Was bleibt von der DDR?

Part XII: Das Thälmann-Denkmal in Berlin

Direkt an der Greifswalder Straße in Berlin-Prenzlauer Berg öffnet sich eine große Freifläche, in deren Mitte sich ein Monument für den ehemaligen Vorsitzenden der Kommunistischen Partei, Ernst Thälmann, erhebt. von Elke Sieber (19.10.2016)

Direkt an der Greifswalder Straße in Berlin-Prenzlauer Berg öffnet sich eine große Freifläche, in deren Mitte sich ein Monument für den ehemaligen Vorsitzenden der Kommunistischen Partei, Ernst Thälmann, erhebt. Vierzehn Meter hoch und 15 Meter breit prangt die Büste des kommunistischen Revolutionärs auf einem Sockel aus ukrainischen Granit, in den Zitate von Thälmann und Honecker eingefügt sind, über dem Kundgebungsort.

 

Der sowjetische Bildhauer Lew Kerbel hat dieses Denkmal im Zusammenhang mit dem Wohnungsbauprojekt „Thälmann-Park“ geschaffen. Hinter dem stolz in die Zukunft blickenden Kommunisten vor einer wehenden Fahne, erstreckt sich ein Park und sieht man die heraufragenden Plattenbauten, die hier als Ensemble errichtet wurden. Sie waren 1986 ein Vorzeigeprojekt des „sozialistischen Wohnens“. Die Siedlung umfasst Plattenbauten mit u?ber 1300 Wohnungen fu?r 4000 Bewohner, Teichanlagen, drei Spielplätze, eine Schwimmhalle und das Gebäude des ehemaligen Gaswerks. Das Gasometer wurde trotz Proteste der Bevölkerung 1984 gesprengt.

Insgesamt ist das Monument 50 Tonnen schwer und wurde aus 200 Einzelteilen zusammengesetzt. Thälmann erhebt die Faust zum Gruß des Rotkämpferbundes. Der aus Hamburg stammende Hafen- und Transportarbeiter Ernst Thälmann (1886-1944) wurde 1925 Vorsitzender der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und der KPD-Wehrorganisation Roter Frontkämpferbund (RFB). Die Mitglieder dieses Kampfbundes grüßten sich stets mit erhobener geballter Faust und dem Wort „Rot Front“. Am stalinistischen Kurs seiner Partei hatte Thälmann maßgeblichen Anteil.  In der Weimarer Republik war er bis zum Verbot der KPD 1933 Reichstagsabgeordneter. Danach war er von den Nazis elf Jahre lang inhaftiert, bevor er 1944 im KZ Buchenwald ermordet wurde.

 

Das aus Bronze hergestellte Denkmal, das die gesamte Jahresproduktion an Bronze in der DDR verschlang, zeigt jedoch einen symbolhaft verallgemeinertes Aussehen Thälmanns, der deutliche Ähnlichkeiten zu Lenin aufweist. Dies brachte ihm auch den Spitznamen „Lehmann“ bei der Bevölkerung.

 

Nach der Wiedervereinigung stand auch das Thälmann-Denkmal in der Diskussion abgerissen, erhalten oder verändert zu werden. Die Historische Kommission des Berliner Senats empfahl 1993 den vollständigen Abriss. Allerdings wurden nur die zwei zugehörigen Bronzestelen mit Zitaten von Honecker und Thälmann entfernt und in die Zitadelle Spandau verbracht. In den Folgejahren wurde das Monument in die Denkmalliste eingetragen, jedoch nicht mehr gepflegt oder gereinigt und dementsprechend von Graffitisprayern beschmiert. Nachdem sich schon Mitte der 90er Jahre Proteste gegen diesen Verfall des Denkmals regten, wurde 2000 ein Aktionsbündnis Thälmann-Denkmal gegründet, das aus linken Parteien, Gruppen und Organisationen besteht. Bis 2006 haben sie im Rahmen von zweimal jährlich stattfindenden Kundgebungen das Denkmal selbst gereinigt, ab 2006 kommt die Stadt Berlin für die Reinigung auf.

 

Seit 2014 steht die Siedlung Ernst-Thälmann-Park und mit ihr das Denkmal unter Denkmalschutz. Denn Bauten, Ensembles und Gartenanlagen, die bis 1990 errichtet wurden, können mittlerweile als „Zeugnisse einer abgeschlossenen Geschichtsepoche“ als Denkmale eingetragen werden. Dass diese Entwicklung durchaus nicht ohne Hürden eingeschlagen wurde, zeigt die Tatsache, dass die Jungen Liberalen im Juni 2013 das Monument noch symbolischen sprengen wollten.

 

2014 wurde ebenfalls diskutiert, ob man die Stelen wieder am alten Standort aufstellen sollte, um das Ensemble wieder zu vervollständigen. Bis heute ist dies allerdings nicht erfolgt. Nicht zuletzt, da auch die Zitadelle Spandau, die ihr überlassenen Objekte, in eine Ausstellungskonzeption einbezogen hatte. Auch eine von Denkmalschützer Jörg Haspel angedachte „kritische Kommentierung“ des Denkmals ist bisher nicht erfolgt. Bei dieser Idee sollten Büste wie Stelen mit Plexiglas verkleidet werden und Informationstafeln das Ensemble kontextualisieren. Nun sind weitere zwei Jahre vergangen. Wie der Kundgebungsort mit kommunistischem Revolutionär zukünftig aussehen wird, ist scheinbar noch offen.

Literaturverzeichnis:

Stefan Strauß: Honecker-Zitate sollen zurück zum Thälmann-Denkmal, in: Berliner Zeitung, 08.04.2014, http://www.berliner-zeitung.de/berlin/prenzlauer-berg-honecker-zitate-sollen-zurueck-zum-thaelmann-denkmal-1544398, abegerufen am 17.10.2016.

Susanne Grautmann: Aus Liebe zur Platte, in: Der Tagesspiegel, 16.02.2014, http://www.tagesspiegel.de/berlin/thaelmann-park-unter-denkmalschutz-aus-liebe-zur-platte/9486996.html, abgerufen am 17.10.2016.

Touristisches Wegeleitsystem, Stele 12, Bezirksamt Pankow © 2005, https://www.berlin.de/museum-pankow/geschichte-im-stadtraum/touristisches-wegeleitsystem/artikel.284445.php#TWLS12, abgerufen am 17.10.2016.

 

Bild: By SpreeTom, via Wikimedai Commons.

 

 


 

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