„Dederon, ein Begriff für Qualität“ - Eine DDR-Kunstfaser setzt sich durch

von Maria Bartholomäus (02.07.2015)

Fällt gut, knittert nicht, trocknet schnell und ist vielseitig einsetzbar – mit diesen Attributen lässt sich die Kunstfaser Dederon beschreiben, aus der seit den 60er Jahren in der DDR Oberhemden, Schürzen, Beutel oder Strumpfhosen für die breiten Massen gefertigt wurden.                             

Der Handelsname Dederon, eine Wortschöpfung aus „DDR“ und der Silbe „on“, wurde ab 1959 als Bezeichnung für die Polyamidfaser genutzt. Unter dem Namen Nylon wurde das Material zunächst in den USA als erste vollständig synthetisch hergestellte Faser entwickelt und bereits seit den 30er Jahren in der Textilverarbeitung genutzt. Aufgrund seiner Festigkeit und guten Verarbeitbarkeit wurde Nylon für die Fertigung von  Fallschirmen, Zahnbürsten und Damenstrumpfhosen genutzt. Als die Polyamidfaser nach Ende des Zweiten Weltkriegs unter dem Namen Perlon durch die I.G.-Farbenindustrie AG auch in der Bundesrepublik Deutschland vertrieben wurde, schuf man schließlich die DDR-Alternative Dederon, welche fortan immer mehr an Beliebtheit gewann. Seit den 60er Jahren wurde in der DDR zunehmend in die Chemie-Industrie investiert, sodass chemische Produkte immer mehr Einzug in den Alltag der Bürger hielten. Die Dederon-Fasern wurden unter anderem im VEB Chemiefaserkombinat „Wilhelm Pieck“ in Rudolstadt-Schwarza oder im VEB Chemiefaserwerk Herbert Warnke in Wilhelm-Pieck-Stadt Guben hergestellt.

Zunächst wurden aus Dederon ausschließlich hochwertigere Kleidungsstücke geschneidert. Als dann die Faser durch die Massenproduktion günstiger wurde, wurde der farbenfrohe und praktische Kunststoff in verschiedenen Bereichen eingesetzt. Sowohl im privaten Rahmen als auch im Arbeitsleben war beispielsweise die berühmte Kittelschürze ein beliebter Begleiter: Ob in geblümten Mustern für die fleißige Hausfrau und die Konsum-Verkäuferin oder in schlichtem Weiß für den Arzt in der Poliklinik. In dem Buch „Chemie für uns“ aus dem Jahre 1961 heißt es dementsprechend „in Form der hauchzarten Damenstrümpfe und der duftigen, farbenfrohen Gewebe haben die Polyamidfasern nicht nur wegen ihres bezaubernden Aussehens die Herzen ihre Träger gewonnen“. Die verschiedenen Ausführungen umfassten Modelle mit und ohne Ärmeln, vorder- oder rückseitigen Knopfleisten und verschiedenen Längen. Die Kittelschürze war ein universelles Kleidungsstück, das in kaum einem DDR-Kleiderschrank fehlte und sowohl von Frauen als auch Männern getragen wurde. In unserer Sammlung befinden sich Exemplare in verschiedenen Ausführungen, in Blau und fast bodenlang zum Einsatz bei der Arbeit oder geblümt und ärmellos für die Hausarbeit.

Ein weiteres beliebtes Kunstfaserprodukt war der Einkaufsbeutel aus Dederon. Raumsparend zusammen gefaltet war er immer einsatzbereit, um mühsam besorgte Lebensmittel oder zufällig erstandene Schnäppchen sicher nach Hause zu transportieren. Auch davon haben wir eine Vielzahl an Exemplaren in unserer Sammlung.

Dederon ist wie Rotkäppchen Sekt oder Halloren Kugeln eines der wenigen Ost-Produkte, welches auch nach der Wiedervereinigung weiter produziert wird. So gibt es beispielsweise ein kleines Familienunternehmen im Vogtland, welches nach wie vor Kittelschürzen, Beutel und Klammerkleider herstellt und online an kleinere Textilläden vertreibt. Qualität setzt sich eben durch.

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