Musikgeschichte

Amateurmusik in der DDR

„Wie war das eigentlich so damals mit der Amateurmusik?“ – Ein kleiner Einblick in die Welt eines Amateurmusikers aus Rathenow.
von Sören Marotz (28.03.2018)

Mein Onkel, Jahrgang 1957, hat mich schon immer fasziniert. Ein unglaublich kreativer Mann mit Witz und Talent. Vor allem aber: ein Musiker. Vielleicht kennt ja noch jemand “Hillers Lied AG”, “Peter Hiller & Earl of East” oder die “Gravens”. Seine Projekte erstrecken sich von Solomusik, über Bands bis zur Schauspielerei. Ich wollte wissen, wie es sich angefühlt hat als Amateurmusiker im Osten und wie sich die DDR-Ideologie auf seine Arbeit auswirkte.

Die erste Gitarre

Der Anfang seiner Laufbahn war noch recht unkompliziert. Ein Freund lernte das Gitarrespielen an einer Musikschule und gab das erlernte gleich an seine Freunde weiter. Aber moment – wo hatten die eigentlich die Gitarren her?
Ordentliche Instrumente in der DDR zu bekommen war nicht gerade leicht, sagt Peter. Entweder musste man eine Tante im Westen haben, die einem eine mitbrachte oder man musste viel Geld auf dem Gebrauchtmarkt lassen. Eine seiner ersten Gitarren kostete gleich das Vielfache seines monatlichen Gehalts.

Einstufungstest & Auftritte

Ausgerüstet mit einer passablen Klampfe ging es für Peter zum Einstufungstest im Kulturhaus. Hier wurde es dann schon etwas unangenehmer mit einer Performance vor fünf Prüfern, die keine Miene verzogen. Mit der “Pappe” in der Tasche folgten kleiner Auftritte auf diverse Tanzböden. Dabei parodierten sie überwiegend West-Musiker – natürlich ganz im Sinne des Staates – aber auch mal Ossis, wie die Puhdys. Zuerst alleine, später dann zu dritt. Die Truppe war sehr erfolgreich und erhielt sogar eine Förderung der Konzert- und Gastspieldirektion.

 

Das Kulturhaus in Rathenow                                                                                                                      Bild: Zietenhusar.de

Westeinladung

Es wurde natürlich auch der Westen auf die lustigen Ossis aufmerksam. Die Truppe wurde vom DKP eingeladen in der Bundesrepublik zu spielen und die DKP schickte dazu einen Antrag an den Zentralrat de FDJ. Als Peter nach einiger Zeit im Zentralrat nachfragte, hatte dort nie jemand was von einem Antrag gehört. Kein Wunder, denn er war dabei an „Bermuda-Krüger“ geraten, bei dem laut Buschfunk alles an Anträgen verschwand. So kam es leider nie zu einem West-Aufenthalt vor der Wende.

Für mich ist er eine große Inspiration, weil er seinen Traum in einer Zeit verfolgt hat, in der man noch nicht mit einem Youtube Video berühmt werden konnte.


Gastbeitrag von Lisa Heinrich

Bild: Buschfunk

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