Blick gen Osten: Die Fotografin Sibylle Bergemann

Seit der Gründung der DDR übte der Staat Einfluss auf seine Kunst-und Kulturschaffenden aus. Eine bedeutende Fotografin, die diese Kontrolle durch den Staat mehrfach zu spüren bekam war Sibylle Bergemann, der es dennoch gelang, vor allem in der DDR ihren eigenen künstlerischen Weg zu finden und ihn über alle Grenzen hinaus zu gehen. Ihre Fotografien erzählen Geschichten, Geschichten von Menschen aus Ostberlin, aus ihrem Alltag, tief und melancholisch, echt und manchmal kritisch, aber immer unverfälscht und schön - die Geschichte einer Stadt.
von Michael Geithner (05.03.2014)

Seit der Gründung der DDR übte der Staat Einfluss auf seine Kunst-und Kulturschaffenden aus. Eine bedeutende Fotografin, die diese Kontrolle durch den Staat mehrfach zu spüren bekam war Sibylle Bergemann, der es dennoch gelang, vor allem in der DDR ihren eigenen künstlerischen Weg zu finden und ihn über alle Grenzen hinaus zu gehen. Ihre Fotografien erzählen Geschichten, Geschichten von Menschen aus Ostberlin, aus ihrem Alltag, tief und melancholisch, echt und manchmal kritisch, aber immer unverfälscht und schön - die Geschichte einer Stadt.

Sibylle Bergemann ist eine Fotografin, die Berlin kannte, wie kaum eine Zweite. Sie wurde 1941 in Berlin geboren und arbeitete zunächst zwei Jahre für die Zeitschrift „Das Magazin“ als Sekretärin, bevor sie 1966 ihre Ausbildung als Fotografin begann. Diese absolvierte sie beim Fotografen und Hochschullehrer Arno Fischer, der später ihr Ehemann wurde.

Ab 1969 erscheinen Fotos von Sibylle Bergemann in Wochenzeitungen und ab 1973 in der Mode- und Frauenzeitschrift der DDR schlechthin, „Sibylle“. Außerdem arbeitete sie für Buchverlage und präsentiert im Jahr 1974 ihre Fotos erstmalig in Berlin im Rahmen einer Einzelausstellung im Haus der jungen Talente. Die gefragte deutsche Fotografin tritt 1977 dem Verband Bildender Künstler der DDR bei und wird 1994 Mitglied der Akademie der Künste.

Bergemann dokumentierte das Alltagsleben in Ostberlin mit einem gewissen Blick für Natürlichkeit und mit Geduld für das Foto im richtigen Moment. Bekannt wird sie mit Ihrer Fotodokumentation über den Bau des Marx-Engels-Denkmals hinter dem damaligen Palast der Republik, den sie zwischen 1975 und 1986 fotografisch begleitete. Auch in ihren Modefotografien zeigt sie das Unverfälschte und nutzt die ungeschminkte Fassade Ostberlins als Kulisse für ihre Aufnahmen.

Die gemeinsame Wohnung von Bergemann und Fischer in der Nähe des Bahnhofs Friedrichstraße diente internationalen wie DDR-Fotografen als Stätte der Begegnung und des kreativen Austauschs. Ihre Kontakte zu international arbeitenden Fotografen ermöglichten ihr auch die ersten Ausreisen aus der DDR, unter anderem nach Italien und in die USA.

Dort entstand auch das abgebildete Foto im Jahr 1984 in einem Hotelzimmer in New York. Es zeugt von Bergemanns Talent mit wenigen Bildelementen viele Emotionen zu transportieren und eine nicht inszenierte Fotografie zu schaffen, die die Natürlichkeit wie Vergänglichkeit des Augenblicks für die Ewigkeit einfängt. Ihre Reisen führten Bergemann fast um die ganze Welt und ihre Fotografien wurden in unzähligen Reportagemagazinen veröffentlicht.

Nach der Wende gründete sie 1990 mit sechs anderen Fotografen die Agentur „Ostkreuz“. Sibylle Bergemann gelang mit ihren einfühlsamen Reisebildern, Porträts und Fotostrecken ein unvergessenes künstlerisches Werk, mit dem sie in der DDR sowie nach der Wende zu einer Fotografin von internationaler Bekanntheit wurde. Sibylle Bergemann verstarb im November 2010 im Alter von nur 69 Jahren an Krebs.

Alle Bild- und Textrechte liegen bei ISA Auctionata Auktionen AG.

 

 

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