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Das Comic „Grenzfall“ aus dem avant-verlag

Wir haben diesen Comic bereits einige Zeit bei uns im Museumsshop, allerdings hatte ich bisher mir noch nie die Zeit genommen, einen Blick hineinzuwerfen. Als ich jedoch vor einiger Zeit eine Rezension über das Comic „drüben!" von Simon Schwartz schrieb, machte mich meine Kollegin auf ein weiteres Comic aus dem gleichen Verlag aufmerksam: „Grenzfall" von Thomas Henseler und Susanne Buddenberg.
von Melanie Alperstaedt (10.01.2012)

Wir haben diesen Comic bereits einige Zeit bei uns im Museumsshop, allerdings hatte ich bisher mir noch nie die Zeit genommen, einen Blick hineinzuwerfen. Als ich jedoch vor einiger Zeit eine Rezension über das Comic „drüben!" von Simon Schwartz schrieb, machte mich meine Kollegin auf ein weiteres Comic aus dem gleichen Verlag aufmerksam: „Grenzfall" von Thomas Henseler und Susanne Buddenberg.

„Grenzfall" schildert Episoden aus dem Leben des jungen Peter Grimm und basiert dabei auf wahren Gegebenheiten. Denn Peter Grimm und die in der DDR illegale, regimekritische Zeitung „Grenzfall" sind keine ausgedachten Details, sondern direkt aus dem Leben gegriffen.


Alles beginnt 1982: Der Schüler Peter Grimm ist ein kritisch denkender junger Mann, der in der DDR mit der Staatsmacht in Konflikt gerät. Durch die Familie Havemann lernt er neue Freunde kennen, die sich wie er nach Meinungsfreiheit und Demokratie sehnen. Peter wird wegen seiner „moralisch-charakterlichen Grundhaltung" von der Schule geworfen, was ihn jedoch nicht daran hindert, den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen. Zusammen mit anderen Oppositionellen gibt er die selbstgedruckte Zeitung „Grenzfall" heraus, in der über gesellschaftliche Probleme berichtet wird.

Die Geschichte ist geprägt durch die ständigen Repressionsversuche der Staatssicherheit, die ihr Ziel jedoch nicht erreichen. Mutige, kritisch denkende und teilweise bekannte DDR-Oppositionelle spielen in diesem Comic die Hauptrolle. Immer wieder sieht man in den Zeichnungen die Namen der dargestellten politisch engagierten Personen, so dass man den gemeinsamen Kampf gegen die Versagung der Menschenrechte und die Zusammenarbeit der verschiedenen Oppositionellen gut nachvollziehen kann. Wer kannte wen, wer half in welcher Situation und wo traf man sich. Welche Rolle spielte die Kirche dabei, wie intervenierte die Staatssicherheit und geht das alles gut aus? Alles Fragen, auf die dieses Buch eine Antwort gibt.

Peter Grimm hat laut den Autoren durch seine Bereitschaft Fragen zu beantworten das Comic erst möglich gemacht. Es bietet dadurch interessante und detailreiche Einblicke in seine Vergangenheit. Weiterhin wurden Interviews mit Katja Havemann, Ralf Hirsch, Wolfgang Rüddenklau, Tom Sello und dem Pfarrer Hans Simon geführt. Historisch beraten wurden die beiden Autoren dabei von Dr. Christian Halbrock, der auch schon einige Veranstaltungen in unserem Hause durchgeführt hat.

Ich kann dieses Buch eigentlich jedem empfehlen. Es ist für Jugendliche, aber auch für Erwachsene unterhaltsam und lehrreich. Nebenbei lernen Sie bei der Lektüre einige der bekannten Oppositionellen der DDR kennen und können dann bei Interesse an der Geschichte dieser Menschen aus anderen Quellen schöpfen.

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