DDR-Design

Gütesiegel vom bösen Bruder: Vor 30 Jahren erstmals iF-Awards für DDR-Bürotechnik

Günter Höhne schildert die Geschichte des renommierten Hannoverschen Design-Wettbewerbs "iF-Award".
von Günter Höhne (21.01.2015)

“Die Hannovermesse ’84 spiegelt die Verschärfung der allgemeinen Krise des Kapitalismus und den verstärkten Druck, der durch die Reagan-Administration ausgeübt wird, wider.” – So beginnt eine interne vertrauliche Westreisekader-Information an Führungskräfte der staatlichen DDR-Designbehörde Amt für industrielle Formgestaltung (AIF) über Hannovers Messejahrgang 1984. Immer im Frühjahr zieht die mit der Leipziger Messe konkurierende westliche Industrie-Leistungsschau auch solche passiven „Teilnehmer“ aus dem Ostblock an, die von hier ein Bild vermitteln sollen über den wissenschaftlich-technischen Fortschritt „drüben“.

Ein Jahr nach dem zitierten Lagebericht und trotz „Verschärfung der allgemeinen Krise des Kapitalismus” beteiligen sich 1985 DDR-Firmen offiziell nun erstmals auch am seit Jahrzehnten weltweit renommierten Hannoverschen Design-Wettbewerb, dem iF-Award (das „iF“ steht für „gute Industrieform“). Und man bleibt nicht erfolglos. Das volkseigene Robotron-Großkombinat, sozialistisches Multiunternehmen für so gut wie alles, was Elektronik in sich birgt, stößt 1985 mit der portablen Schreibmaschine „erika electronic“ sowie gleich drei PC-Druckern auf Anerkennungen bei den Juroren, darunter der Nadeldrucker „robotron K 6304“ – der aber kurioserweise erst ganze zwei Jahre später auch die DDR-Auszeichnung Gutes Design zugesprochen bekommt.

1986 ist es dann der Leipziger Leuchtenbaubetrieb des NARVA-Großkombinates, der mit zwei Serien von Tisch- und Ständerleuchten beim iF-Wettbewerb glänzen kann, 1988 darf sich ein Forschungsmikroskop aus Jena mit iF schmücken, und im letzten DDR-Existenzjahr 1990 landet der Eimerkettenschwenkbagger ERs 630 des Leipziger TAKRAF-Kombinates sogar einen Designvolltreffer unter den „Besten der Branche“.

Was das auch sonst international erfolgreiche Großunternehmen für Tagebauausrüstungen, Kräne und Transportanlagen aber auch nicht davor rettet, alsbald von der Treuhandanstalt zerschlagen und verscherbelt zu werden.

Bilder: Nadeldrucker Robotron K 6304 aus Sömmerda, das Modell 3005 der Erika electronic-Baureihe ab 1985 und iF-Kataloge 1985 bis 1988.

 

Bilder und Text: Günter Höhne, www.industrieform-ddr.de

 

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