Aus der Sammlung

10 Dinge aus der DDR, die in Corona-Zeiten knapp wären

Die Corona-Epidemie sorgt für Knappheit bei vielen alltäglichen Waren. Unser Volontär Frank stellte 10 Dinge aus der Sammlung zusammen, die in Corona-Zeiten in der DDR knapp und heiß begehrt gewesen wären. von Frank Meißner (16.04.2020)

Die Corona-Krise beschert uns derzeit die ungewohnte Problematik, dass alltägliche Waren nicht oder nur unregelmäßig verfügbar sind. Wer nun schon einmal mehrere Supermärkte ansteuern musste, um endlich wieder neues Toilettenpapier zu bekommen, mag zwar an die Jagd nach der sogenannten Bückware und Importartikeln in der DDR erinnert sein, an Grundnahrungsmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs mangelte es aber damals nicht. Wir drehen jedoch die Uhr um ein paar Dekaden zurück und fragen uns, was in der DDR alles in den HO-Kaufhallen und Konsum-Geschäften gefehlt hätte, wenn dort etwas Vergleichbares wie die Corona-Epidemie eingetreten wäre. 

1. Toilettenpapier

Der absolute Spitzenreiter unter den knappen Waren ist das Klopapier. Bei allen, die sich mit dem Nötigsten eindecken, um ein paar Tage nicht die lokale Kaufhalle aufsuchen zu müssen, wandert definitiv auch Toilettenpapier in den Einkaufskorb. Schließlich braucht man ja auch etwas mehr, wenn man jeden Tag zuhause verbringt. In der DDR gab es verschiedene Hersteller, wie den VEB Vereinigte Zellstoff- und Papierfabriken Merseburg oder den VEB Papierfabriken Heiligenstadt für das geschmackvolle rosafarbene Toilettenpapier. Und vielleicht hätte es auch noch eine Ladung Importware aus Polen vor der temporären Grenzschließung ins Land geschafft, wie das Papier der Marke »KZP« aus Jelenia Góra.

Toilettenpapier mehrere Rollen aus DDR-Zeiten

2. Desinfektionsmittel

Wenn auf jeder Oberfläche Bakterien oder Viren lauern, müssen auch alle Flächen gründlich gereinigt werden, mit denen viele Menschen in Berührung kommen. Türklinken, Haltegriffe und Treppengeländer sollten regelmäßig desinfiziert werden. Wenn man sonst im Alltag getrost auf Desinfektionsmittel verzichten konnte, versorgen sich nun aber auch privat viele Menschen damit. Und warum nicht gleich ein paar Flaschen mitnehmen, bevor am Ende noch der Verkauf zugunsten von Krankenhäusern und medizinischem Personal rationiert wird?! Mit einer 1000-ml-Großpackung wie die des guten Allrounder »FESIA sol-Konzentrat« der Marke GERMED, hergestellt im VEB Fettchemie Karl-Marx-Stadt, wäre man auch damals eine ganze Weile um die Runden gekommen. Es war nicht nur zum Desinfizieren von Wäsche und Flächen geeignet, sondern auch für die Desinfektion von Impfstellen und Wunden.

Flasche Desinfektionsmittel aus der DDR

3. Seife

Wenn neben Tröpfcheninfektion Schmierinfektionen ein Hauptübertragungsweg für Krankheiten sind, gilt vor allem: Händewaschen nicht vergessen! Jedes mal, wenn man wieder zuhause ankommt führt der erste Weg daher zum Waschbecken, bevor man irgendetwas anderes berührt. Das klassische Stück Seife ist dafür immer noch unschlagbar. In der DDR gab es da zum Beispiel die »Karibik«-Seife vom Konsum Seifenwerk Riesa, mit einem Verpackungsdesign im Südsee-Flair. Falls einem dank Ausgangssperre langsam die Decke auf den Kopf gefallen wäre und vielleicht sogar der verdiente Sommerurlaub auszufallen drohte, hätte man sich so außerdem gleich noch ein wenig Urlaubsfeeling in die eigenen vier Wände holen können.

Seife Karibik

4. Nudeln

Nudeln sind lange haltbar und eignen sich hervorragend für die Liste der zu hamsternden Lebensmittel-Vorräte. Sie waren natürlich auch in der DDR ein beliebtes Grundnahrungsmittel und die Nudel-Regale wären im Krisenfall vielleicht auch nicht besser bestückt gewesen als heute. Ob mit Tomatensoße und Wurstgulasch oder Jägerschnitzel, eine Portion Spaghetti ließ sich einfach und schnell zubereiten, schmeckte und machte satt. Eine Packung der "Magdeburger Eier-Spaghetti", mit 2 1/4 Eier auf 1kg, kosteten 1,40 M.

Packung Eier-Spaghetti aus DDR-Zeiten

5. Gefriergemüse

Tiefgekühlte Lebensmittel halten länger frisch und schmecken so in der Regel besser als aus der Dose. In der DDR hatte zwar nicht jeder ein Gefrierfach im eigenen Kühlschrank. Dennoch gab es einige Tiefkühlprodukte, die in der Regel unter dem Begriff »Feinfrost« geführt wurden. In den Tiefkühlregalen der Kaufhallen hätte bei einem Virus-Lockdown wohl nur mit einer gehörigen Portion Glück noch eine Packung »Ogema-Gefrier-Gemüse« bekommen. Hergestellt wurde das Tiefkühlgemüse vom VEB Konserven u. Marmeladenfabrik Frankfurt / Oder. Der Slogan »Durch Feinfrost zur Feinkost« wies bereits darauf hin, dass es sich um etwas Besonderes handelte.

