Ausstellung

Neuer Themenbereich: "Bückware" in der Dauerausstellung

Das Jahr 2016 war und ist im DDR Museum von vielen Veränderungen geprägt: Am 27. August 2016 eröffnete das DDR Museum seinen dritten Ausstellungsteil „Alltag im Plattenbau“ im Rahmen der Langen Nacht der Museen. Da einige dieser Themen nun im neuen Teil „Alltag im Plattenbau“ untergebracht sind, ergibt sich daraus die Möglichkeit, die bestehende Ausstellung um einige neue Aspekte zu bereichern. Dazu zählt auch das neue Thema "Bückware", welches ich Ihnen im folgenden Text näher vorstellen möchte.
von Maria Bartholomäus (26.09.2016)

Das Jahr 2016 war und ist im DDR Museum von vielen Veränderungen geprägt: Am 27. August 2016 eröffnete das DDR Museum seinen dritten Ausstellungsteil „Alltag im Plattenbau“ im Rahmen der Langen Nacht der Museen. Da einige dieser Themen nun im neuen Teil „Alltag im Plattenbau“ untergebracht sind, ergibt sich daraus die Möglichkeit, die bestehende Ausstellung um einige neue Aspekte zu bereichern. Dazu zählt auch das neue Thema "Bückware", welches ich Ihnen im folgenden Text näher vorstellen möchte.

Der alte Themenbereich „Staatssicherheit“ wird durch eine Erweiterung des Themas „Konsum“ ersetzt. Hier geht es um technische Konsumgüter, die „1000 kleinen Dinge des täglichen Bedarfs“ sowie der sog. „Bückware“. Neben drei neu bestückten Vitrinen wurde eine Ladensituation inszeniert: Hinter einem Verkaufstresen steht ein Regal mit diversen Artikeln, die zur Kategorie Bückware zähle. Abgerundet wird dieser neue Bereich durch eine Fototapete, die eine Einkaufssituation aus den 1980er Jahren zeigt.

 

Technische Konsumgüter

Unterhaltungselektronik war in der DDR Luxusgut: Unsere Exponate kosteten allesamt über 100 Mark – so zum Beispiel die Wanduhr „Piezochron“ für stolze 895 Mark. Auch das Stereokassettengerät "LCS 1010" war besonders bei Jugendlichen beliebt, war aber mit seinem Preis von 399 Mark ein wahres "Luxusprodukt". Solcherlei Statussymbole standen in der DDR nie ausreichend zum Kauf zur Verfügung: In Versorgungslücken oder Engpässen der einen Waren und in der Überproduktion anderer spiegelte sich der Widerspruch zwischen der Orientierung der Planung auf notwendige Gebrauchsgüter und den entwickelnden Bedürfnissen der Bevölkerung wider. Darüber hinaus war für die SED der Begriff „Luxus“ idealistisch betrachtet negativ besetzt – somit wurden Produkte, die in diese Kategorie fielen, stark verteuert beziehungsweise für den Export verwendet.

 

1000 kleine Dinge des täglichen Bedarfs

Bereits Ende der Fünfzigerjahre wurden Industriebetriebe dazu verpflichtet, auch Gebrauchsgegenstände des Alltags herzustellen, um so den Bedarf zu decken: Hierzu zählten u.a. Streichhölzer, Schnürsenkel, Knöpfe oder Glühbirnen. Die Kampagne "1000 kleinen Dinge des täglichen Bedarfs" sollte bezwecken, Alltagsgegenstände wie Töpfe oder Haushaltsscheren in ausreichenden Mengen zu produzieren. Die in den 7-Jahres-Plan 1959-1965 aufgenommenen "Tausend kleinen Dinge" sollten per Gesetz in entscheidender Weise dazu beizutragen, "Westdeutschland auf dem Gebiet der Arbeitsproduktivität einzuholen und zu überflügeln" (Bruno Leuschner, Vorsitzender der Staatlichen Plankommission). So wurden Industriebetriebe dazu verpflichtet, im Rahmen ihrer Produktion auch Konsumgüter herzustellen. Beispielhaft hat die Kuratorin Objekte wie eine Fußballhupe aus ‚Kunststoff gewählt, welche allerdings im VEB Holz- und Metallwaren Leutenberg hergestellt wurde.

 

Bückware

Der Begriff „Bückware“ bezieht sich auf Produkte, die in der DDR nicht als Teil des regulären Sortiments erhältlich waren sondern nach denen sich der Verkäufer „unter den Ladentisch bücken“ musste. Er entstand bereits 1939 mit dem Beginn des 2. Weltkriegs. Die Verknappung eines Produkts in der DDR konnte unterschiedliche Ursachen haben: Entweder eine "Fehlverteilung" von z.B. Toilettenpapier in den einzelnen Regionen, entstanden durch die Planwirtschaft. Ebenso konnte die Verknappung entstehen, wenn Menschen bestimmte Produkte auf Vorrat kauften mit dem Verwendungsziel, sie als Tauschware zu nutzen. Somit konnten durchaus auch Waren des alltäglichen Bedarfs als "Bückware" klassifiziert werden – je nach Standort, Zeit und persönlichem Bedarf. hierzu zählten z.B. Tomatenketchup, Toilettenpapier, Kindernahrung, Alkohol, Schokoladen, Erdnussflips usw. Hintergrund war das Wirtschaften nicht nach marktüblichen Prinzipien (Preis-Leistung, Bedarf und Nachfrage) sondern nach Fünfjahresplänen die regeln, welche Produkte künftig in welchem Umfang produziert werden sollen. Die Planwirtschaft versäumte es jedoch, die genauen Stückzahlen festzulegen. So gab es von dem einen Artikel zu viel, vom anderen zu wenig.

 

Das DDR Museum wünscht viel Freude mit unserem neuen Ausstellungsbereich!

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