Was bleibt von der DDR?

Part VIII: Literatur

Trotz Restriktionen und staatlicher Bevormundung in der Kunst, brachte die DDR eine Vielzahl an herausragenden Schriftstellern hervor. Ihre Werke bieten außerdem Einblick in den Wandel der Kulturpolitik der DDR. Zwar erhielten nur diejenigen eine Veröffentlichungserlaubnis, die politisch konform waren, ein gewisser Spielraum blieb jedoch erhalten.
von Elke Sieber (29.06.2016)

Trotz Restriktionen und staatlicher Bevormundung in der Kunst, brachte die DDR eine Vielzahl an herausragenden Schriftstellern hervor. Ihre Werke bieten außerdem Einblick in den Wandel der Kulturpolitik der DDR. Zwar erhielten nur diejenigen eine Veröffentlichungserlaubnis, die politisch konform waren, ein gewisser Spielraum blieb jedoch erhalten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bestimmten wie in den westlichen Besatzungszonen diejenigen Künstler Kunst und Kultur, die während der nationalsozialistischen Herrschaft geflohen waren und jetzt nach Deutschland zurückkehrten. Die Schriftsteller beschäftigten sich in der Nachkriegszeit vorrangig mit dem Nationalsozialismus, dem Weltkrieg und seinen Folgen. Wie in der Kunst forderten die sowjetischen Besatzer und später die SED schnell den Stil des „Sozialistischen Realismus“. Arbeit und Alltag sollten in der Literatur fokussiert behandelt werden und dabei wirklichkeitsnah die Veränderung der Gesellschaft zu einer sozialistischen Gemeinschaft darstellen. Durch die zuversichtliche Schilderung des sozialen und politischen Umbruchs sollten die Autoren selbst zu einer positiven Veränderung beitragen.

In den 1950er Jahren handelte die Literatur häufig vom Aufbau der neuen Ordnung und des kriegsgebeutelten Landes. Arbeiter waren die Helden der Geschichten, die den Sieg des Sozialismus gegenüber den „alten“ Kräften bewiesen. Das erste Jahrzehnt der DDR ist deshalb auch die Ära der Aufbauliteratur.

Der Bitterfelder Weg, der 1959 eingeläutet wurde, führte zu einer gewissen Veränderung. Die neuen Protagonisten waren nun jüngere, intellektuelle Menschen, die sich beruflich oder privat zu bewähren hatten und letztlich im Sozialismus ankamen. Auch Frauen traten nun häufiger in den Romanen als Hauptfiguren auf. Die Ankunftsliteratur war geboren, die sich insbesondere seit dem Mauerbau durchsetzte. In den Jahren von 1961 bis 1965, erst einmal abgesichert von westlichem Einwirken und gegen fliehende Bürger, trat eine Lockerung in der Kulturpolitik ein, die diese neue Stilrichtung beförderte. Doch 1965 nahmen die Beschränkungen in der Kulturpolitik erneut zu. Der Bitterfelder Weg war faktisch zu Ende.

Erst 1971 mit dem Machtwechsel von Ulbricht zu Honecker erhielt das Kunstschaffen neuen Auftrieb. Häufig wird nach dieser Zäsur von einer „zweiten Generation“ von Schriftstellern gesprochen. Honecker setzte auf eine liberalere Politik gegenüber den Literaten, solange diese die Basis des Sozialismus gewährleisteten und in ihren Werken widerspiegelten. Gerade Christa Wolfs Begriff der „subjektiven Authentizität“ prägte diese Zeit. Die Literatur beschäftigte sich mit dem subjektiven Erleben der Individuen statt den Sozialismus als Gesamtkonstrukt in den Vordergrund zu stellen.

Die kulturpolitische Lockerung fand jedoch mit der Ausbürgerung Wolf Biermanns 1976 ein jähes Ende. Ihr folgten weitere Ausweisungen und die Emigration von circa 100 Schriftstellern, wie Sarah Kirsch oder Reiner Kunze. Andere Schriftsteller wurden dem Schriftstellerverband verwiesen oder traten aus.

Die Literatur stand in dieser Zeit am Scheideweg. Manche Schriftsteller schrieben so weiter wie bisher. Andere entschieden sich für subversivere Gangarten und begründeten eine Untergrindliteratur, die sich vor allem im Bezirk Prenzlauer Berg etablierte. Diese Autoren verzichteten fortan auf die traditionelle Form der Veröffentlichung ihrer Werke und publizierten nur noch in kleinen Auflagen in Untergrundzeitschriften und gaben viele Lesungen um ihre Literatur zu verbreiten. Diese neue Form der Literatur prägte die 80er Jahre in der DDR.


 

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