Der Westen in der Flimmerkiste

Die Sammlung des DDR Museum ist vor Kurzem um ein besonderes spannendes Objekt gewachsen. Es handelt sich dabei um einen selbst gebauten Konverter für den Empfang der Fernsehsender ARD und ZDF – Westfernsehen also und somit für DDR-Bürger zwar gesetzlich nicht verbotene, jedoch von der Staatsführung – zumindest bis in die sechziger Jahre hinein - nur in sehr geringem Maße tolerierte Programme.
von Maria Bartholomäus (14.09.2015)

Die Sammlung des DDR Museum ist vor Kurzem um ein besonderes spannendes Objekt gewachsen. Es handelt sich dabei um einen selbst gebauten Konverter für den Empfang der Fernsehsender ARD und ZDF – Westfernsehen also und somit für DDR-Bürger zwar gesetzlich nicht verbotene, jedoch von der Staatsführung – zumindest bis in die sechziger Jahre hinein - nur in sehr geringem Maße tolerierte Programme.

Da sich das angebotene Fernsehprogramm in der DDR auf zwei Sender (DFF1 und DFF2) beschränkte, war es in vielen Haushalten üblich, mittels verschiedener Techniken den Empfang von Fernseh- sowie Hörfunksendern aus der Bundesrepublik Deutschland sowie anderen westlichen Sendern herzustellen. So wurden Empfangsverstärker, Antennen und Konverter der Marke Eigenbau hergestellt und ermöglichten somit den Konsum von Spielfilmen, Serien, Sportübertragungen aber auch Nachrichtensendungen der westlichen Sender. Je nach Region konnten neben ARD und ZDF auch dritte sowie private Programme, sowjetisches, polnisches, tschechisches Fernsehen oder gar alliierte Sender empfangen werden.

Der Konverter in unserer Sammlung wurde in den sechziger Jahren in einem privaten Haushalt in Wismar hergestellt. Bei der Beschaffung der benötigten Teile gab es durchaus Schwierigkeiten, da der Kauf einer bestimmten Röhre auf den beabsichtigten Nutzungszweck schließen ließ und somit beim Verkaufspersonal für einen nur recht zögerlichen Verkauf sorgte. Der zugrunde liegende Schaltplan ist an der Innenseite des aufgeschraubten Deckels angebracht. Das Gehäuse besteht aus einer Holzkiste und die kleinen Bohrungen darin dienten der Feinabstimmung des zu empfangenden Senders. Das Gerät wurde zwischen Antenne und Fernsehgerät geschaltet, wobei die Antenne aus einer Holzleiste und aufgeschraubten Alu-Stäben bestand. Sie befand sich in einem Mehrfamilien-Mietshaus unter dem Dach, sodass sie von außen nicht zu sehen war und somit der „Westempfang“ geheim bleiben konnte. Das Gerät ermöglichte den Empfang des Senders Eutin, dessen Station sich in Grenznähe befand und die Sender ARD und ZDF übertrug. Über einen einfachen Umschalter, der am Fensterbrett montiert war, konnte man den Antenneneingang auf die Antenne für das DDR-Fernsehen DFF oder auf den Konverter legen.

Auch andere Haushalte in dem Mehrparteienhaus in Wismar verfügten über ähnlich konstruierte Geräte. Nachdem später auch im Einzelhandel entsprechende Konverter verfügbar waren, wurde das selbst gebaute Gerät durch ein gekauftes ersetzt. Laut Spender lief das Produkt der Marke Eigenbau jedoch jahrelang problemlos und „ging nie kaputt“.

Das staatliche Fernsehen der DDR wurde als Resultat des Einigungsvertrags vom 3. Oktober 1990 im Jahre 1991 offiziell abgeschaltet. In den neuen Bundesländern wurden neue ARD-Rundfunkanstalten eingerichtet, welche dann Teile des DDR-Fernsehens übernahmen.

Haben Sie auch Westfernsehen geschaut oder besitzen noch entsprechendes Gerät für den Empfang und würden es uns gerne spenden? Dann freuen wir uns über Post von Ihnen!

 

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