Was bleibt von der DDR?

Part III: Aktenberge in SAPMO und Bundesarchiv

Das Offensichtlichste, was von der DDR bleibt, soll in dieser Rubrik nicht vergessen werden: Die Unmenge von Akten, die ein vergangener, bürokratischer Staat hinterlässt. von Elke Sieber (13.01.2016)

Das Offensichtlichste, was von der DDR bleibt, soll in dieser Rubrik nicht vergessen werden: Die Unmenge von Akten, die ein vergangener, bürokratischer Staat hinterlässt. Neben den Dokumenten der Staatsorgane, die im Bundesarchiv in Berlin-Lichterfelde zu finden sind, gab es zahlreiche Parteiorgane und Massenorganisationen, die zum Teil staatliche Aufgaben in der Parteidiktatur übernahmen. Um diese Akten kümmert sich die Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv oder kurz SAPMO. Sie wurde als unselbständige Stiftung innerhalb des Bundesarchivs gegründet und schon nach kurzer Zeit in dessen Infrastruktur integriert.

Vor der Stiftungsgründung gingen die Archive der Parteien und Massenorganisationen der DDR zum 1. Juni 1990 in die treuhänderische Verwaltung durch die Unabhängige Kommission zur Überprüfung des Vermögens der Parteien und Massenorganisationen der DDR über. Nach langen Diskussionen über den Fortbestand der Sammlungen wurde entschieden, dass sie in ihrem Entstehungszusammenhang bleiben sollten. Die SAPMO wurde zum 1. Januar 1993 gegründet und schloss Einbringungsverträge mit den früheren Institutionen. Viele Archive und Bibliotheken hatten ihre Träger und auch den strukturellen Rückhalt verloren, hier übernahm die Stiftung nun die wichtige Aufgabe diese Bestände zu sichern und für eine Benutzung zu öffnen. Damit leistet die SAPMO seit über 20 Jahren einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte mit Hilfe eines großen Quellenfundus.

In den ersten Jahren war die Stiftung im ehemaligen Haus der Einheit in der Torstraße untergebracht. Von hier aus wurde der Transport von gut 30 bisher unabhängig arbeitenden Archiven und Bibliotheken organisiert und betreut. Gleichzeitig wurde schon 2 Wochen nach dem Transport in die neuen Räumlichkeiten der Benutzungsbetrieb eröffnet. Als im Jahre 1994 auch die FDJ-Bestände der Stiftung zufielen, fehlte es an Magazinräumen, sodass auf Notquartiere ausgewichen werden musste. Als die amerikanischen Truppen 1994 die Andrew´s Kaserne in Lichterfelde verließen, begann das Bundesarchiv den nördlichen Teilbereich in Lichterfelde zu nutzen. Die Stiftung sowie die Abteilungen Deutsches Reich und Deutsche Demokratische Republik zogen in Berlins Südwesten.

Das Interesse an der Sammlung ist von Beginn an ungebrochen. Hohe Nutzerzahlen der rechtlich frei zugänglichen Bestände mussten damit vereinbart werden, dass die Akten, die meist nur für den internen Gebrauch gedacht waren, oft völlig unbearbeitet vorlagen. Die Lösung lag darin, dass die Findmittel offen zugänglich gemacht wurden, wodurch die freien Kapazitäten sich der Erschließung der Bestände widmen konnten.

Die Sammlung umfasst rund 800 Bestände und gleichzeitig eine Bibliothek mit 1,7 Mio. Bänden. Dabei ist zu bemerken, dass die organisationsinterne Nutzung der Dokumente in der DDR die Grenzen zwischen Bibliothek und Archiv verschwimmen ließ. Vieles lag als Druckschrift in der Bibliothek, was eigentlich als Archivgut angesehen werden müsste. Außerdem haben die Unterlagen drei verschiedene Strukturformen, die in einen Bestand zusammengefasst werden müssen. So gibt es Akten, die bereits früher archiviert wurden, durch ihren internen Charakter allerdings nach internen Sprachregelungen inventarisiert wurden. Es liegen außerdem Akten vor, die bereits zur Archivierung vorbereitet und vorläufig erschlossen waren sowie solche, die direkt aus den Arbeitszimmern herausgeholt wurden und demnach weder erschlossen noch abgeschlossen sind. Dies bedeutet für die Erschließung einen deutlichen Mehraufwand.

