Die Zeitschrift „UdSSR im Bau“, Hochglanzpropaganda aus dem Bruderland

von Jörn Kleinhardt (09.04.2015)

Im Jahr 1930 wurde durch Maxim Gorki die Zeitschrift „UdSSR im Bau“ gegründet. Das außergewöhnlich großformatige Blatt berichtete dokumentarisch über das Leben der Bevölkerung der UdSSR. Schwerpunkte bildeten hierbei die wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Errungenschaften, die Kultur und Kunst des großen Landes sowie speziell die Außenpolitik des damals noch jungen Staates. Durch das Sonderformat von 41,2 x 30 cm war es möglich großformatige Fotografien mit umfangreichen Begleittexten abzudrucken. Die benötigten qualitativ hochwertigen Fotografien wurden von der Moskauer Fotoagentur „Sojusfoto“  angefertigt. Die hochwertig gedruckte Zeitschrift richtete sich vor allem an westliche Geschäftsleute, Intellektuelle und führende Mitglieder kommunistischer Parteien. Bekanntester Leser der Zeitschrift war wohl bis zu seinem Tode Josef Stalin. Die frühen Ausgaben wurden in englischer, russischer, deutscher und französischer Sprache verlegt. Später kamen noch weitere Sprachen wie etwa chinesisch (ab 1950), finnisch (ab 1957) oder Hindi (ab 1956) dazu.

Nachdem die Wehrmacht 1941 die Sowjetunion überfiel, wurde die Herausgabe des Blattes vorübergehend eingestellt. Erst im Januar 1949 wurde die monatlich erscheinende Zeitschrift wieder aufgelegt.

In unserer Sammlung befinden sich sechs deutschsprachige Ausgaben aus dem Jahr 1949. Die Ausgaben drei und zehn möchte ich Ihnen näher vorstellen.  Auf dem Umschlag der dritten Ausgabe ist ein Luftbild von Schutzwaldungen in der Steinsteppe des Woronescher  Gebietes zu sehen. Fast die komplette Zeitschrift widmet sich dem Thema der Kolchosen und der Umgestaltung von Naturräumen. Im Inhaltsverzeichnis der Ausgabe steht: Der große Plan der Naturumwandlung/ Trockenlegung der Sümpfe Polessien/ Die Umgestaltung der Kolchis/ Baschkirien/ Wenn die Eltern auf Arbeit sind und Laienkunst. Zahlreiche hochwertige Fotografien verdeutlichen die in den einzelnen Artikeln getroffenen Aussagen.

Auf dem Titel der zehnten Ausgabe des Jahres 1949 ist der „Molotow-Prospekt“ eine Prachtstraße im Zuckerbäcker-Stil (ähnlich der Stalinallee in Berlin) in der westsibirischen Stadt Stalinsk, welche heute Nowokusnezk heisst, abgebildet. Auf der Rückseite befindet sich ein coloriertes Bild, welches die Einbringung der Ernte im Obstgarten der Mikojan-Sowjetwirtschaft in der Region Krasnodar zeigt. Im Inhaltsverzeichnis der Ausgaben stehen drei Themenschwerpunkte: In einer sibirischen Stadt/ Eine ukrainische Kollektivwirtschaft und ein Sportthema Wettkampf der Meister.

Im März 1950 wurde die Zeitschrift  in „Sowjetunion“ umbenannt. Zusätzlich wurde das Layout leicht verändert.  Bis zur Einstellung im  Jahr 1991 erschien das Blatt im Monatsturnus. In seiner Hochzeit in den 1970er Jahren wurde das Blatt in 19 Sprachen übersetzt und in knapp 160 Ländern auf der Erde verlegt. Die Gesamtauflage betrug ungefähr 1,6 Millionen Stück pro Ausgabe.

Haben Sie die „Sowjetunion“ oder die „UdSSR im Bau“ gelesen oder kennen Sie jemanden der die Zeitschrift gelesen hat? Haben Sie interessante Geschichten zum Thema sowjetische Publikationen? Dann melden Sie sich doch bei uns!

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