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Die Entstehungsgeschichte des Berliner Tierparks

Nach der kriegsbedingten Teilung der Stadt Berlin fehlte es in beiden Teilen der Stadt an verschiedenen öffentlichen Strukturen. So gab es im Westteil der Stadt keine gewachsenen Museumsstrukturen wie die im Ostteil befindliche Museumsinsel. Andersherum gab es im Osten Berlins keinen Tierpark oder Zoo wie den berühmten und ältesten Zoo Deutschlands in Berlin-Charlottenburg. Da Zoologische Gärten seit jeher sehr beliebte Naherholungsziele der Einwohner waren und sich gut als überregionale Sehenswürdigkeit vermarkten ließen, lag die Notwendigkeit für die Errichtung einer entsprechenden Destination im Ostteil Berlins auf der Hand.
von Jörn Kleinhardt (18.02.2016)

Nach der kriegsbedingten Teilung der Stadt Berlin fehlte es in beiden Teilen der Stadt an verschiedenen öffentlichen Strukturen. So gab es im Westteil der Stadt keine gewachsenen Museumsstrukturen wie die im Ostteil befindliche Museumsinsel. Andersherum gab es im Osten Berlins keinen Tierpark oder Zoo wie den berühmten und ältesten Zoo Deutschlands in Berlin-Charlottenburg. Da Zoologische Gärten seit jeher sehr beliebte Naherholungsziele der Einwohner waren und sich gut als überregionale Sehenswürdigkeit vermarkten ließen, lag die Notwendigkeit für die Errichtung einer entsprechenden Destination im Ostteil Berlins auf der Hand.

Im Jahr 1954 wurde die Sache konkreter, der Magistrat von Groß-Berlin beschloß am 27. August 1954 die Errichtung eines Tierparks, das Zentralorgan „Neues Deutschland“ schrieb darüber am 29. August:

 

„„Der Aufbau des neuen Tierparks beginnt“

Alle Berliner Bürger sind aufgerufen, tatkräftig mit anzupacken

 Der Magistrat von Groß-Berlin beschloß in seiner Sitzung am Freitag, im Schloßpark Friedrichsfelde mit den Vorbereitungsarbeiten zum Aufbau eines neuen Berliner Tierparkes zu beginnen. Zuerst sollen die stark verwilderten Anlagen des Schloßparkes Friedrichsfelde in Ordnung gebracht und ein Wirtschaftshof eingerichtet werden. Im nächsten Jahr werden dann die ersten Freigehege und Unterkünfte für Huftiere geschaffen.

 Der gesamte Tierpark, zu dessen Einrichtung erhebliche Mittel und viel Arbeit erforderlich sind, kann im nächsten Jahr selbstverständlich noch nicht fertig sein, sondern soll von Jahr zu Jahr erweitert werden. Der Magistrat sprach die Hoffnung aus, daß recht viele Berliner Bürger tatkräftig mit anpacken, damit der neue Tierpark recht schnell zu einem beliebten und  gepflegten Erholungsort für die Bevölkerung wird. …“

 

Knapp zehn Monate später am 2. Juli 1955 wurde der Tierpark Berlin, in Anwesenheit des damaligen Bürgermeisters Friedrich Ebert und des Präsidenten der DDR Wilhelm Pieck, feierlich eröffnet. Zum damaligen Zeitpunkt erstreckte sich die Fläche des Tierparks über 60 Hektar, gezeigt wurden etwa 400 Tiere und insgesamt 120 Tierarten. Mit der Leitung des Tierparks wurde in der Aufbauphase Heinrich Dathe, seinerzeit stellvertretender Direktor des Leipziger Zoos, beauftragt. Diese Funktion hatte Dathe bis zu seiner Pensionierung im Dezember 1990 inne.

Das Gelände des Tierparks sowie der Bestand an Tieren und Tierarten wurde über die Jahre sukzessive erweitert. So gab es zu Spitzenzeiten über 10.000 Tiere von insgesamt 1000 Tierarten, welche auf einer Gesamtfläche von 160 Hektar der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Durch die großzügigen Flächen konnte der Tierpark stets den parkähnlichen Charakter wahren, den Tieren großzügige Flächen bieten und sich so von vielen Zoos abgrenzen. Zum Vergleich: Der Zoo Berlin erstreckt sich über eine Fläche von ca. 35 Hektar.

Die neu geschaffene Attraktion wurde von der Bevölkerung Zeit seines Bestehens intensiv genutzt und erreichte eine große überregionale Popularität. Radiosendungen wie „Im Tierpark belauscht“ oder Fernsehsendungen wie der „Tierparkteletreff“ trugen ihren Teil zur Erfolgsgeschichte des Tierparks bei. Auch anderweitig gab es verschiedenste Souvenirs und Darstellungen über den Tierpark Berlin. Der berühmte Karikaturist Erich Schmitt, seines Zeichens begeisterter Tierparkgänger, erschuf diverse Figuren mit starkem Bezug zum Tierpark wie „Ede der Tierparklehrling“, welcher sich damals großer Beliebtheit erfreute. Seine Zeichnungen und Detailstudien aus dem Tierpark veröffentliche er in mehreren Publikationen wie beispielsweise dem Buch „Verschmittzer Tierpark“ aus dem Jahr 1976.

Beliebte Souvenirs waren auch die Broschüren „Wegweiser durch den Tierpark“ welche regelmäßig überarbeitet wurden und meist direkt beim Besuch vor Ort gekauft werden konnten. Zudem gab es vor allem in den 1960er und 1970er Jahren Rollfilme und Diaserien mit den schönsten Ansichten aus dem Berliner Tierpark. In unserem Bestand befindet sich ein Color- Bildband der DEFA Kopierwerke mit dem Titel „Besuch im Tierpark“. Der Rollfilm mit der Nummer 161 war für 4,75 Mark käuflich zu erwerben und kam in der typischen Bakelitdose als Verpackung in den Handel.

 

Die Erfolgsgeschichte und Beliebtheit des Tierparks Berlin ist bis heute ungebrochen. Zum 30 jährigen Bestehen des Tierparks im Jahr 1985 konnte man bereits über 71 Millionen Besucher begrüßen, bis 2010 wurden bereits über 90 Millionen Besucher gezählt. Jährlich zieht die Sehenswürdigkeit weiterhin über 1,2 Millionen Besucher an und gehört damit zu den bedeutendsten Berliner Attraktionen.

 

 

 

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