Dennoch legte die Stiftung großen Wert auf die Bereitstellung der Quellen für externe Benutzer. Erste Online-Findbücher wurden 2003 ins Internet gestellt, sodass ab jetzt eine Recherche im Archivgut von zuhause aus möglich wurde. Seit 2004 wurde dann mit der Digitalisierung von Akten des Politbüros und der Büros führender Funktionäre begonnen. Parallel entstanden zur Sicherung der Originale Reproduktionen auf Mikrofilm und Mikrofiche. Seit 2005 ist außerdem eine übergreifende Recherche für die Online-Findbücher und die Beständeübersicht über das Internet-Recherchezentrum ARGUS möglich. Darüber hinaus wurde im selben Jahr eine derartige Übersicht (Führer zu Archiv- und Bibliotheksbeständen der Stiftung) mit detaillierten Beschreibungen zu den Beständen auch als Buch veröffentlicht.

Die SAPMO verfügt über folgende Bestände:

  • Zentrale Stellung nimmt das Archivgut der SED ein, das sich aus dem Zentralen Parteiarchiv (ZPA) und dem Internen Parteiarchiv der SED zusammensetzt. Das IPA war damals ausschließlich für führende Funktionäre zugänglich. Das Schriftgut der Führungsgremien der SED besteht dabei hauptsächlich aus Protokollen der verschiedenen Gremien, interne Materialien finden sich in den Akten der Büros der Mitglieder des Politbüros und der ZK-Abteilungen sowie in jenen der Sekretariate. Zum Bestand der SED zählen außerdem verschiedene Institute und Hochschulen des ZK der SED. Vieles ging jedoch verloren oder wurde vernichtet, so etwa das Schriftgut des Instituts für Meinungsforschung. Die Bezirksparteiarchive befinden sich in den Sammlungen der Staats- und Landesarchive der jeweiligen Bundesländer.
  • Ein weiterer großer Bestand bildet das Archiv des FDGB, das mit den Beständen der Einzelgewerkschaften zusammengeführt wurde. Auch hierbei handelt es sich um eine bedeutende Quellensammlung, da der FDGB eine einflussreiche politische und ideologische Kraft in der DDR darstellte.
  • Die Bestände der Blockparteien sowie der Nationalen Front sowie anderer Verbände, Zusammenschlüsse und Organisationen befinden sich ferner in der Sammlung.
  • Des Weiteren werden die Unterlagen der staatlichen Stellen durch solche aus Nachlässen und aufgeschriebenen Erinnerungen ergänzt.
  • Weitere Sammlungen beispielsweise zur Arbeiterbewegung, zu den Jahren vor 1945 oder zu Organisationen in westlichen Besatzungszonen sind zusätzlich vorhanden, wie ebenfalls ein großes Archiv an Bild- und Tondokumenten sowie Bibliotheksbeständen.

Bei der Erschließung der Unterlagen wurden die Bestände der Büros der Generalsekretäre, die des Politbüros und ZKs der SED priorisiert, da ihre Nachfrage durch Wissenschaftler und andere Benutzer unverändert hoch ist. Vieles davon ist bereits online zugänglich, sodass ein breiter Kreis an Forschern auch außerhalb Berlins und Deutschlands die bedeutende Quellensammlung nutzen kann und nutzt.

 

Bild: Bundesarchiv, Bild 183-30033-0002 / Heilig, Walter

 


 

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