Geschichte

Eisenhüttenstadt, die erste „Sozialistische Stadt“ entworfen am Reißbrett

Im Sommer 1950 wurde auf dem III. Parteitag der SED der Beschluss für den Aufbau des Eisenhüttenkombinats Ost gefasst. Für die benötigten Arbeitskräfte wurde eine Wohnstadt nach den 16 Grundsätzen des Städtebaus auf dem Reißbrett entworfen. von Jörn Kleinhardt (17.09.2015)

Im Sommer 1950 wurde auf dem III. Parteitag der SED der Beschluss für den Aufbau des Eisenhüttenkombinats Ost gefasst. Für die benötigten Arbeitskräfte wurde eine Wohnstadt nach den 16 Grundsätzen des Städtebaus auf dem Reißbrett entworfen. Als Ort für das große Bauprojekt wählte man die Niederlausitz, genauer die an der Mündung des Oder-Spree Kanals liegende kleine Stadt Fürstenberg/Oder. Sukzessive entstanden in den frühen 1950er Jahren die ersten Hochöfen des Eisenhüttenkombinates und die ersten Wohnkomplexe der neuen Planstadt, welche aus Anlass des Todes von Josef Stalin am 7. Mai 1953 Stalinstadt genannt wurde. Stalinstadt galt somit in der DDR als erste „Sozialistische Stadt“ und hatte Vorbildcharakter für spätere Bauprojekte. Geplant war der Bau von ursprünglich vier Wohnkomplexen für insgesamt 25.000 Menschen. Diese ersten Wohnkomplexe wurden teilweise im repräsentativen Stil des „Sozialistischen Klassizismus“ gebaut. Mitten durch die neue Stadt verlief die Leninallee, eine breite Magistrale die als Hauptgeschäftsstraße fungierte, aber auch durch den Zentralen Platz am Südende Platz für diverse Massenaufmärsche und Demonstrationen bot.

Da die projektierte Einwohnerzahl von 25.000 bereits im Jahr 1960 erreicht wurde und zahlreiche Erweiterungen des Eisenhüttenkombinates und der benötigten Infrastruktur geplant waren, mussten weitere Wohnkomplexe errichtet werden. Im Gegensatz zur Gründerphase der 1950er Jahre entstanden in der Folgezeit zahlreiche Bauten in Plattenbauweise um den Wohnraumbedarf zu decken. Der Bruch mit dem „Sozialistischen Klassizismus“ hatte vor allem ökonomische Gründe, die Plattenbauweise war durch die industriell vorgefertigten Betonteile günstiger in der Herstellung und es konnte schneller gebaut werden.

Im November 1961 erfolgte im Zuge der Entstalinisierung der Zusammenschluss der Städte Stalinstadt und der ehemaligen Kreisstadt Fürstenberg/Oder sowie die Umbenennung zu Eisenhüttenstadt. Am 19. September 1986 wurde ein Abkommen zur ersten deutsch-deutschen Städtepartnerschaft zwischen Saarlouis und Eisenhüttenstadt unterzeichnet. Im Jahr 1988 erreichte die Wohnbevölkerung Eisenhüttenstadts mit 53.048 Einwohnern den historischen Höchststand. Seitdem schrumpft die Bevölkerungszahl kontinuierlich und erreichte im Jahr 2013 mit 27.205 Einwohnern ungefähr den Bevölkerungsstand aus dem Jahr 1960. Das Eisenhüttenkombinat als größter Arbeitgeber der Stadt wurde nach der Wiedervereinigung grundlegend modernisiert und an private Investoren verkauft. Im Gegensatz zu 16.000 Beschäftigten zu DDR Zeiten arbeiten dort heutzutage etwa 2500 Menschen. Die Wohnstadt des Hüttenwerks im Stil des „Sozialistischen Klassizismus“ bildet derzeit das größte Flächendenkmal Deutschlands.

Zum Thema Stalinstadt/ Eisenhüttenstadt befinden sich zahlreiche Exponate in unserer Sammlung. Unter anderem die Fotomappe „Stalinstadt“ aus dem Jahr 1956. Hergestellt vom VEB Volkskunstverlag Reichenbach enthält die kleine Mappe zahlreiche s/w Fotografien des „Friedrich Wolf Theaters“ und der HO Gaststätte „Aktivist“.

Die Broschüre „Eisenhüttenstadt“  aus dem Jahr 1987 wurde von der DEWAG in Frankfurt/Oder gestaltet und enthält neben einem Stadtplan, kurze Erläuterungen zur Stadtgeschichte und zahlreiche Fotos des öffentlichen Raums der Stadt.

Haben Sie damals in Eisenhüttenstadt gewohnt oder im Eisenhüttenkombinat gearbeitet? Haben Sie eventuell noch Objekte zum Thema? Dann freuen wir uns über eine Kontaktaufnahme.

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