Musikgeschichte

Stromgitarren in der DDR - die E-Gitarren der „MUSIMA“

Mittelpunkt des E-Gitarrenbaus der DDR war Markneukirchen mit dem "VEB Musikinstrumentenbau Markneukirchen" (MUSIMA). Die realsozialistische Modellflut war, zumindest in den 1960er Jahren, ähnlich groß wie im wirtschaftsbewunderten Westen.
von Sören Marotz (05.03.2015)

Mittelpunkt des E-Gitarrenbaus der DDR war Markneukirchen mit dem "VEB Musikinstrumentenbau Markneukirchen" (MUSIMA). Die realsozialistische Modellflut war, zumindest in den 1960er Jahren, ähnlich groß wie im wirtschaftsbewunderten Westen. Anders als bei den akustischen Gitarren oder den Geigen, wo die handwerkliche Produktion immer eine bedeutende Rolle spielte, wurde die E-Gitarrenproduktion der MUSIMA 1967 in einen DDR-Zweckbau am Stadtrand von Markneukirchen verlegt, der das Hauptgebäude des volkseigenen Betriebes darstellte. Bis dahin produzierte man bereits in einem unscheinbar wirkenden Wohnhaus im Zentrum von Markneukirchen.

Die beschauliche Kleinstadt Markneukirchen im Vogtland war im östlichen Teil Deutschlands das Zentrum des Musikinstrumentenbaus. Die Stadt ist seit Jahrhunderten vom traditionellen Instrumentenbau geprägt. 1953 erfolgte die Gründung des "VEB Musikinstrumentenbau Markneukirchen" (MUSIMA). Hier wurden, neben vielen anderen Musikinstrumenten, seit den sechziger Jahren E-Gitarren in Serie hergestellt. Instrumentenverstärker und sonstige Bühnentechnik wurden in erster Linie im „VEB Vereinigte Mundharmonikawerke“ (VERMONA) in Klingenthal gebaut.

Die Vielfalt der Baureihen und Modellbezeichnungen mag anfangs Erstaunen hervorrufen. Bei näherer Betrachtung zeigt sich aber, dass die Unterschiede zwischen den Modellen oft marginal waren und schon geringe Ausstattungsänderungen zu neuen Bezeichnungen führten. Bundesdeutsche Firmen wie HÖFNER oder FRAMUS agierten da nicht anders. Einzelne Modelle konnten sich, von Ausnahmen abgesehen, nur schwer etablieren. So sind die MUSIMA-Modellreihen Elektra, Elektrina, Eterna, Elgita oder Record meist nur Insidern bekannt.

Ein wenig besser sieht es mit den zuletzt produzierten Modellreihen aus. Kurt Fiedel, letzter Betriebsdirektor der MUSIMA, stellte Ende der achtziger Jahre die Serien „Lead-Star“, „Action-Bass“ sowie die sogenannte „Heavy“ Modellreihe vor. Speziell die „Lead-Star“ ist heute noch ab und an in Proberäumen zu finden, zog doch hier die Qualität noch einmal an. Zuvor wurden vor allem klobige Hälse, unsauber verarbeitete Bundstäbe sowie nicht stimmstabile Mechaniken bemängelt. Ob die insgesamt niedrige Qualität eine prinzipielle Folge der „volkseigenen Produktionsweise“ oder des geringen staatlichen Interesses für E-Gitarren war, ist sicher in hohem Maß Spekulationssache. Die Frage, ob die Instrumentenbauer nicht wollten, nicht konnten oder nicht durften, ist aber letzten Endes so müßig wie die Klage darüber, dass der Trabant die Werkhallen in Zwickau zuletzt schon als Oldtimer verließ.

Direkt nach der Währungsunion im Sommer 1990 führte vor allem das Wegbrechen der Märkte im Osten zu einer schnellen Auflösung des E-Gitarrenbaus im Vogtland. Zum Teil konnte auf andere Produktion umgestellt werden. So brachte es die neue Situation am heimischen Markt mit sich, dass in Schöneck nun Satellitenanlagen statt Musikinstrumente hergestellt wurden.

Wer heute nach Spuren der DDR-Stromgitarrenproduktion im vogtländischen Musikwinkel sucht, wird wahrscheinlich wenig Erfolg haben oder bei FRAMUS-Gitarren und WARWICK-Bässen im Gewerbegebiet in Markneukirchen landen. Der Traditionsbetrieb aus dem Fränkischen siedelte sich nach der Wende an, ohne an die DDR-Produktion und lokale Strukturen anzuknüpfen. Das Hauptgebäude der MUSIMA in Markneukirchen steht nicht mehr, die Produktion von akustischen Gitarren wurde schon 2003 eingestellt, da die MUSIMA Bärwinkel KG als letzter Nachfolger Konkurs anmelden musste.

Eine Sammlerszene, wie es sie in der alten Bundesrepublik gab, war in der DDR nicht auszumachen, da die spielbereiten Instrumente selten ungenutzt blieben. Im Musikinstrumentenmuseum Markneukirchen können die dort vorhandenen E-Gitarren leider nicht gezeigt werden. So bleiben nur einzelne museale Sonderausstellungen wie 2003 eine IBANEZ-Ausstellung im Technischen Landesmuseum Schwerin oder 2004 die große Wanderausstellung „STROMgitarren“, welche in Mannheim, Berlin (im Deutschen Technikmuseum) und in Bern (Schweiz) gezeigt wurde. Dieser Beitrag stützt sich zum Teil darauf. Die Ausstellung "E-Gitarren aus dem Vogtland" zeigte 2005 anlässlich des Tanz- und Folkfestes in Rudolstadt einen repräsentativen Querschnitt ostdeutscher E-Gitarren, ohne dabei Vollständigkeit zu erreichen.

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