Musikgeschichte

Rockmusik in der DDR

„Niemand in unserem Staate hat etwas gegen eine gepflegte Beatmusik.“ Irgendwie erinnert der Honecker-Satz über die „gepflegte Beatmusik“ an das „gepflegte Bier“ aus dem Zapfhahn in der Eckkneipe. Nun lässt sich weder das Bier, noch die Beatmusik pflegen. von Sören Marotz (21.07.2015)

„Niemand in unserem Staate hat etwas gegen eine gepflegte Beatmusik.“ Irgendwie erinnert der Honecker-Satz über die „gepflegte Beatmusik“ an das „gepflegte Bier“ aus dem Zapfhahn in der Eckkneipe. Nun lässt sich weder das Bier, noch die Beatmusik pflegen. Vielmehr wollte Erich Honecker gegenüber der Jugend auf Schmusekurs gehen, schließlich fühlte er sich als ehemaliger Vorsitzender der FDJ der Berufsjugendlichkeit verpflichtet.

Walter Ulbricht, sein Vorgänger, war von der Pflegbarkeit der Beatmusik nicht überzeugt. Auf derselben Veranstaltung (11. Plenum des ZK der SED im Dezember 1965) zerlegte er die bis dahin florierende Beatszene der DDR waidgerecht: „Ich bin der Meinung, Genossen, mit der Monotonie des ‚yeah, yeah, yeah‘ und wie das alles heißt, sollte man doch Schluss machen. (...) Ist es denn wirklich so, dass wir jeden Dreck, der vom Westen kommt, kopieren müssen?“. Danach war einige Jahre Sendepause für die Jungs.

 

Ab 1970 gab es wieder einen Aufschwung, diesmal mit deutschen Texten. Er hielt bis zur Krise der traditionellen DDR-Rockmusik Ende der achtziger Jahre an. Diese Krise hing wesentlich mit der beginnenden Implosion des Landes zusammen, wobei die Ursachen zum Teil auch hausgemacht waren. Sobald sich Rockmusiker in ein bestimmtes Schema eingeordnet hatten, gab es feste Gagen für die „Muggen“. Entscheidend für deren Höhe war die „Einstufung“ (Spielberechtigung). Dieses an sich aberwitzige System, das die Instrumentenbeherrschung und nicht etwa den Erfolg beim Publikums bewertete, sorgte für eine böse Diskrepanz: „Die Bombastjauler Elektra z.B. spielten im Berliner Kulturpark vor dreißig Zuschauern für weit mehr als 7000 Mark, während Konzerte von ‚Die Anderen‘ und ‚Die Art‘ immer überfüllt waren ...“ schrieb Heinrich Hecht 1999 in der Tageszeitung „Junge Welt“ und bezog sich damit auf die endachtziger Jahre. Hier entstand parallel zu den etablierten Altrockern eine neue Szene, die sich nicht integrieren lassen wollte. „In beiden Lagern wurde sich totgemuggt ... Westbands purzelten nach der Wende ins Essen, wenn ihnen Zwanzigjährige erzählten, sie hätten 1500 Konzerte absolviert ...“ schrieb Hecht dazu weiter.

Mehr zum Thema

Tickets ohne Warteschlange ab € 5,50   Jetzt kaufen