. Doch wie lange das so bleiben wird, ist unklar. Das sozialistische Monument steht heute immer wieder in der Diskussion. Die Geister scheiden sich, ob sie neben dem Stadtschloss tatsächlich noch etwas zu suchen haben.
von Elke Sieber (24.08.2016)

Viele Touristen fotografieren sich heutzutage mit den beiden großen kommunistischen Theoretikern in Berlins Mitte. Doch wie lange das so bleiben wird, ist unklar. Das sozialistische Monument steht heute immer wieder in der Diskussion. Die Geister scheiden sich, ob sie neben dem Stadtschloss tatsächlich noch etwas zu suchen haben.

Entstehung

Die SED wollte die Freifläche am Marx-Engels-Platz nutzen und die Kunstkommission des Ministeriums für Kultur der DDR entschied sich für einen Entwurf des Bildhauers Ludwig Engelhardt, der 1977 zum künstlerischen Leiter des Projekts berufen wurde.

Sein eher schlichter und unauffälliger Entwurf machte dennoch letztlich nicht das Rennen. Als das erste Modell angefertigt war und von Honecker und Hager in Augenschein genommen war, entstanden kommentarlos Gegenentwürfe von anderen Künstlern. Drei Meter hohe Sockel wurden angedacht und die Theoretiker mit wehenden Fahnen vorgestellt. Dies konnte das Denkmalensemble um Engelhardt abwenden, dafür wanderte das Monument auf die Wiese auf der anderen Spreeseite des Palastes der Republik – das Marx-Engels-Forum. Die Häuser auf dem Areal waren nach dem Zweiten Weltkrieg nach und nach abgerissen worden. Hier waren die Kriegsschäden sehr groß.

Nach dieser langen Vorbereitungsphase von insgesamt neun Jahren wurde am 4. April 1986 das Monument feierlich eingeweiht.

Gestaltung

Die zentralen Figuren des Denkmalensembles sind die beiden überlebensgroßen Bronzefiguren von Marx und Engels. Marx sitzend, fast schon thronend, und Engels hinter ihm stehend richten ihren strengen aber auch zuversichtlich-stolzen Blick gen Osten. Hinter ihnen befindet sich eine Reliefwand mit dargestellten Menschengruppen, die die frühkapitalistische Zeit thematisieren. Auf vier Edelstahlstelen, die bogenförmig um die beiden Theoretiker angeordnet sind, befinden sich Fotodokumente der internationalen Arbeiterbewegung, die dauerhaft in die geschliffene Oberfläche erodiert wurden. Zur damaligen Zeit war dieses Verfahren eine Weltneuheit.

Heutige Diskussion

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde 1991 zunächst der Name Marx-Engels-Forum durch die Bezirksverordnetenversammlung aufgehoben und die Straße wieder in die 1951 benannte Rathausstraße einbezogen. Daraufhin wurden Stimmen laut dieses sozialistische Relikt abzubauen und die Freifläche in eine Neubebauung des Heiliggeistviertels einzubeziehen. Andere wiederum möchten das Denkmal als Zeugnis der neueren deutschen Geschichte erhalten. Durch den Weiterbau der U-Bahn vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor wurde die Diskussion neu entfacht, da das Denkmal von seinem ursprünglichen Ort weichen musste. Im September 2010 wurde es deshalb umgesetzt und steht nun –verkehrtherum- an der Seite der Grünfläche an der Karl-Liebknecht-Straße.

Im April 2016 veröffentlichte die Berliner Zeitung, dass das Marx-Engels-Forum vom Senat als Standort für den Neubau der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) geprüft würde. Eine überraschende Wendung, da im Jahr zuvor die Bürger sich in einer Befragung für eine „Grüne Oase“ in Mitte aussprachen, eine kleinteilige Bebauung auf dem Areal lehnten sie ab.

Es bleibt unklar, was nun tatsächlich passieren wird.

 

Quellen:

Marx-Engels-Forum wird als Standort für die Landesbibliothek untersucht, Berliner Zeitung vom 14.04.2016, http://www.berliner-zeitung.de/berlin/marx-engels-forum-wird--als-standort-fuer-die-landesbibliothek-untersucht--23888960, abgerufen am 24.08.2016.

http://www.stadtentwicklung.berlin.de/denkmal/liste_karte_datenbank/de/denkmaldatenbank/daobj.php?obj_dok_nr=09060130, abgerufen am 24.08.2016.

Bilder:

By Sir James [CC BY-SA 2.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons

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