Ost-West Beziehungen zwischen Mindestumtausch und Begrüßungsgeld

von Jörn Kleinhardt (03.09.2015)

Betrachtet man rückblickend den innerdeutschen Reiseverkehr mit all seinen Facetten, stößt man früher oder später auf den ostdeutschen „Mindestumtausch“ und das westdeutsche „Begrüßungsgeld“. Aber was versteht man genau darunter und wie wirkte es sich auf die Menschen aus?

Um Währungsspekulationen zu verhindern, wurde die Ausfuhr der „Mark der DDR“ grundsätzlich verboten. Die „Mark“ war somit eine Binnenwährung die nur in der DDR gültig war. Da die DDR Zeit ihres Bestehens unter Devisenknappheit litt, wurde zum 1. Dezember des Jahres 1964 eine Regelung zur „Devisenverkehrsbeschränkung“ durch die Volkskammer getroffen. Um neue „Geldquellen“ für den Handel auf dem internationalen Markt zu erschließen, wurde der „Verbindliche Mindestumtausch“ eingeführt. Dafür griff man auf die zahlreichen DDR-Besucher aus dem westlichen Ausland zurück. Fortan mussten westliche Individualreisende eine Art „Eintrittsgeld“ für die DDR bezahlen. Ab Dezember 1964 wurde für jeden Westdeutschen eine Gebühr von 5 DM pro Aufenthaltstag erhoben, Bürger aus Westberlin mussten 3 DM pro Tag bezahlen. Für Rentner und Kinder unter 14 Jahren wurde keine Gebühr erhoben. Die zuvor genannten Beträge wurden im Verhältnis von 1:1 getauscht, im Hinblick auf den tatsächlichen, am Marktwert orientierten Wechselkurs, welcher zwischen 1:3 und 1:10 pendelte, ein gewinnbringendes Geschäft für die DDR. Im Laufe der Jahre wurden die Tagessätze und Gültigkeiten immer wieder verändert. So bezahlten Westbürger in den 1980er Jahren 25 DM pro Aufenthaltstag, Rentner jedoch nur 15 DM. Zwischen Westdeutschen und Westberlinern  wurde nicht mehr unterschieden. Am 24. Dezember 1989 wurden die Mindestumtauschregelungen auf Anordnung der DDR-Finanzministerin Uta Nickel außer Kraft gesetzt, da die Grenze kurz zuvor geöffnet wurde und sich die deutsche Wiedervereinigung anbahnte. Insgesamt erzielte die DDR-Regierung mit dem „Mindestumtausch“ Einnahmen von 4,5 Milliarden DM in 26 Jahren.

Im Gegensatz zum „Mindestumtausch“ stand das „Begrüßungsgeld“. Das „Begrüßungsgeld“ wurde 1970 durch die Bundesregierung eingeführt. Ursprünglich sollte es ostdeutschen Reisenden, in der Anfangszeit vorwiegend Rentnern, zur Unterstützung dienen. Der Obolus in Höhe von 30 DM konnte zweimal pro Jahr in Anspruch genommen werden. Im Jahr 1988 wurde der Satz auf 100 DM erhöht, jedoch konnte man nur noch einmal jährlich davon Gebrauch machen. Bis Mitte der 1980er Jahre kamen etwa 60000 Besucher jährlich in den Genuss des „Begrüßungsgeldes“, danach erhöhte sich die Anzahl schlagartig. Grund dafür waren  die von der DDR beschlossenen Reiseerleichterungen. Als im November 1989 die Grenze geöffnet wurde und innerhalb weniger Tage tausende DDR Bürger auch aufgrund des „Begrüßungsgeldes“ den Westteil Berlins oder die Bundesrepublik besuchten kam es zu erheblichen logistischen Problemen. Viele Zahlstellen waren durch den Besucheransturm aus dem Osten schlicht überfordert. In Berlin wurden schon einen Tag nach Öffnung der Grenze auf Anweisung des damals regierenden Bürgermeisters Walter Momper zusätzliche, provisorische Zahlstellen eingerichtet. Bis zum 20. November 1989 besuchten knapp 11 Millionen DDR-Bürger die Bundesrepublik oder den Westteil Berlins.

In unserem Sammlungsbestand befindet sich eine Broschüre aus der unmittelbaren Zeit der Maueröffnung. Herausgegeben von der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales Berlin informiert sie über Öffnungszeiten und Adressen von Zahlstellen für das Begrüßungsgeld. Im Mittelteil befindet sich ein Stadtplan mit eingezeichneten Auszahlstellen im Westteil Berlins.

Ein Foto aus der Berliner Badstraße im Ortsteil Wedding befindet sich ebenfalls in unserem Bestand. Das Bild datiert auf den 11.11.1989 zeigt wartende Menschenmassen vor den Zahlstellen im Wedding. Durch diese Fotografie erhält man einen guten Eindruck vom Ansturm auf die Zahlstellen und das Begrüßungsgeld in den turbulenten Wendemonaten. Fotograf des Bildes ist Matthias Schubert aus Berlin.

Allein in den Monaten November und Dezember des Jahres 1989 wurden ca. 4 Milliarden DM als Begrüßungsgeld ausgezahlt. Zum 29. Dezember 1989 wurde die Zahlung des „Begrüßungsgeldes“ eingestellt und durch einen Devisenfonds ersetzt in den beide deutsche Staaten einzahlten.

Haben Sie noch in Erinnerung was Sie sich damals vom „Begrüßungsgeld“ oder dem „Mindestumtausch“ gekauft haben und würden diese Erinnerungen gerne mit uns teilen? Dann freuen wir uns über Post von Ihnen!

Mehr zum Thema

Tickets ohne Warteschlange ab € 5,50   Jetzt kaufen