Die DEFA als sozialistische Filmschmiede

Die Filmkunst hat seit über 100 Jahren einen großen Einfluss auf Menschen. Filme können in uns negative oder positive Emotionen wecken, sie können uns auf phantasievolle Reisen mitnehmen, uns schaudern oder in fremde Welten eintauchen lassen. Doch auch als Propagandamittel lässt sich das Medium Film sehr gut einsetzen. Mit genau diesem Gedanken, wurde drei Wochen nach Ende des Zweiten Weltkrieges, die Erlaubnis zur Eröffnung  von Theatern und Lichtspielhäusern in der Sowjetischen Besatzungszone durch Berlins damaligen Stadtkommandanten Nikolai Bersarin erteilt. Schließlich sollte das damals moderne Medium, laut den Gründern der DEFA, dabei „helfen, in Deutschland die Demokratie zu restaurieren, die deutschen Köpfe vom Faschismus zu befreien und auch zu sozialistischen Bürgern erziehen“. So stellten es sich die Gründungsväter der Deutschen Film AG (DEFA) Hans Klering, Alfred Lindemann, Willy Schiller, Karl Hans Bergmann und Kurt Maetzig jedenfalls vor, als sie knapp ein Jahr nach Kriegsende am 17. Mai 1946 in Potsdam-Babelsberg den Grundstein für das spätere volkseigene Unternehmen legten.
von Jörn Kleinhardt (26.06.2015)

Die Filmkunst hat seit über 100 Jahren einen großen Einfluss auf Menschen. Filme können in uns negative oder positive Emotionen wecken, sie können uns auf phantasievolle Reisen mitnehmen, uns schaudern oder in fremde Welten eintauchen lassen. Doch auch als Propagandamittel lässt sich das Medium Film sehr gut einsetzen. Mit genau diesem Gedanken, wurde drei Wochen nach Ende des Zweiten Weltkrieges, die Erlaubnis zur Eröffnung  von Theatern und Lichtspielhäusern in der Sowjetischen Besatzungszone durch Berlins damaligen Stadtkommandanten Nikolai Bersarin erteilt. Schließlich sollte das damals moderne Medium, laut den Gründern der DEFA, dabei „helfen, in Deutschland die Demokratie zu restaurieren, die deutschen Köpfe vom Faschismus zu befreien und auch zu sozialistischen Bürgern erziehen“. So stellten es sich die Gründungsväter der Deutschen Film AG (DEFA) Hans Klering, Alfred Lindemann, Willy Schiller, Karl Hans Bergmann und Kurt Maetzig jedenfalls vor, als sie knapp ein Jahr nach Kriegsende am 17. Mai 1946 in Potsdam-Babelsberg den Grundstein für das spätere volkseigene Unternehmen legten.

Schon zwei Monate zuvor begannen in den Althoff-Ateliers im geschichtsträchtigen Babelsberg die Dreharbeiten zum ersten deutschen Nachkriegsfilm „Die Mörder sind unter uns“ unter der Regie von Wolfgang Staudte. Nachdem die DEFA anfangs nur eine Lizenz zur Produktion von Filmen erhielt, folgte im November 1948 die Rückgabe der Verleihrechte durch die sowjetische Firma „Sovexport“ und die Gründung des DEFA Filmverleihs. Einen Monat später wurde das noch junge Unternehmen in eine sowjetisch deutsche Aktiengesellschaft (SDAG) umgewandelt. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten bereits über 2000 Filmschaffende bei der DEFA. Als Produktionsstandorte fungierten die historischen Filmstudios in Berlin-Johannistal und der vormals von der Universum Film AG (UFA) zum größten Filmstudio Europas ausgebaute Filmpark Babelsberg, dem bis heute ältesten Großatelier-Filmstudio der Welt.

Den Schwerpunkt in der Anfangszeit des Unternehmens bildeten Filme, welche den Antifaschismus und den sozialistischen Realismus thematisierten. So entstanden viele Filme in der Tradition der Arbeiterklasse und verschiedene Antikriegsfilme wie beispielsweise 1954 das Propagandawerk „Ernst Thälmann Sohn seiner Klasse“ unter der Regie von Kurt Maetzig oder die Romanverfilmung „Nackt unter Wölfen“ von Frank Beyer 

aus dem Jahr 1963. Mit der Gründung der DDR wurde der sowjetische Einfluss auf das Unternehmen geringer. Im Jahr 1952 wurde die DEFA grundlegend reorganisiert und verschiedene Schwerpunktsparten wie das DEFA Studio für Spielfilme oder das Studio für Dokumentarfilme gebildet. Auch die Synchronisation fremdsprachiger Filme erfolgte in dem volkseigenen DEFA Studio für Synchronisation in Berlin-Johannistal. Bis 1989 wurden hier über 8000 Filme neu vertont.

Das Portfolio der heimischen Filmproduktionen wurde ab den 50er Jahren sukzessive erweitert. So entstanden zahlreiche, noch heute sehr beliebte Märchenfilme, angefangen mit der Märchenverfilmung „Das kalte Herz“ aus dem Jahr 1950. In den 1960ern wurden Western- und Indianerfilme, bedingt durch die westeuropäischen Verfilmungen von Karl Mays Büchern, populär. Auch im Osten hatte Pierre Brice als „Winnetou“  zahlreiche Fans und so entschieden die Kunstschaffenden unter Führung der Partei eine eigene Marke zu kreieren. Im Jahr 1966 erschien der erste Ost-Western „Die Söhne der großen Bärin“ mit dem Serben Gojko Mitic in der Hauptrolle. Schnell wurde der charismatische Schauspieler durch seine zahlreichen Hauptrollen als Indianerhäuptling, auch über die Grenzen der DDR, bekannt.

Die Zensur der SED machte jedoch auch vor der hauseigenen Filmschmiede nicht halt. Zahlreiche Filme wie Frank Beyers „Spur der Steine“ von 1966, wurden von den SED Oberen verboten und wurden wenn überhaupt, erst in den letzten Jahren der DDR für das interessierte Publikum freigegeben. Aufgrund dieser Bevormundung gingen zahlreiche bekannte Schauspieler wie Manfred Krug, Armin Müller-Stahl, Angelica Domröse oder Eva Maria Hagen in den Westen. Daraufhin wurden auch schon zuvor genehmigte Produktionen mit den beteiligten Personen aus dem Programm genommen, um sie aus dem Gedächtnis der DDR Bevölkerung zu tilgen.

Trotz Zensur und Aufführbeschränkungen produzierte die DEFA im Zeitraum bis 1989 etwa 700 Spielfilme, 750 Animationsfilme und gar 2250 Dokumentarfilme. Der Hauptproduktionsstandort Babelsberg beherbergt heutzutage den Filmpark Babelsberg und ist für Besucher zugänglich. Seit 1998 kümmert sich die DEFA-Stiftung in Berlin um den Kulturnachlass aus knapp 5 Jahrzehnten Filmkunst in Ostdeutschland.

 

 

 

 

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