Musikgeschichte

Das Festival des politischen Liedes

Das Festival des politischen Liedes war eine der größten Musikveranstaltungen der DDR. Der Oktoberklub, die bekannteste Amateursonggruppe der DDR, hatte es initiiert.
von Admin (02.02.2016)

Das Festival des politischen Liedes war eine der größten Musikveranstaltungen der DDR. Der Oktoberklub, die bekannteste Amateursonggruppe der DDR, hatte es initiiert. Von 1970 bis 1990 traten alljährlich in Ostberlin 50 bis 80 KünstlerInnen aus 30 Ländern auf, darunter z.B. Miriam Makeba, Pete Seeger und Mikis Theodorakis. Von Floh de Cologne bis zu Hannes Wader und Zupfgeigenhansel reicht die Namensliste der westdeutschen Künstler und Künstlerinnen, die im Osten Berlins auftraten. Zu den DDR-Teilnehmern gehörten u.a. Reinhold Andert, Gerhard Gundermann und Gerhard Schöne. Die künstlerische Palette des Festivals reichte von Amateurdarbietungen bis zu professioneller Kunst, von herkömmlichen Stilrichtungen des politischen Liedes bis zu Werken der musikalischen Avantgarde. Neben den Konzerten gab es Workshops, Kolloquien und Exkursionen. Das Festival entstand in einer Phase der relativen Öffnung und Liberalisierung der DDR, und so war die Förderung durch Staat, SED und FDJ ab Mitte der siebziger Jahre beträchtlich. Gegenüber kritischen Künstlern gab es Sanktionen und Verbote, und das Festival wurde teilweise zur Repräsentationsveranstaltung. Die Festivalorganisation blieb jedoch zu großen Teilen ehrenamtlich. Für die DDR-Jugend war das Festival ein Fenster zur Welt, ein »politischer Karneval«, der den DDR-Alltag kurzzeitig außer Kraft setzte. 1990 fand es zum letzten Mal statt. 1991 bis 1994 setzte das ZwischenWelt-Festival die Festivaltradition fort. Dann war fünf Jahre Ruhe. Seit dem Jahr 2000 gibt es einen Nachfolger, das Festival Musik und Politik, es ist allerdings viel kleiner und wird rein ehrenamtlich organisiert.

Der Verein Lied und soziale Bewegungen veranstaltet nun schon zum siebzehnten Mal das Festival Musik und Politik und fragt nach den veränderten Bedingungen und Formen politisch engagierten Musizierens heute. Das Festival, das im vergangenen Jahr schon mal auf zwei Tage verkürzt worden war, findet 2016 an drei Tagen in der WABE, der Jugendtheateretage und im Bi Nuu statt. In einem historischen Projekt wird 50 Jahre zurückgeblickt auf »Hootenanny ’66«. Unter dem Titel »Hört ihr noch den Ruf der Schwäne?« interpretieren Gina und Frauke Pietsch und Kai Degenhardt (siehe Foto) Lieder von Franz Josef Degenhardt. Im Konzert »Liederbestenliste präsentiert« stellt der mehrfache Liederpreisträger Manfred Maurenbrecher junge Liedermacher vor. Beim »Liederpodium« zeigen EISBRENNER & Frauendorf, Nicolás Rodrigo Miquea, Nadine Maria Schmidt u.a. Ausschnitte aus neuen Programmen. Einen Abend mit Irish Folk bestreiten Derek Warfield & The Young Wolfe Tones und die Berliner Band Larkin. Rock, HipHop und verschiedene lateinamerikanische Rhythmen vereinen die Bands Cuico (Hamburg) und Compass (Berlin) auf der Bühne des Bi Nuu.

 

Gastbeitrag von Lutz Kirchenwitz

Der Kulturwissenschaftler Lutz Kirchenwitz war in der DDR-Liedszene aktiv. Er lebt in Berlin und ist Vorsitzender des Vereins Lied und soziale Bewegungen.

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