"Verlassene Orte / Abandoned Berlin" - Ciarán Fahey zu Gast im DDR Museum

von Admin (24.04.2015)

Am gestrigen Abend hatten wir den freiberuflichen Sportfotografen Ciarán Fahey zu Gast, der sein druckfrisch erschienenes Buch "Verlassene Orte / Abandoned Berlin" vorstellte. Fahey ist gebürtiger Ire und kommt ursprünglich aus dem Südosten Irlands, "the Sunny South East - dem Teil Irlands, wo es weniger regnet". 2008 zog er nach Berlin, weil er "noch einmal bei Null starten wollte - etwas Neues, Frisches". Dafür bietet sich eine Stadt wie Berlin, seit Jahrhunderten scheinbar wie unter Zwang einer ewigen Neu-Definierung unterworfen, natürlich an. "Irland war damals noch nicht so kaputt wie heute, obwohl die Zeichen schon dawaren."

Und in Berlin fing es an. Mit dem Spreepark – natürlich. Als er von dem verlassenen Freizeitpark im Plänterwald hörte, dessen Fahrgeschäfte und Gebäude wie im Dornrösschen-Schlaf langsam aber sicher dem Kampf gegen Vegetation und leider auch Vandalismus zum Opfer fallen, wollte er sofort dorthin. Traute sich aber zunächst nicht. Als er es schließlich doch tat, war er überwältigt von der Atmosphäre, der gespenstischen Stille, unterbrochen von geisterhaften Geräuschen, Knarzen und Knarren, von den "Geistern verstorbener Clowns".

"Urban Exploration" ist ein globales, stetig wachsendes Phänomen, dessen Szene auch in Berlin kontinuierlich anwächst. Dies wurde auch gestern Abend sichtbar. Das Publikum im bis auf den letzten Platz gefüllten Besucherzentrum unterschied sich sichtlich von den Geschichtsinteressierten, die sonst den Weg zu uns finden. Viele Junge und Junggebliebene betrachteten aufmerksam Faheys Fotos und lauschten den Erzählungen zu den einzelnen "Lost Places". Erfahrungen und Erlebnisse wurden ausgetauscht, es herrschte eine entspannte und irgendwie neugierige Atmosphäre.

Ciarán Faheys Buch basiert auf seinem Online-Blog unter www.abandonedberlin.com, wo er regelmäßig neue alte Entdeckungen mit vielen wundervoll atmosphärischen Bildern vorstellt. In den dazugehörigen Blog-Texten beschreibt er mit viel Wortwitz und original irischem schwarzem Humor anschaulich die Atmosphäre der Orte und erzählt deren oftmals bewegte Geschichte. Die Bekanntheit und Beliebtheit seines Blogs ist inzwischen auch weit über die Grenzen der Szene hinausgewachsen: Die britische Tageszeitung "The Guardian" hat seinen Blog just im Januar diesen Jahres zu einem der besten der Welt gekürt - als einzigen in Deutschland!

Dass er in seinem Blog zumeist die genaue Adresse, Anfahrtsbeschreibung und Tipps zum Hineingelangen mitliefert, stößt jedoch nicht immer auf Zuspruch und wurde auch gestern Abend thematisiert. Immerhin liegt der Charme der "verlassenen Orte" eben darin, dass sie verlassen sind, fernab von Touristenströmen und Schaulustigen. Und lade man so nicht auch den Vandalismus geradezu ein?  Doch diese Orte werden auch ohne sein Zutun vergehen, die verbliebene Lebensdauer ist ohnehin begrenzt. Vandalen werden auch ohne seine Hilfe den Weg finden. Diejenigen jedoch, die es zu schätzen wissen, die Atmosphäre in sich aufzunehmen und auf den Spuren der Vergangenheit zu wandeln, sind immer Dankbar für neue Anregungen.

Nach einigen weiteren Publikumsfragen, neigte sich der Abend gemächlich dem Ende. Viele Gäste nutzen die Gelegenheit, sein Buch "Verlassene Orte / Abandoned Berlin" vor Ort zu erwerben und direkt von Fahey signieren zu lassen. Noch lange standen die "Urban Explorer" beieinander, plauderten gemütlich bei einem kühlen Bier oder einem Glas Wein, tauschten Tipps und Erlebnisse aus und ließen so den Abend angenehm ausklingen.

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