Aufbruch nach Utopia Teil 3

von Jörn Kleinhardt (05.03.2015)

Heute setzen wir unsere Blogreihe „Aufbruch nach Utopia“ am Beispiel der Zeitschrift „Jugend und Technik“ fort. Wie die bereits letzte Woche vorgestellte Buchreihe „Urania Universum“ behandelte die Zeitschrift „Jugend und Technik“ populärwissenschaftliche und technische Themen. Im Gegensatz zu den Publikationen des Urania Verlages, richtete sich die Zeitschrift wie der Name schon vermuten lässt, eher an jugendliche Leser. Als Herausgeber fungierte dementsprechend der Verlag Junge Welt und der Zentralrat der FDJ. Erstmalig erschien die Zeitschrift im Jahr 1953 und wurde bis zur Wiedervereinigung im Monatsrhythmus  herausgegeben. Nach der Wiedervereinigung versuchte man erfolglos das Format unter dem veränderten Namen „Vision und Technik“ auf dem gesamtdeutschen Markt zu etablieren.

Aber gehen wir zurück in die 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts, den Zeitraum in dem der Fortschritts- und Technikglaube der Menschen immens hoch waren. Verständlich, steht dieser Zeitraum für zahlreiche Neuerungen auf dem Gebiet der Wissenschaft und Technik wie beispielweise den ersten Passagierflugzeugen mit Strahltriebwerken, Satelliten wie dem Sputnik, neuartiger Radar- und Kommunikationstechnik oder den ersten Industrierobotern.

Viele dieser neuen Innovationen wurden in der Zeitschriftenreihe näher erläutert und gaben Anlass zu utopischen Spekulationen. Wie konnte existierende Technik die Welt von morgen gestalten? Wie stellte man sich die Lebenswirklichkeit im 21. Jahrhundert vor?

Gerade in den 1960er Jahren versuchten die Autoren der „Jugend und Technik“ Zukunftsvisionen in Bilder zu fassen. Viele Zeitschriften dieses Zeitraumes enthalten Illustrationen und Visionen, wie „die Welt von morgen“ aussehen könnte. Zwei interessante Beispiele möchte ich Ihnen heute näher vorstellen.

Die Doppelseite der Januarausgabe des Jahres 1966 zeigt den Entwurf fliegender Häuserfabriken von den Autoren „Autoimme“ genannt. Auf der nachfolgenden Seite ist die Illustration von Zeichner Hans Räde erläutert. So sollte es in der Zukunft möglich sein, mit Hilfe der „Autoimme“ ein Haus mit 13 vorgefertigten Geschossen in nur acht Tagen Bauzeit zu errichten. Die sechseckigen Fabrikaufbauten werden von sechs Rotoren angetrieben und fungieren gleichzeitig als Kran, Montagegebäude und Unterkunft für die Bauarbeiter.

In der Märzausgabe 1967 greifen die Autoren das Thema „Die LPG im XXI. Jahrhundert“ auf. Die Illustration zeigt ein großes futuristisch anmutendes LPG-Gebäude, welches durch große Glasflächen sehr transparent gestaltet ist und verschiedene geometrische Formen vereint. Auf dem Dach des kleineren Turms ist ein Raketenflugzeug zu erkennen, direkt vor dem Gebäude befindet sich ein Verkehrsweg, welcher für Lieferzwecke gedacht ist. Vordergründig ist ein großes Viadukt zu sehen. Auf diesem befinden sich mehrere Spuren die von Autos und Schienenfahrzeugen genutzt werden.

Beide Entwürfe verstehen sich als Fiktion und konnten natürlich nicht umgesetzt werden. Das Land in dem diese Visionen des 21. Jahrhunderts entstanden, ging 10 Jahre vor besagtem Jahrhundert im wiedervereinigten Deutschland auf.

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