Sammlung

Die Volksmarine

Zu Gesamtstruktur der Volksmarine gehörten neben den Flottillen, unterstützende Einheiten wie Marineflieger, Stabs- und Nachrichtentruppen, Kampfschwimmer, Pioniere, Waffentechniker, Versorger, Küstenschutzeinheiten und Ausbildungseinheiten. von Jörn Kleinhardt (21.10.2016)

Im Sommer 1950 wurde mit sowjetischer Unterstützung die „Hauptverwaltung Seepolizei (HVS)“ aufgebaut. Hauptaufgabe des dem Ministerium des Innern unterstellten Organs, war die Wahrung der Sicherheitsinteressen der DDR an der Seegrenze und in den Küstengewässern der Republik. Knapp zwei Jahre später erfolgte die Umbenennung der „Seepolizei“ in „Volkspolizei See“ und die gleichzeitige Eingliederung in die „Kasernierte Volkspolizei (KVP)“, den Vorgänger der NVA. Zum 1. März 1956 wurde die Kasernierte Volkspolizei mit allen Teilstreitkräften zur Nationalen Volksarmee(NVA) überführt.   Die „Volkspolizei See“ als Seestreitkraft behielt vorerst ihren Namen, erst ab 1960 wurde die Teilstreitkraft als „Volksmarine“ bezeichnet. Diesen Namen behielt die Marine der DDR bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1990.

Organisatorisch wurden die schwimmenden Einheiten der Volksmarine in drei Flottillen an verschiedenen Standorten unterteilt. Die 1. Flottille mit Sitz in Peenemünde auf der Insel Usedom war ein gemischter Verband und wurde später zum amphibischen Kampfverband umgebaut. Die gemischte Flottille bestand aus Landungsschiffen, Minensuch- und U-Boot-Abwehr Booten sowie den dazugehörigen Tross aus Hilfsschiffen.

Die 4. Flottille hatte ihren Sitz in Rostocker Stadtteil Warnemünde, im Stützpunkt Hohe Düne. Sie bestand ebenfalls aus verschiedenen operativen Einheiten wie Küstenschutzschiffen, Minenlegern, Vermessungs- und Aufklärungseinheiten und Einheiten zur U-Boot Jagd.

Die letzte der drei Flottillen, die 6. Flottille war der Schnellbootverband der Volksmarine. Die wendigen und schnellen Einheiten waren auf Bug, südlich von Dranske auf der Insel Rügen stationiert. Unterteilt wurden die Einheiten in Torpedoschnellboote und mit fortlaufender technischer Entwicklung kamen ab den 1960er Jahren Raketenschnellboote dazu.

Zu Gesamtstruktur der Volksmarine gehörten neben den Flottillen, unterstützende Einheiten wie Marineflieger, Stabs- und Nachrichtentruppen, Kampfschwimmer, Pioniere, Waffentechniker, Versorger, Küstenschutzeinheiten und Ausbildungseinheiten.

Eine Besonderheit stellt die „6. Grenzbrigade Küste“ dar. Ursprünglich aus der Grenzpolizei des Landes Mecklenburg hervorgegangen, wurde die  Brigade 1961 formiert und unterstand bis 1990 operativ der Volksmarine. Im Gegensatz dazu bildeten die an Land eingesetzten Grenztruppen der DDR eine eigene Teilstreitkraft innerhalb der bewaffneten Organe der DDR. Der „6. Grenzbrigade Küste“ oblag die Sicherung der DDR-Staatsgrenze zu Wasser.

Die Bewaffnung und Ausstattung der Volksmarine wurde Zeit ihres Bestehens an die jeweiligen Militärdoktrinen angepasst. Die schwimmenden Einheiten kamen anfangs zumeist aus der Sowjetunion, nach dem Aufbau einer eigenen Werftindustrie wurden viele Typen auf den heimischen Ostseewerften gebaut. Anfangs stand die Räumung von Minen aus dem 2. Weltkrieg im Vordergrund, dementsprechend bestand die Ausstattung vor allem aus Minensuch- und Minenräumbooten. Da der Warschauer Vertrag bei der Blockkonfrontation großflächige amphibische Operationen in Nord- und Ostsee plante, wurde die Volksmarine ab den 1960er Jahren mit Landungsbooten  ausgestattet. Die auf der Wolgaster Peenewerft gebauten Schiffe der Hoyerswerda Klasse waren neben den Versorgungsschiffen der Darss-Klasse die größten Schiffe der Volksmarine. Der technische Fortschritt und die Weiterentwicklung der Waffentechnik sorgten in den 1960er Jahren für das Aufkommen der Klasse der Raketenschiffe. In den 1980er Jahren wurde vor allem an die eigene Luftunterstützung und Luftüberlegenheit gedacht. So entstanden ab Anfang der 1980er Jahre ein Hubschraubergeschwader und ab 1985 ein Marinefliegergeschwader. Gleichzeitig wurden bestehende Boote und Schiffe mit besseren Flugabwehrmöglichkeiten ausgestattet.

In unserem Sammlungsbestand befindet sich ein Fotoalbum „Zur Erinnerung an die Dienstzeit in der Volksmarine“, welches auf den Oktober 1964 datiert ist. Es enthält zahlreiche hochwertige Fotos auf denen der abwechslungsreiche Arbeitsalltag bei den Seestreitkräften dokumentiert ist. Neben Fotos der verschiedenen Schiffstypen, befinden sich auch Bilder von der Vereidigung vor dem Stralsunder Rathaus, von Einsätzen als Erntehelfer oder zahlreichen seemännischen Manövern in dem Album.

Haben Sie auch in der Volksmarine gedient oder haben Erlebnisse oder Objekte mit dem Hintergrund Volksmarine? Dann würden wir uns freuen wenn Sie sich bei uns melden würden!

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