Musikgeschichte

Das Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen

Markneukirchen, im oberen Vogtland gelegen, weißt eine 350-jährige Tradition im Musikinstrumentenbau auf. Hier wurden und werden sämtliche Orchesterinstrumente, aber auch Gitarren, Mundharmonikas, Akkordeons und elektronische Musikinstrumente gebaut. Das brachte der Region den Namen „Musikwinkel“ ein. von Sören Marotz (18.07.2017)

Vorzeigemuseum der DDR

Zur Gründung der DDR im Jahr 1949 bestand das Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen bereits 66 Jahre. Damit zählt es zu den ältesten Sammlungen seiner Art und gilt als das älteste Musikinstrumentenmuseum Deutschlands. Ursprünglich als Gewerbemuseum eingerichtet, vollzog das Museum ab den 1950er Jahren eine rasante Entwicklung. Sammlungs- und Forschungsaktivitäten intensivierten sich, nicht zuletzt durch das Wohlwollen staatlicher Institutionen und Akteure. Schenkungen aus dem In- und Ausland erweiterten den Sammlungsbestand. Auch stiegen die Besucherzahlen stetig an. Besuchten im Jahr 1959 über 50.000 Gäste das Museum, waren es 1973 bereits mehr als 100.000 Besucher aus nah und fern. Auch Prominente aus Politik und Gesellschaft wie Otto Grotewohl und Sigmund Jähn fanden den Weg in die Ausstellung. Nach einer umfassenden Neugestaltung kam 1988 eine Delegation westdeutscher SPD-Politiker, unter ihnen Hans Jochen Vogel und Gerhard Schröder ins Museum, das zu dieser Zeit als ein Vorzeigemuseum auf dem Territorium der DDR galt und bis heute eine Strahlkraft weit über die Region hinaus genießt.

VEB Klingenthaler Harmonikawerke

Die wenige Kilometer entfernten VEB Klingenthaler Harmonikawerke bauten neben „Weltmeister“-Akkordeons, „Bandmaster“-Triolas, „Regent“-Verstärkern und zahlreichen Mundharmonika-Modellen, im nahegelegenen Schöneck auch elektromechanische Tasteninstrumente wie Orgeln und Pianos, später auch elektronische Synthesizer, die zumindest in den späten 50er und frühen 60er Jahren den Vergleich mit berühmten Herstellern aus dem Westen, wie Moog, Fender und Wurlitzer, nicht zu scheuen brauchten. Die Verstaatlichung privatwirtschaftlich agierender, kleiner bis mittelständischer Betriebe, die sich oftmals über Generationen in Familienbesitz befanden, führte ab 1953 zu einer zentralisierten Produktionsweise unter dem Banner der VEB Musima Markneukirchen, wo fortan bis zu 1260 Mitarbeiter beschäftigt waren. Obwohl die "Musima" nach 1989 den Sprung in die neue Zeit geschafft hatte, musste deren Nachfolger 2003 dennoch Konkurs anmelden.

Gastbeitrag von Stefan Hindtsche

P.S. Wir danken Stefan Hindtsche, dem stellvertretenden Leiter des Musikinstrumenten-Museums Markneukirchen für diesen Artikel.

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