DDR-Design

Ein Koffer voller unerfüllter Träume: Der Staßfurter Kofferfernseher K 67

Transistorisierung! Zauberwort der sechziger Jahre in der DDR. Günter Höhne schreibt über den ersten volltransistorisierten Kofferfernseher der DDR.
von Günter Höhne (27.10.2014)

Transistorisierung! Zauberwort der sechziger Jahre in der DDR. Staatsplanmäßig fixiert fortan auch in der Rundfunk- und Fernsehindustrie Mitteldeutschlands.

An den VEB Fernsehgerätewerk Staßfurt ergeht die Weisung, den ersten volltransistorisierten Kofferfernseher der DDR auf den Markt zu bringen. Zum 20. Jahrestag der Gründung der DDR im Oktober 1969 soll er in Großserie vom Band laufen. Doch ein technisches Problem nach dem anderen lässt das Staatsplanziel zum Albtraum werden für die Staßfurter. Die 1967 aufgenommene Produktion des K 67 “bewegt” sich zwischen 6 und maximal 26 funktionierenden Exemplaren täglich. Alle paar Wochen müssen Veränderungen von innen nach außen vorgenommen werden.

Walter Mainz, als Absolvent und Diplom-Formgestalter frisch von der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Berlin-Weißensee nach Staßfurt kommend, entwirft das seinerzeit für ein Luxusgerät revolutionär spartanische Stahlblech-Design, dazu den Akku fürs Schwarzweißgucken auf der grünen Wiese.

Auch dass der ursprünglich vernickelte eiserne Trage- und zugleich Aufstellbügel des K 67 schließlich in Edelstahl verwandelt wird, hilft aber dem ersten Mini-Fernseher der DDR nicht weiter. An seinem noblen neuen Griff wird er noch 1967 aus der Produktion genommen und zu Grabe getragen. Im Rahmen aktueller Perspektivplanungen des “Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe” der sozialistischen Staaten (RGW) ist in Moskau beschlossen worden, transportable Fernsehgeräte bis auf weiteres in der UdSSR zu produzieren. Von nun an besiedelt der sowjetische „Junost“ die Schaufenster der RFT-Läden, Kauf- und Warenhäuser. Erst ab Mitte der 1970er Jahre gesellen sich wieder entsprechende DDR-Neuheiten wie der Combi-Vision 310, jetzt im Kunststoffkleid, hinzu.

Text und Bilder: Günter Höhne

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