Die Parteienlandschaft in der Sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR

von Jörn Kleinhardt (11.06.2015)

Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, am 10. Juni 1945 wurde durch die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) der Befehl Nr. 2 über die Zulassung der Gründung und Tätigkeit von antifaschistischen Parteien und Organisationen in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) herausgegeben. Nur einen Tag später gründete sich die Kommunistische Partei Deutschlands, unter der Federführung der Gruppe Ulbricht neu, nachdem sie in der Zeit des Nationalsozialismus verboten war und viele Mitglieder aufgrund politischer Verfolgung ins Exil gingen. Der Aufbau der KPD unter dem Vorsitz von Wilhelm Pieck wurde durch die sowjetischen Besatzer begünstigt.

 Um den demokratischen Schein zu wahren wurden aber auch andere Parteien zur Neugründung zugelassen. Fünf Tage später am 15. Juni begann der Wiederaufbau der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Vorsitzender des Zentralausschusses wurde Otto Grotewohl. Knapp zwei Wochen später, am 26. Juni wurde in der SBZ die Christlich-Demokratische Union der DDR(CDU/ Ost-CDU) als Partei zugelassen. Vorsitzender in den ersten Jahren wurde der Widerstandskämpfer Andreas Hermes. Die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands (LDPD) unter dem Vorsitz von Waldemar Koch erhielt am 10. Juli 1945 ihre Lizenz. Nur vier Monate später wurde Koch durch Wilhelm Külz ersetzt, da dieser eine „sowjetfreundliche Politik“ bevorzugte.

Unter Druck der sowjetischen Besatzungsmacht und führender Mitglieder der KPD kam es am 21. und 22. April 1946 im Berliner Admiralspalast zur Zwangsvereinigung der KPD und SPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Die Doppelspitze der neu gegründeten Partei bestand aus Pieck (KPD) und dem Sozialdemokraten Grotewohl. Stellvertreter der beiden Führungsspitzen wurden Max Fechner und Walter Ulbricht. Der Händedruck der beiden Vorsitzenden Pieck und Grotewohl zur Vereinigung bildet stilistisch das Logo der SED.

Durch die Vereinigung der Arbeiterparteien erhofften sich die sowjetischen Besatzer und die Führungsspitzen der SED, für die im Oktober 1946 stattfinden Landtagswahlen, eine absolute Mehrheit. Die Wahlergebnisse wurden mit Enttäuschung aufgenommen, da man in keinem Land die absolute Mehrheit errang. Das Wahlergebnis war ausschlaggebend für eine in den Folgejahren durchgeführte Reform des Wahlrechts, die auf Einheitslisten setzte. Auf den Einheitslisten wurden die Parteien und Massenorganisationen unter Führung der SED zusammengefasst, eine in der SBZ/DDR bis 1989 gängige Praxis.

Im Jahr 1948 erfolgten weitere Parteizulassungen in der SBZ. Im April erhielt die Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD) unter dem Vorsitz von Ernst Goldenbaum ihre Zulassung. In der Bauernpartei sollten Landwirte ihre politische Heimat finden die sich nicht der SED zugehörig fühlten und eher der Ost-CDU zugeneigt waren. Die im Juli 1948 zugelassene National-Demokratische Partei Deutschlands (NDPD) fungierte als Sammelbecken für alte NSDAP Mitglieder, Offiziere der Wehrmacht und Heimatvertriebene aus den ehemaligen Ostgebieten des Deutschen Reiches. Den Parteivorsitz in den Anfangsjahren hatte Lothar Bolz inne.

In unsere Sammlung befinden sich zahlreiche Dokumente wie Mitgliedsausweise und Broschüren aus den Anfangsjahren der Parteien. Einige Beispiele sind auf den Fotos zu sehen. Die Parteienlandschaft bestehend aus den fünf Parteien änderte sich erst im letzten Jahr der DDR. Zur Volkskammerwahl 1990 bereicherten diverse neue politische Akteure die Parteienlandschaft in der untergehenden Republik. Die fünf großen und etablierten Parteien überlebten die Wiedervereinigung unter verschiedenen Voraussetzungen. Die SED firmierte ab Dezember 1989 unter dem neuen Namen SED-PDS. Nach Reformansätzen nannte sich die Partei ab Februar 1990 dann Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS). Viele ehemalige SED Mitglieder traten in diesem Zeitraum aus der ehemals so dominierenden Partei aus und schlossen sich der westdeutschen SPD an. Mit der Wiedervereinigung gingen  die Ost-CDU und die DBD in die bundesdeutsche Christliche Union auf. Die LDPD und die NDPD wurden von der Freien Demokratischen Partei (FDP) übernommen.

Mehr zum Thema

Online-Tickets ohne Warteschlange

Ticket kaufen