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"Tod durch fremde Hand" - Die Familiengeschichte eines Maueropfers

Das Buch "Tod durch fremde Hand" schildert die Familiengeschichte des Maueropfers Günter Litfin. von Melanie Alperstaedt (03.08.2017)

Menschen die an der Mauer gestorben sind, können ihre eigene Geschichte nicht mehr erzählen. In dem vorliegen Buch, einem Neuzugang unseres Museumsshops, übernimmt diese verantwortungsvolle Aufgabe der Bruder des ersten Opfers der Berliner Mauer. Jürgen Litfin ist der Autor des Buches und sein Bruder Günter Litfin wurde am 24. August 1961 bei einem Fluchtversuch im Humboldt-Hafen in Berlin Mitte erschossen. Die Mauer, meist noch provisorisch, gab es zu diesem Zeitpunkt seit 11 Tagen. Die Todesursache laut Totenschein war „Tod durch fremde Hand. Hals- und Mundboden-Durchschuss, verbunden mit Ertrinken“. 

Das Buch schildert die abwechslungsreiche Geschichte der Familie Litfin durch das 20. Jahrhundert hindurch. Dabei geht es auch um Günter Litfin und die Umstände seiner Flucht, jedoch nicht nur. Auch die Repressalien der Stasi, welche die Familie erleiden musste, werden ausführlich in dem Buch behandelt. So wurde der Autor ebenfalls im Laufe seines Lebens von der Stasi inhaftiert, von der Westdeutschen Regierung freigekauft und startete dann ein neues Leben in Westberlin. So nah und doch so weit entfernt von seiner Familie.

Dabei nutzt der Autor, Jürgen Litfin, nicht nur seine eigenen Erinnerungen, sondern auch unterschiedliche Quellen wie z.B. die BStU, das Landesarchiv Berlin oder das Berliner Forum für Geschichte und Gegenwart. Ergänzt werden die acht Kapitel des Buches (Kindheit, Jugendjahre, Die „Grenzsicherungsmaßnahmen“, Versuch der Normalität, Die Realität holt mich ein, Wieder in „meiner“ Stadt, Das Vermächtnis, Anhang) durch zahlreiche Dokumente und unterschiedliche Familienfotos.

Das Buch ist meiner Meinung eine spannende aber auch traurige Möglichkeit, einen sehr persönlichen Einblick in die Vergangenheit einer Familie in der DDR zu erhalten. Es schildert kein Einzelschicksal - dazu gab es zu viele Maueropfer. Aber es ist trotzdem eine besondere Geschichte, die es sich meiner Meinung nach zu lesen lohnt.


Es ist seit heute für 9,95 € auch im Museumsshop des DDR Museum erhältlich.

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