DDR-Design

Langzeitprodukt LD 63: Und kein Haar in der Suppe zu finden...

Wenn auch immer noch mal gern vom „grauen Alltag“ in der DDR die Rede ist – für die perfekte Frisur, ob grau, blond, brünett oder schwarz, gab es stets ein buntes Angebot von Haartrockner-Handgeräten. Sie hießen kurz und knapp „LD“, was für „Luftdusche“ stand.
von Günter Höhne (30.09.2015)

Wenn auch immer noch mal gern vom „grauen Alltag“ in der DDR die Rede ist – für die perfekte Frisur, ob grau, blond, brünett oder schwarz, gab es stets ein buntes Angebot von Haartrockner-Handgeräten. Diese hatten über viele Jahre hinweg nicht nur ein recht eigenständiges Design, gemessen an ihrer internationalen Konkurrenz, sondern trugen auch eine Sammelbezeichnung, die sie von gängigen West-Produkten wie etwa dem allbekannten und traditionsreichen „Haar-Fön“ unterschied: Sie hießen kurz und knapp „LD“, was für „Luftdusche“ stand.

Eine ihrer verbreitetsten Vertreterinnen ist die Anfang der 1960er Jahre geschaffene, danach wiederholt technisch und gestalterisch modifizierte und ihr Farbenspektrum erweiternde, dabei aber stets ihre Grundform und -funktion bewahrende LD 63 (nachfolgend LD 65) aus Kunststoff. Sie behauptete sich fast 30 Jahre auf dem Markt – unangefochten trotz einer Legion von daneben aufmarschierenden neuen modernen LD-Sets aus DDR-Produktion mit immer raffinierteren Zusatzgeräten. Anders als diese in unterschiedlichen Stabformen daher kommenden Geräte behielten die LD 63 und 65 ihr typisches, diskusähnliches Erscheinungsbild bei, nur geringfügig modifiziert und dies oft erst auf den zweiten Blick erkennbar, etwa an Detailveränderungen der Ventilator-Wangen oder an der „Schnauze“ des Luftaustritts.

Durchweg beibehalten wurden aber die Anordnung der Bedienelemente und Einrastpunkte für Griff und Tischständer sowie der simple Zugang ins Gehäuse zu Reinigungs- und Reparaturzwecken.

Bemerkenswert, dass für die „ästhetische Charakterfestigkeit“ dieses im Grunde genommen schlichten Produktes während seiner drei Lebensjahrzehnte nicht weniger als vier Industriedesigner verantwortlich zeichneten. Damit demonstrierte der Hersteller VEB Elektrowerke Blankenburg einen ausgeprägten Sinn für Produktkultur, wie er leider so vielen anderen sozialistischen Kombinats- und Betriebsfürsten weder mit guten Worten noch mit Plandirektiven beizubringen war.

Text und Bilder: Günter Höhne, www.industrieform-ddr.de

 

 

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