Pappkarton-Verpackung Gefriergemüse aus DDR-Zeiten

6. Konserven

Eine andere gute Möglichkeit, sich über längere Zeit mit haltbaren Lebensmitteln zu versorgen, sind Konservendosen. Konserven waren in der DDR weit verbreitet und allseits beliebt. Auch weil in Ermangelung von flächendeckendem Tiefkühlangebot und dem Fehlen von Mikrowellengerichten diese die einfachste Art war, ein fertiges und haltbares Gericht zu kaufen, das man nur noch Erwärmen musste. Mit einer Konserve »Original Halko Rinderbrust in pikanter Soße« vom VEB Halberstädter Fleisch- und Wurstwaren-Werke Halberstadt musste man sich nur noch auf das Zubereiten einer Beilage konzentrieren.  Wenn wie bei dieser Konserve mit dem 17.05.01 ein über zehn Jahre in der Zukunft liegendes Mindesthaltbarkeitsdatum angegeben ist, hätte man sich sicherheitshalber getrost ein paar mehr Dosen ins Vorratsregal stellen können. Die nächste Krise kommt bestimmt!

Konserve Rinderbrust aus DDR-Zeiten

7. Pizza-Backmischung

Wenn man schnell und einfach etwas Leckeres auf dem Tisch haben will, kommt vor allem eine Sache in Frage: Pizza! In den 80er-Jahren war das italienische Gericht auch in der DDR angesagt. Wenn dann krisenbedingt die ohnehin nur vereinzelt angebotenen Tiefkühlpizzen vom Betriebsteil Biesdorf des VEB Backwarenkombinat Berlin nicht mehr zu bekommen gewesen wären, wäre nur selber backen als Option geblieben. Beispielsweise mit der »Backfertigen Mehlmischung Pizza-Teig» der Marke Kathi vom VEB Kaffee Halle. Für 2,- M ließ sich damit einfach eine Pizza zaubern, mit den in der DDR nicht unüblichen Abwandlungen wie frische oder saure Gurken, wenn Paprika oder Tomaten fehlten, und Jagdwurst als Belag. Oder gleich mit Sauerkraut, Hackfleisch und saurer Sahne.

Packung Kathi Pizza-Teig aus DDR-Zeiten

8. Reis

Sollten die Nudeln schon ausverkauft sein und man sich nicht nur auf Kartoffeln als Kohlenhydratquelle verlassen will, dann steht bei vielen als nächstes Reis auf der Liste. In der DDR hätte es dann vielleicht den "Wurzener Speisereis im Kochbeutel" gegeben, hergestellt vom VEB Nahrungsmittelkombinat Albert Kuntz - übrigens dem größten Nahrungsmittelherstellungsbetrieb der DDR. Wenn man Glück hatte, hätte man dazu am lokalen Broiler-Stand vor der Kaufhalle noch ein halbes Hähnchen bekommen und damit schon das nötigste für ein leckeres Hühner-Frikassee beisammen gehabt.

Packung Reis im Kochbeutel aus DDR-Zeiten

9. Hefe

Wenn man schon angestrengt über die eigene Grundversorgung nachdenken muss, kommt man auch mal auf so abenteuerliche Ideen wie selbst Brot zu backen. Leider verfallen aber nun anscheinend alle in Back-Panik, zumindest ist bei jedem Besuch in der Kaufhalle die Hefe schon ausverkauft. Auch in der DDR hätte man dann eben notgedrungen zum Backpulver gegriffen, zum Beispiel zum guten »Backstolz, das zuverlässige Backpulver« der Marke Rotplombe. Hergestellt wurde es im Konsum Nährmittelwerk Erfurt und kostete 0,06 M.

Päckchen Backpulver Backstolz aus DDR-Zeiten

10. Atemschutzmaske

Bei einer Virenpandemie gilt es, sowohl sich selbst als auch andere zu schützen. Dazu sollte man nicht nur Körperkontakt vermeiden, sondern auch das Tragen einer Atemschutzmaske kann sinnvoll sein. Aber Schutzmasken sind nun Mangelware und schnell ausverkauft. Damals hätte man sich in einem solchen Fall vielleicht durch eine Mitgliedschaft in den Kampfgruppen der Arbeiterklasse, in der Gesellschaft für Sport und Technik oder in der Zivilverteidigung der DDR die Möglichkeit gehabt, an eine Gasmaske zu kommen. Schließlich wurden diese beispielsweise regelmäßig bei Übungen zur Wehrerziehung eingesetzt. Spätestens beim Gang in den Supermarkt wäre man dann aber sicher wegen der Zweckentfremdung staatseigener Ausrüstungsgegenstände in Schwierigkeiten geraten.

Gasmaske, Atemschutz aus DDR-Zeiten

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