Ein DDR Bürger im Westen

"Danke Erich!"

Von Ostberlin nach Westberlin mit der Hilfe von Erich Honecker? Herr H. hat genau das erlebt, dem DDR Museum seine Geschichte erzählt und zusätzlich einige Objekte für die Sammlung überlassen. von Nina Krasemann (31.07.2017)

Zu Gast bei Spendern

Blankenburg: Familie H. hat uns, das Team aus der Sammlung des DDR Museum, zu sich eingeladen. Das Grundstück ist wunderschön und lädt zum Verweilen auf der Hollywoodschaukel ein. Mehr als 50 Jahre lebt das Ehepaar schon hier. Doch was hat das mit uns zu tun? Ganz einfach: Familie H. wird umziehen, sich verkleinern und die zahlreichen Überbleibsel aus der DDR, die sich in den letzten Jahrzehnten angesammelt haben sollen erhalten werden. 

Hinter dem Rücken der Volkspolizei

Bevor wir überhaupt auf die Objekte zu sprechen kommen, bietet man uns Kaffee, Wasser und Kekse an. Während wir trinken und essen, präsentiert Herr H. stolz seine DDR-Artefakte. Einige Objekte, die in unserer Sammlung noch fehlen, nehmen wir gerne an, andere müssen wir leider ablehnen. Dann fällt uns ein Dankesschreiben an Erich Honecker in die Hände. Was es damit auf sich habe, wollen wir wissen. 

Also beginnt Herr H. zu erzählen: 1981 lag sein Vater in Westberlin nach einem Herzinfarkt im Krankenhaus. Natürlich wollte Herr H. hinüber, um ihn zu besuchen, doch man verweigerte ihm die Einreise. Also schrieb er einen zweiseitigen Brief an Erich Honecker persönlich. In diesem Brief erklärte er, dass er bereits zweimal „drüben“ gewesen war und die Verantwortung für seine Tochter und ein Haus in Ostberlin habe. 

Während seiner Erzählung betont er immer wieder, dass der Brief so sozialistisch wie möglich geschrieben wurde, um zu zeigen, dass er ein loyaler Staatsbürger war und die Chancen auf die Ausreiseerlaubnis zu erhöhen. Den fertigen Brief gab er seinem Nachbarn mit, der zu dieser Zeit als Dolmetscher für Erich Honecker arbeitete. 

Ende gut, Alles gut

Herrn H. wurde die Ausreisegenehmigung erteilt und er konnte seinen Vater im Krankenhaus besuchen. Wie verpsrochen kehrte er nach seinem Besuch wieder zurück nach Blankenburg und setzte sogleich das Dankesschreiben an Honecker auf. Durchschläge, also Schreibmaschinenkopien, seiner Briefe, sowie die schriftliche Antwort Honeckers hat Herr H. bis heute aufgehoben. Nun sind sie in der Sammlung des DDR Museum, das sie bewahren und erhalten wird.

Wir danken Herrn H. und seiner Frau für die Gastfreundschaft und freuen uns über die wertvollen Zugänge für unsere Sammlung und deren einzigartigen Geschichten.

 

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