Für Sie gelesen

Geisterbahnhöfe. Westlinien unter Ostberlin.

Geisterbahnhöfe?! Noch nie gehört? Dann empfehle ich Ihnen folgendes Buch... von Melanie Alperstaedt (08.11.2017)

Irgendwann zwischen 1985 und 1989: Die U-Bahn wurde merklich langsamer und fuhr dann vorsichtig durch einen unbekannten, verfallenen Ort. Es war recht dunkel und man sah nicht viel, aber das was man sah, sah für mich als Kind unheimlich-verlassen aus. Was war ich froh, dass die U-Bahn dort nicht hielt!

Geisterbahnhof - Was war das?

In Berlin gab es während der Teilung 15 unterirdische Bahnhöfe, die auf dem Gebiet von Ostberlin lagen. Die Züge, die von Westberlin aus unter dem Gebiet von Ostberlin hindurchfuhren passierten diese sogenannten „Geisterbahnhöfe“ langsam, hielten dort aber nicht. Für mich als Westberliner Kind war es immer ein kleines Abenteuer, von der Sicherheit im Zug aus diese verfallenen dunklen Bahnhöfe mit kindlicher Neugier zu betrachten. Damals verstand ich noch nicht, was die Geisterbahnhöfe verkörperten oder für was sie standen.

Inhalt des Buches

Das Buch „Geisterbahnhöfe. Westlinien unter Ostberlin“ widmet sich auf 149 Seiten den Geisterbahnhöfen in Berlin. Der Fotograf Michael Richter hatte die einmalige Möglichkeit, Ende 1989 seltene Fotos von diesen „Lost Places“ zu machen. 2008 ist er dann zurückgekehrt an diese Orte und hat aus der gleichen Perspektive neue Fotos angefertigt. Ergänzt werden die interessanten Fotos durch Texte von Heinz Knobloch und zahlreiche Interviews mit Zeitzeugen von Thomas Wenzel.

Eine gelungene Mischung

Die Autoren und der Fotograf ermöglichen dem Leser durch „Geisterbahnhöfe“ eine heute nur schwer vorstellbare Situation zu verstehen. Die Zeitzeugeninterviews vermitteln interessante Details und die Bilder sind definitiv etwas für „Lost Place“ – LiebhaberInnen! Für mich als Berlinerin war es natürlich auch besonders spannend, schwammigen Erinnerungen durch Fakten, Bilder und Zeitzeugenberichte zu ergänzen.

„Geisterbahnhöfe. Westlinien unter Ostberlin“ ist im Christoph Links Verlag erschienen und gehört mit einem Preis von 30€ eher zu den kostenintensiveren Büchern. Wenn Sie sich nicht daran stören, dass das Buch bereits 2008 erschienen ist, kann ich Ihnen diese Mischung aus Text, Bild und Erinnerung wärmstens empfehlen.

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