DDR-Design

Hummel macht die Fliege: Ein Dresdner Phono-Pionier der Nachkriegsjahre gibt auf

Vor 70 Jahren, gleich nach dem Kriegsende 1945, schickt sich der Dresdner Elektrotechniker Heinz Hummel in einer kleinen Werkstatt zwischen all den Trümmern an, eine eigene kleine Firma zu gründen. Aus Wehrmachtsrestbeständen und anderem geeigneten Material und mit viel Improvisationsgeschick verfertigt er zunächst Taschenlampen mit Hand-Dynamoantrieb, später dann (und bald ausschließlich) Schallplattenspieler-Laufwerke und -Apparate unter dem Markennamen „Dynamos“. von Günter Höhne (23.02.2015)

Vor 70 Jahren, gleich nach dem Kriegsende 1945, schickt sich der Dresdner Elektrotechniker Heinz Hummel in einer kleinen Werkstatt zwischen all den Trümmern an, eine eigene kleine Firma zu gründen. Aus Wehrmachtsrestbeständen und anderem geeigneten Material und mit viel Improvisationsgeschick verfertigt er zunächst Taschenlampen mit Hand-Dynamoantrieb, später dann (und bald ausschließlich) Schallplattenspieler-Laufwerke und -Apparate unter dem Markennamen „Dynamos“. Die Menschen finden wieder Freude an Musik, in der jungen DDR kommt die Plattenproduktion (zunächst vorwiegend Schelllack-Scheiben) auf Touren, und die Nachfrage besonders nach transportablen Abspielgeräten in „Koffern“ boomt.

1955 beantragt Hummel beim Ostberliner Amt für Erfindungs- und Patentwesen als nun schon seit Jahren ideen- und erfolgreicher mittelständischer Anbieter auch auf den Leipziger Messen das neue Warenzeichen „Hummel“ für „elektrotechnische Geräte, Sprechmaschinen, Schallplattenapparate, Schallplatten“. Unter dieser Marke präsentiert er auf dem Markt nicht nur neue technische Lösungen, so für automatische Plattenwechsler, sondern auch eine eigenständige liebevolle Handschrift bei der Gestaltung von Produktdetails und der Firmenausstattung. Die hebt sich merklich vom Einheitsdesign der „volkseigenen“ Hersteller in der Branche ab.

So erfreut sich Heinz Hummel immer größerer Verkaufserfolge. Weniger beglückt werden diese von den staatlichen Wirtschaftsorganen wahrgenommen, und dem privaten Kleinunternehmer legt man nun sehr dringend nahe, sich nicht weiter in Konkurrenz mit den staatlichen Betrieben zu begeben und seine Firma doch lieber freiwillig (!) ebenfalls „volkseigen“ werden zu lassen. Hummel weiß, was ein Nein bedeuten würde: Zwangsverstaatlichung und damit das Ende seiner unternehmerischen Kreativität. So setzt er sich mit der Familie und den Patenten 1958 kurz entschlossen nach Westdeutschland ab. Wie so viele andere kluge Köpfe, die doch eigentlich in der DDR etwas Gutes und Schönes, ganz Eigenes hatten tun wollen.

Bild und Text: Günter Höhne

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