Für Sie gelesen

Frauen in der DDR

Wir rezensieren in diesem Artikel das Buch "Frauen in der DDR" von Anna Kaminsky.
von Elke Sieber (24.03.2016)

Anna Kaminsky: Frauen in der DDR, Erfurt 2014.

Anna Kaminsky ist in der DDR aufgewachsen, studierte an der Universität Leipzig Theoretische und Angewandte Sprachwissenschaften und promovierte 1992. Seit 1998 widmet sie sich bei der Bundesstiftung Aufarbeitung der DDR-Geschichte. Insbesondere legt sie ihre Schwerpunkte auf Alltagskultur, Erinnerungskultur und –orte der DDR-Geschichte.

Kaminsky schreibt in diesem Buch über die Frauen in der DDR und wie sie ihren Alltag behaupteten. Dabei geht sie insbesondere auf die Rollenbilder, die gelebt und die vom Staat vorgesehen waren, ein sowie auf die gesetzliche Gleichberechtigung der Geschlechter hinsichtlich Anspruch und Wirklichkeit.

Die Anfangsjahre der DDR

Kaminsky schreibt, die meisten Frauen der Gründerzeit der DDR seien in der Weimarer Republik sozialisiert worden und hätten damit bereits eine Liberalisierung in der Frauenfrage erlebt. Schon in der Weimarer Verfassung waren Frauen gleichberechtigt als Bürger und in der Ehe. Bereits 1925 waren 35,6 % berufstätig, allerdings nur mit Genehmigung des Ehemanns.

Im Nationalsozialismus wurden die Frauen aus dem öffentlichen und beruflichen Leben wieder zurückgedrängt. Doch mit Ausbruch des Krieges änderte sich dies erneut. Frauen wiesen deshalb nach dem Krieg einen hohen gesellschaftlichen Organisationsgrad auf, da sich verschiedenste Formen von nationalsozialistischen Frauenvereinen gegründet hatten. Die Sowjetunion war zwiegespalten, ob diese Strukturen nutzbar für die Durchsetzung der kommunistischen Ideologie waren. Der Demokratische Frauenbund Deutschlands, der 1947 gegründet wurde, nutze aber dann eben dieses Potenzial, um ein Klassenbewusstsein herauszubilden. Frauenorganisationen anderer Parteien wurden hingegen verboten.

Die Trümmerfrauen der Nachkriegszeit hatten, so Kaminsky, das alltägliche Überleben zu sichern sowie die Familie zusammenzuhalten. Sie machten sich daran die Städte aufzuräumen und die Infrastruktur und die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Dies alles in großer Not und Angst vor den sexuellen Übergriffen durch die sowjetischen Soldaten. Dennoch schuf diese „Überlebensarbeit“ den Frauen ein neues Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen der Frau.

Nachdem in der DDR zudem ein Mangel an Arbeitskräften vorherrschte und die Wirtschaft brach lag, wurde die Chance genutzt, die Frauen ins Arbeitsleben zu integrieren. Das Leitbild der vollberufstätigen Mutter wurde fortan propagiert sowie die ökonomische Befreiung der Frau als Grundpfeiler der Emanzipation. Die rechtliche Gleichstellung ermöglichte dann auch die flächendeckende Erwerbstätigkeit der Frau, jedoch hielt die SED die Frauenfrage mit dieser Eingliederung in den Arbeitsprozess für gelöst. Dass alte Rollenbilder fortbestanden und neue Probleme entstanden schildert Kaminsky in den nächsten Kapiteln.

Frauen im Beruf

Sie erläutert, dass zwar gleicher Lohn für gleiche Arbeit postuliert wurde, die Realität allerdings anders aussah. Frauen waren zudem selten in den gutbezahlten Führungspositionen anzutreffen, - sondern im Gegenteil – sie ordneten ihre Karriere der des Mannes unter. Zusätzlich wollten sie den Druck, der sowieso bereits durch eine Mehrfachbelastung durch Haushalt, Erziehung und Arbeit auf ihnen lastete, nicht durch mehr berufliche Verantwortung erhöhen. Somit hatten Frauen oft schlechtbezahlte untergeordnete Anstellungen und waren zumeist im Dienstleistungssektor anzutreffen. Doch auch bei entsprechender Qualifikation blieben sie häufig auf den alten Posten. Es fehlte häufig auch ein Vertrauen in die Fähigkeiten der Frau. Zumal sie beispielsweise in den Medien als schwaches Geschlecht, das Anleitung von ihrem Mann braucht, dargestellt wurde.

