Was bleibt von der DDR?

Part XVI: Der Müggelturm

Brandaktuell geht es heute um den Müggelturm. Erfahren Sie mehr über die Geschichte des Turmes und was nach der Wiedervereinigung mit dem beliebten Ausflugsziel passierte.
von Elke Sieber (16.03.2017)

Die Müggelberge stellen die höchste natürliche Erhebung des Berliner Stadtgebiets dar. Inmitten der Landschaft befindet sich der 30 Meter hohe Müggelturm, der einen weiten Blick auf die umliegende Wald- und Seenlandschaft bietet. Zu Füßen des Turms liegt der Teufelssee und bei gutem Wetter sieht man sogar bis weit in die westlich gelegene Berliner Innenstadt.

Der erste Müggelturm entstand bereits weit vor der DDR, als Carl Spindler, der Eigentümer der Köpenicker Wäscherei und Färberei W. Spindler, dort um 1880 einen hölzernen Aussichtsturm von 10 Metern Höhe errichten ließ. Da die Fernsicht nicht ausreichte, wurde am Ostersonntag 1890 bereits ein Turm mit 27 Metern Höhe eingeweiht, der sich als Ausflugsziel großer Beliebtheit erfreute. Allein im Jahr 1890 hatte der Turm 52.000 Besucher.

1928 wurden Treppen zum kleinen Müggelberg angelegt, die den Besuch erleichterten. 1953 wurden diese dann erneuert. Die SS erklärte den Turm 1945 zum militärischen Objekt, sodass er als Beobachtungsposten und Funkturm verwendet wurde. Kurz vor Kriegsende verhinderte der langjährige Bewohner des Turms seine vollständige Zerstörung durch eine Sprengung in letzter Sekunde. Nach dem Krieg konnte somit auch die Gaststätte im angrenzenden Gebäude für die Besucher wieder eingerichtet werden, die fortan von der HO Köpenick betrieben wurde.

1958 jedoch brannte der Turm vollständig nieder. Der Auslöser waren wohl Schweißarbeiten im Inneren des wegen Baufälligkeit gesperrten Turms. Die Feuerwehr konnte den Turm nicht retten, jedoch das anliegende Wirtschaftsgebäude und die Gaststätte vor schweren Schäden bewahren. Die HO Köpenick initiierte eine Renovierung des Turmes. Die Berliner Zeitung schrieb einen Architekturwettbewerb aus, bei dem 32 Entwürfe eingingen. Studenten der Kunsthochschule Berlin-Weißensee machten das Rennen, ein Stahlgerüst sollte dem Turm neuen Halt geben.

Noch im Oktober 1959 war die Grundsteinlegung. Im August 1960 feierte man bereits das Richtfest und in der Silvesternacht 1961 konnte der neue Müggelturm eröffnet werden, dessen Bau durch Spenden und freiwillig abgeleistete Arbeitsstunden der Bevölkerung maßgeblich unterstützt wurde. Der neue Turm besteht aus 9 Stockwerken mit Panoramafenstern und einer über eine lange Treppe zu erreichenden Aussichtsplattform. Die Gastronomie wurde durch eine Weinstube und Sonnenterrassen erweitert.

Nach der Wende fiel das weiterhin beliebte Ausflugsziel an die Treuhand. Aufgrund von eigentumsrechtlichen und nutzungsrechtlichen Schwierigkeiten sprangen Investoren für das Gelände immer wieder ab. 1995 ging das Areal an das Land Berlin über und steht seither unter Denkmalschutz. Bei der aus EG-Mitteln finanzierten Sanierung, die 1995/96 stattfand, wurde leider derart gepfuscht, dass letztlich eine weitere Sanierung nötig wurde. Investoren sprangen auch in den nächsten Jahren immer wieder ab, da ihre Konzepte abgelehnt wurden oder der Denkmalschutz ihnen Schwierigkeiten bereitete. 2007 erhoffte sich der Bezirk eine Zukunft für den Müggelturm in Form einer Erlebnisgastronomie, jedoch vernachlässigte der Investor das Projekt, sodass letztendlich der Kaufvertrag rückabgewickelt wurde. Erst im Mai 2014 fand sich ein neuer Investor. Zum ersten Wochenende im März 2017 konnte zumindest eine kleine Lokalität mit Kaffee- und Bierausschank sowie Kuchenangebot seine Tore öffnen. Erst wenn die Baugenehmigung, die bereits 2015 beantragt wurde, vorliegt, kann saniert werden und der Müggelturm wieder in altem Glanz erstrahlen. Doch die Besucher kommen schon jetzt wieder zahlreich.


Literatur:

 

http://www.berliner-zeitung.de/berlin/mueggelturm-restaurant-nach-zwanzig-jahren-wird-in-der--baude--wieder-bier-gezapft-26154854

http://www.koepenick.net/koepenick-a-z.htm#mueggelturm

http://www.müggelturm.berlin

 

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