Olympische Sommerspiele und die DDR

Da momentan die XXXI. Olympischen Sommerspiele im brasilianischen Rio de Janeiro stattfinden, widmen wir unseren Sammlungsblog diese Woche der olympischen Geschichte der DDR.
von Jörn Kleinhardt (11.08.2016)

Da momentan die XXXI. Olympischen Sommerspiele im brasilianischen Rio de Janeiro stattfinden, widmen wir unseren Sammlungsblog diese Woche der olympischen Geschichte der DDR.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann die Olympische Bewegung in den jeweiligen Besatzungszonen durch Gründung eines provisorischen Olympischen Ausschusses. Da dieser jedoch nicht durch das Internationale Olympische Komitee anerkannt wurde, konnten die deutschen Sportler an den ersten olympischen Spielen nach dem Zweiten Weltkrieg nicht teilnehmen. In der Folgezeit wurden in den beiden deutschen Staaten jeweils Nationale Olympische Komitees gegründet. Da jedoch nur das zuerst gegründete, westdeutsche Komitee anerkannt wurde, durften nur westdeutsche Sportler bei den Sommerspielen 1952 in Helsinki teilnehmen. Das IOC drängte die beiden deutschen Staaten daraufhin zur Bildung einer gesamtdeutschen Mannschaft für die folgenden olympischen Turniere. Fortan nahm also eine gesamtdeutsche Mannschaft an den Spielen zwischen 1956 und 1968 teil. Da man sich nicht auf eine einheitliche Nationalhymne einigen konnte, wurde bei Bedarf ein Auszug aus Beethovens „Ode an die Freude“ gespielt. Auch im Bezug auf die Nationalflagge, hatte man ähnliche Schwierigkeiten. Da keiner der deutschen Staaten die Flagge des anderen akzeptierte, kreierte man für die Jahre der gesamtdeutschen Teilnahme eine Flagge in den deutschen Nationalfarben und mittiger Abbildung der fünf olympischen Ringe.

Zur Olympiade 1972 in München traten dann erstmals zwei deutsche Mannschaften unabhängig voneinander an. Der deutsch- deutsche Wettbewerb um die prestigeträchtigen Medaillenplätze wurde somit eröffnet. Am Ende des olympischen Turnieres stand die DDR im Medaillenspiegel hinter der Sowjetunion und den USA auf dem dritten Platz, gefolgt vom großen Konkurrenten aus der Bundesrepublik. Vier Jahre später, im kanadischen Montreal schaffte es die DDR in der Gesamtwertung gar auf den zweiten Platz und verdrängte die USA auf den dritten Platz. Die Mannschaft aus der Bundesrepublik, wurde wie beim Turnier im eigenen Land, Vierter.

Die Olympischen Spiele im Jahr 1980 sollten eigentlich ein Höhepunkt der ostdeutschen Olympiabewegung werden. Die Spiele in Moskau wurden jedoch von 42 westlichen Staaten boykottiert. Da die Konkurrenz aus dem Westen nicht antrat, dominierten die sowjetischen und deutschen Sportler nahezu jede Sportart. Zusammen errangen die Sportler beider Länder mehr als die Hälfte aller Medaillen! In der Endwertung stand die DDR hinter dem „Großen Bruder“ Sowjetunion wie vier Jahre zuvor auf dem zweiten Platz.

Nach den Boykottspielen von Moskau kam es vier Jahre später zu Gegenboykott des sozialistischen Lagers bei den Olympischen Spielen in Los Angeles. Die dritten Boykottspiele in Folge zwangen das IOC zum Umdenken. Dies und der sich entspannende Konflikt der Supermächte sorgten in der Folgezeit für mehr Toleranz und eine Öffnung.

Bei den Sommerspielen im südkoreanischen Seoul waren nach über eine Jahrzehnt wieder (fast) alle Nationen vertreten. Bei diesen letzten Spielen vor der deutschen Wiedervereinigung errangen die Sportler aus der DDR wieder den zweiten Platz in der Gesamtwertung. Die bundesdeutschen Athleten mussten sich in der Gesamtwertung den Gastgebern aus Südkorea geschlagen geben und erreichten den fünften Platz.Bei den darauffolgenden Spielen in Barcelona 1992 trat dann wieder eine gesamtdeutsche Mannschaft an und erreichte einen guten dritten Platz. Die Streitigkeiten um Flagge und Nationalhymne gehörten, wie die Teilung Deutschlands, der Vergangenheit an.

Als anschauliches Objekt zum Thema Olympia und die DDR, habe ich die Broschüre „Olympia 80“ ausgewählt. Auf insgesamt 96 Seiten sind zahlreiche Fotografien mit kleinen Begleittexten zum Olympiaauftritt der DDR Sportler in Moskau zusammengefasst. Das Besondere an dieser Broschüre sind jedoch die Originalautogramme auf der Vorderseite. Zum einen ziert nicht nur das Konterfei von Waldemar Cierpinski das Deckblatt, der Olympiasieger im Marathon signierte unsere Broschüre auch noch! Zusätzlich befindet sich ein zweites Autogramm auf dem Deckblatt. Auch diese Signatur stammt von einem Olympiasieger der Spiele von 1980. Rudi Fink errang damals die Goldmedaille im olympischen Boxturnier im Federgewicht. Der in Cottbus geborene Amateurboxer wurde viele Jahre von Boxlegende Manfred Wolke trainiert und ist heutzutage selber als Trainer aktiv.

Haben Sie noch nette Anekdoten von Olympischen Spielen oder waren vielleicht direkt beteiligt? Dann zeigen Sie uns Ihre schönsten Erinnerungen unter und weisen uns darauf hin mit folgendem Hashtag #ddrolympia oder schreiben Sie uns eine Mail!

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