„Ich liebe doch alle-alle Menschen“ Lebensdaten von Erich Mielke

von Jörn Kleinhardt (21.05.2015)

Am 13. November 1989, wenige Tage nach der Maueröffnung trat Erich Mielke das erste Mal als Redner in der Volkskammer im Palast der Republik auf. Seine Worte „Ich liebe – Ich liebe doch alle – alle Menschen – Na ich liebe doch – Ich setze mich doch dafür ein.“ wurden seitdem oft zitiert und geben tiefen Einblick in die Gedankenwelt des damals 82 jährigen Mannes. Wie konnte dieser Mensch über drei Jahrzehnte als Minister für Staatssicherheit fungieren und den Apparat maßgeblich prägen?

Geboren wurde Erich Mielke 1907 im Berliner Arbeiterbezirk Wedding, zur damaligen Zeit „Roter Wedding“ genannt. Sein Elternhaus war sehr einfach, der Vater von Beruf Stellmacher und glühender Kommunist, wirkte prägend auf Erich Mielke. Mit 14 Jahren trat er in den „Kommunistischen Jugendverband Deutschlands“ ein, vier Jahre später wurde er Mitglied der KPD. Neben seiner ideologischen Betätigung absolvierte Mielke im Jahr 1927 eine Ausbildung zum Speditionskaufmann. Die späten 20er und frühen 30er Jahre waren geprägt durch oftmals heftige Auseinandersetzungen der NSDAP und KPD untereinander, Saalschlachten und wilde Schlägereien waren keine Seltenheit. Auch Mielke war zu dieser Zeit im „Roten Frontkämpferbund (RFB)“ und dem 1931 gegründeten „Parteiselbstschutz“, beide paramilitärische Schutztruppen der Kommunisten, aktiv.  Am 9. August 1931 erschossen Mielke und ein weiteres Mitglied des Selbstschutzes zwei Polizisten bei einer Demonstration auf dem Bülowplatz (dem heutigen Rosa-Luxemburg Platz) in Berlin Mitte. Um die Beiden der Gerichtsbarkeit zu entziehen, wurden Mielke und seine Mittäter durch die KPD in die Sowjetunion gebracht.

In den Jahren im sowjetischen Exil wurde Mielke an der Lenin Schule in Moskau ideologisch geschult. Ab 1936 war er unter dem Decknamen „Fritz Leissner“ im Spanischen Bürgerkrieg als Offizier der stalinistischen Geheimpolizei in den Internationalen Brigaden tätig. Zu Beginn des 2. Weltkrieges 1939 setzte sich Mielke dann im Auftrag der KPD nach Belgien ab und ging 1940 von dort nach Toulouse in den Untergrund, wo er sich als Bauarbeiter verdingte. Ein Jahr vor Kriegsende wurde seine Arbeitsbrigade in die deutsche „Organisation Todt“ integriert. So kam Mielke unbeschadet über die Zeit des Krieges.

Knapp einen Monat nach Kriegsende, am 14. Juni 1945 meldete sich Mielke bei seiner Partei in Berlin und übernahm umgehend die Leitung der Polizeiinspektion Berlin Lichtenberg in der damaligen SBZ. Ab Mai 1949 zeichnete er sich für den Aufbau der „Hauptverwaltung zum Schutze der Volkswirtschaft“, der Vorgängerorganisation des „Ministeriums für Staatssicherheit (MfS)“ verantwortlich. Mit der Gründung des MfS im Februar 1950 wurde Mielke zum stellvertretenden Leiter im Range eines Staatssekretärs. Im November 1957 übernahm er das Amt des Ministers von seinem Vorgänger Ernst Wollweber. Im Neuen Deutschland wird die Ernennung Mielkes zum Minister nur beiläufig erwähnt: „Das Presseamt beim Ministerpräsidenten teilt mit: Der Minister für Staatssicherheit Ernst Wollweber hat gebeten, ihn aus Gesundheitsrücksichten von seiner Funktion zu entbinden. Ministerpräsident Grotewohl hat seiner Bitte entsprochen und zum Minister für Staatssicherheit den bisherigen Stellvertreter des Ministers für Staatssicherheit, Erich Mielke, mit Wirkung vom 1. November 1957berufen.“

Den Posten des Ministers hatte Mielke bis zu seinem Rücktritt am 7. November 1989 inne. Mit über 32 Dienstjahren war er der dienstälteste Minister der gesamten DDR. Das Ministerium für Staatssicherheit wurde unter seiner Ägide stark ausgebaut. Zum Amtsantritt hatte das MfS 1957 etwa 14.000 hauptamtliche Mitarbeiter, 1989 waren es dann knapp 90.000 Mitarbeiter. Am 3. Dezember 1989 wurde Erich Mielke aus der SED ausgeschlossen, vier Tage später wurde er festgenommen und kam in Untersuchungshaft. Anfang 1990 saß er für etwa einen Monat im berüchtigten Untersuchungsgefängnis in Hohenschönhausen, der heutigen Gedenkstätte Hohenschönhausen. Kurz danach kam er aufgrund von ärztlich festgestellter Haftunfähigkeit wieder auf freien Fuß. Drei Monate später wurde er erneut festgenommen. Der Vorwurf lautete zunächst „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ und „Rechtsbeugung“. Nach mehreren Gefängnisaufenthalten in Rummelsburg und Plötzensee kam Mielke für eine längere Zeit in die JVA Moabit. Die Ermittler konzentrierten sich zu dieser Zeit auf den Mordanschlag auf dem Bülowplatz aus dem Jahr 1931. Im Oktober 1993 wurde der mittlerweile 85 jährige Mann zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren wegen der Morde von 1931 verurteilt. Ende 1995 wurde Mielke aufgrund seines Alters von 88 Jahren auf Bewährung entlassen, nachdem er ca. 2/3 seiner Strafe abgesessen hatte.

Zusammen mit seiner Frau Gertrud zog der Greis in den Berliner Stadtteil Hohenschönhausen. Es wurde still um den einst so mächtigen Mann. Am 22. Mai 2000, also genau vor 15 Jahren verstarb Mielke mit 93 Jahren in einem Berliner Altersheim. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in einem anonymen Urnengrab.

 

(Bildquelle Portrait: Bundesarchiv, Bild 183-R0522-177 / CC-BY-SA)

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