Aus der Sammlung

Läden und Kaufhäuser in der DDR: Konsumgenossenschaften (kurz Konsum)

Im sogenannten Konsum gab es Waren des täglichen Bedarfs. Der Begriff war die im Volksmund gebräuchliche Kurzform der bereits 1945 gegründeten Konsumgenossenschaft. Bereits wenige Jahre später prägten die Läden der Konsum-Handelskette das Einkaufsbild in der DDR. Wir zeigen euch thematische Objekte aus der Sammlung. von Jörn Kleinhardt (10.11.2016)

Um ihren Konsumbedarf zu decken und die Waren des »täglichen Bedarfs« zu ergattern, gab es für die Bürger*innen der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ)/DDR verschiedene Möglichkeiten zum Einkauf. Bereits im Dezember des Jahres 1945 wurde die schlicht »Konsum« genannte Konsumgenossenschaft ins Leben gerufen. Nur drei Jahre später existierten schon fast 300 eigenständige Konsumgenossenschaften in den verschiedenen Städten. Der Verband Deutscher Konsumgenossenschaften (VDK) hatte die Aufgabe, über eigene Versorgungseinrichtungen den Bedarf der Bevölkerung möglichst flächendeckend bei geringen Preisen zu decken. Die Verkaufseinrichtungen unterschieden sich allerdings beträchtlich.

In den Städten wurden größere Geschäfte und Kaufhallen errichtet, im ländlichen Raum setzte man eher auf Dorfkonsumgenossenschaften. Es gab jedoch auch Konsum-Verkaufsstellen in größeren Betrieben, welche gerne von der schichtarbeitenden Belegschaft genutzt wurden. Die Dörfer, die ohne einen eigenen Dorfkonsum auskommen mussten, wurden von Konsum-Verkaufsbussen angefahren, um die dortige Bevölkerung mit Lebensmitteln zu versorgen. Für die Binnenschiffer der DDR gab es in den 1950er-Jahren sogar ein eigenes Konsum-Verkaufsschiff mit dem Namen »Kambala«.

Ab dem Jahr 1954 wurden die Konsum-Marken als Rabattmarken ausgegeben. So konnten Mitglieder der Konsumgenossenschaften einmal pro Jahr eine Rückvergütung eines Anteiles ihres Umsatzes in den Verkaufsstellen in Anspruch nehmen. Mitte der 1950er-Jahre hatte die Genossenschaft bereits über 3 Millionen Mitglieder. Aus dieser Zeit stammt auch die Redewendung »Zum Konsum gehen« was gleichbedeutend mit »einkaufen gehen« war.

Grünes Werbeschild der Konsumgenossenschaft (kurz Konsum)

Das Logo der Konsum-Handelskette als Leuchtreklame

Mit dem rasanten Wachstum in den 1950er-Jahren ging auch eine Stärkung der Marke einher. Im Jahr 1959 kreierte der Grafiker Karl Thewalt ein eigenes Verbandszeichen. Ein Industrieschornstein und eine gebogene Handsichel bilden zusammengefügt ein großgeschriebenes »K«. Das markante Logo wurde daraufhin an den Fassaden oder auf den Dächern der Verkaufsstellen angebracht, oftmals als weithin sichtbare Lichtwerbung. Eines dieser beleuchteten Logos befindet sich in unserem Bestand und ist auf dem oberen Foto abgebildet.

Auch Betriebe und Gaststätten gehörten zur Konsum-Kette

Die Konsumgenossenschaften beschränkten sich aber nicht nur auf Verkaufsstellen. Zur Konsum-Handelskette gehörten ferner über 150 Betriebe, wovon 28 Großbetriebe direkt dem Verband Deutscher Konsumgenossenschaften unterstellt waren. Ein Großteil des Sortiments in den Verkaufsstellen wurde durch die eigenen Betriebe produziert. Zu den eigenen Betriebs- und Produktionsstätten gesellte sich ein Netz von Konsum-Gaststätten, welche vorrangig die produzierten Lebensmittel weiterverarbeiteten und ein zusätzliches Angebot auf dem gastronomischen Markt darstellten. Ein Teil dieser Gaststätten wurden als »Kommissionsgaststätten« an private Wirtsleute verpachtet.

Bierdeckel Konsum-Gaststätte

In den späten 1980er-Jahren hatten die Konsumgenossenschaften insgesamt rund 4,5 Millionen Mitglieder. Da es sich dabei um ein Privatunternehmen handelte, fiel es nach der friedlichen Revolution nicht in den Zuständigkeitsbereich der Treuhandanstalt. Mit der Wiedervereinigung bildete dann ab dem 3. Oktober 1990 das Deutsche Genossenschaftsgesetz den gesetzlichen Rahmen. Die knapp 200 einzelnen Konsumgenossenschaften fusionierten auf regionaler Ebene und bildeten 55 neue und regional tätige Konsumgenossenschaften. Ein paar dieser regionalen Verbände haben bis zum heutigen Tag überdauert und betreiben eigene Verkaufsfilialen.    

Mehr zum Thema