Kaminsky führt ferner aus, dass die Teilzeitarbeit oder auch das Hausfrauendasein politisch wenig akzeptiert waren, sondern ein Mitwirken in Arbeit und Gesellschaft gefordert wurde. Wichen die Lebensmodelle von der Parteilinie ab, wertete man die Lebensmodelle als spieß- oder kleinbürgerliche Außenseiter ab oder sprach sogar von Faulenzern oder Schmarotzern.

Die Arbeiterin war Symbolfigur für die Frau, die Arbeit, Familie und Haushalt unter einen Hut brachte, und das schon seit mehr als einem Jahrhundert. Die Integration der Frau in typische Männerberufe, wie solche in der Industrie, wurde ebenfalls regelrecht propagiert. Der Frauenanteil in diesen Berufen blieb allerdings begrenzt.

Die Autorin beschreibt jedoch, dass die ideologisch begründeten Propagandaversuche, um Mann und Frau von der Berufstätigkeit der Frau zu überzeugen, nicht gänzlich ankamen. Deshalb ging es in den Botschaften bald nicht mehr darum, den Sozialismus aufzubauen, sondern darum, dass eine Berufstätigkeit beider Ehepartner bedeutete, sich etwas leisten zu können. Außerdem wurden das Warenangebot, das durch die wirtschaftliche Leistungskraft höher würde, angepriesen und angemerkt, dass durch Sozialleistungen, neue Einkaufsmöglichkeiten und Arbeitserleichterungen im Haushalt keine Einbußen in der häuslichen Bequemlichkeit zu erwarten wären. Jedoch traten Anspruch und Wirklichkeit hier weit auseinander. Die Erleichterungen ließen dank Mangelwirtschaft auf sich warten, Frauen gingen nach der Arbeit einer weiteren Vollbeschäftigung aus Kindererziehung, Haushalt und Versorgung der Familie nach und die alten Rollenbilder verhinderten eine umfassende Unterstützung durch den Partner. Dem versuchte man zwar teilweise durch Werbemaßnahmen in den 70ern entgegenzuwirken, grundsätzlich wandelte sich die Lage jedoch nicht.

1988 waren dann tatsächlich über 90 % der Frauen berufstätig! Nun stand man in den 80er Jahren vor einem ganz neuen Problem: die Arbeitsplätze wurden knapp. Die sozialen Erleichterungen für die Frau, wie das dichte Kinderkrippennetz, wo ein Kind ab der 6. Woche in staatliche Obhut gegeben werden konnte oder auch der Haushaltstag blieben erhalten. Das Babyjahr wurde nun aber in den 80er Jahren erweitert auf das erste Kind. So konnte eine Mutter nun schon beim ersten Kind ein Jahr bei ihrem Baby zuhause bleiben bei 70 % der eigentlichen beruflichen Entlohnung. Das Zuhausebleiben für die Krankenpflege der Kinder wurde sogar voll entlohnt.

Kaminsky geht noch auf viele weitere Sozialleistungen und Propagandamaßnahmen ein und betrachtet weitere Berufssparten und ihre „Frauenquote“. Des Weiteren behandelt sie das Rollenbild der Frau eingehender und untersucht insbesondere für den Bereich Mode, welches offizielle Frauenbild vermittelt wurde. Selbstverständlich fehlen auch die Themen Selbstbestimmungsrecht und Schwangerschaftsabbruch sowie Familienplanung nicht. Einen Abschluss bildet ein genderspezifischer Einblick in die Opposition von 1989.

Wenn Sie neugierig geworden sind, finden Sie das Buch bei der Stiftung Aufarbeitung unter folgender ISBN 978-3-943588-26-2 für nur 2,00 EUR.

 

Bild: Bundesarchiv, Bild 183-U0117-0014


 

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