Gedenken

Der Ostsee-Grenzturm in Kühlungsborn

Im Sommer fahren auch heutzutage noch viele Deutsche an die Ostsee und gerade das Ostseebad Kühlungsborn ist sehr beliebt. Wo heute Strandkörbe stehen und die Touristen mit einem Eis die Promenade entlang schlendern, sah es damals zwischen 1961 und 1989 ganz anders aus.
von Valerie Holbein (09.06.2015)

Im Sommer fahren auch heutzutage noch viele Deutsche an die Ostsee und gerade das Ostseebad Kühlungsborn ist sehr beliebt. Wo heute Strandkörbe stehen und die Touristen mit einem Eis die Promenade entlang schlendern, sah es damals zwischen 1961 und 1989 ganz anders aus.

Zwar wurde das Ostseebad auch von Millionen von Touristen bereist, jedoch regelten strenge Gesetze den Badebetrieb, die Übernachtungen, die Meldepflicht und vieles mehr. Die Ostseegrenze war eine streng bewachte. Zwischen 1961 und 1989 war die Grenzbrigade Küste (GBK) in Kühlungsborn stationiert, die an der Küste ein abschreckendes Kontrollsystem errichtete. Insgesamt 27 Grenztürme und über 70 Beobachtungsstellen überwachten die Grenze zum Meer.  

Trotz aller Überwachungsmaßnahmen der GBK aber auch der Polizei und der Stasi, die verdächtige Bürger bereits weit im Landesinnern observierten, versuchten viele DDR-Bürger über das Meer an die 40 km entfernte Küste Schleswig-Holsteins und  Dänemarks zu flüchten. Allein 38 Fluchtversuche sind von Kühlungsborn aus beschrieben. 15 Menschen erreichten das West-Ufer. Viele wurden bereits vorher aufgegriffen und eine unbekannte Anzahl an Flüchtenden überlebte die Flucht nicht.

Der 1973 errichtete See-Grenzbeobachtungsturm (BT 11), neben dem Grenzturm Börgerende einer von zwei heute noch erhaltenen Ostsee-Grenztürmen, wird heute vom gemeinnützigen Verein Grenzturm e.V. als Denkmal und Begegnungsort an die deutsche Teilung betrieben. Neben einer Turmbesteigung sind auch geschichtliche Führungen möglich, außerdem bieten ein „Grenzlehrpfad“ und die sich entwickelnde Dauerausstellung im 2012 errichteten Museumspavillon den Besuchern die Möglichkeit, Grenzgeschichte dort zu erleben, wo sie tatsächlich stattgefunden hat.

Neben dem Grenzturm als Originalschauplatz werden anhand von Zeitzeugenberichten von Flüchtenden und ehemaligen Grenzsoldaten und Originalexponaten die Schicksale der Beteiligten und die alltäglichen Konsequenzen der Ostseegrenze für die Anwohner behandelt. Dazu steht dem Verein ein Archiv mit vielen Berichten, Objekten und Stasiakten mit ausschließlich regionalem Bezug zur Verfügung.

Der Turm kann freitags zwischen 15 und 17 Uhr besichtigt werden. Für Besuchstermine außerhalb dieser Zeiten und bei Interesse an Führungen oder Vorträgen kann man sich mit dem Verein Grenzturm e.V. telefonisch oder per E-Mail in Verbindung setzen.

Sollten Sie also dieses Jahr oder auch in Zukunft an der Ostsee Urlaub machen wollen, planen Sie doch auch einen Besuch im Ostsee-Grenzturm in Kühlungsborn ein. DDR-Grenzgeschichte ist hier am authentischen Ort erlebbar und der Besuch wird Ihren Aufenthalt an der Ostsee sicher bereichern!

Foto: AlterWolf49                                   

 


 

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